Lagarosiphon

Scheinwasserpest, Froschbissgewächs, Hydrocharitaceae

Gattung:

Lagarosiphon umfasst etwa 9 Arten (Kew 2023). Die Gattung ist in Afrika einschließlich Madagaskar beheimatet.
 

Lagarosiphon major 

Große Scheinwasserpest,
Lagarosiphon major 
Froschbissgewächs, Hydrocharitaceae

 

Steckbrief:

Immergrüne, ausdauernde Wasserpflanze mit wenig verzweigten Sprossen, die mehrere Meter lang werden können. Blätter dicht schraubenständig, in den oberen Stängelabschnitten stark aneinander genähert, eine Quirlständigkeit vortäuschend, schmal-lanzettlich, 1–3 cm lang, am Grunde 1–3 mm breit, zurückgebogen, im Spätsommer steif werdend und beim Herausziehen nicht zusammenfallend. Blüten im Ø 2–3 mm, aber selten blühend. Blütezeit Juli bis August.
Verwechslungsmöglichkeit: Die Dichte Wasserpest, Elodea densa, hat quirlständige Blätter, die außerhalb des Wassers zusammenfallen.
 

 

Nutzung:

Aquaristik.
 

Ausbreitung:

Im südlichen Afrika beheimatete Pflanze, die im Gebiet seit 1906 als Kaltwasser-Zierpflanze für Aquarien genutzt wird (Kasselmann 2010). Die Vermehrung erfolgt vegetativ durch Seitensprosse, da bisher nur weibliche Pflanzen außerhalb des ursprünglichen Areals festgestellt wurden und es dadurch zu keiner Ausbildung von Diasporen kommt (Kasselmann 2010). Die Fernausbreitung von Pflanzenteilen erfolgt durch Verdriftung in Fließgewässern, durch Tiere und Transporte von Freizeitgeräten wie Booten (CABI 2011). Sprossbruchstücke können monatelang lebensfähig bleiben, bis sie bei Bodenkontakt anwurzeln. Die Art ist empfindlich gegenüber Windexposition und Wellengang und bevorzugt daher geschützte Standorte. Lagarosiphon major stirbt bei Frost ab, kann sich aber aus nicht durchgefrorenem, tieferem Wasser regenerieren (Matthews & al. 2012).
 
Subspontane Vorkommen sind in Österreich seit 1938 in Thermalwässern des Warmbades Villach in Kärnten bekannt. Bei einer eigenen Nachsuche im Warmbach 2024 konnte die Art hier nicht mehr festgestellt werden. In Deutschland von Erhard Dörr 1966 erstmals im Schwansee bei Hohenschwangau in Bayern nachgewiesen (Wolff 1980, Dörr & Lippert 2001), wo sie auch 2008 noch reichlich zu finden war (Meierott & al. 2024). Gegenwärtig im Gebiet sehr vereinzelt. Die meisten Vorkommen beruhen wahrscheinlich auf Ansalbung oder unsachgemäße Entsorgung von Aquarienpflanzen (Matthews & al. 2012, BfN 2013). Die Art steht seit 2016 auf der EU-Liste invasiver Arten und darf nicht verkauft oder gehalten werden. In Europa gilt sie bisher nur in Irland als invasiv (Bickel 2012). Dort wird sie unter anderem durch Abdecken mit Geweben aus Jute bekämpft (Caffrey & al. 2010). Untersucht werden weiters Bekämpfungsmöglichkeiten mit einer Rüsselkäfer-Art der Gattung Bagous und zwei minierenden Fliegenarten, wobei die Salzfliege Hydrellia lagarosiphon am vielversprechendsten scheint (Baars & al. 2012).
 
DEUTSCHLAND:
Einzelne Vorkommen aus mehreren Bundesländern (Hussner & al. 2010, Buttler & al. 2012, BfN 2013), so in Baden-Württemberg 1995 bei Neumalsch in der Oberrheinebene, 1992 Mühlbach am Heuchelberg und 1986 bei Zweiflingen in der Hohenloher Ebene (Sebald & al. 1998, Hand & Thieme 2023), in Bayern im Schwansee, Bannwaldsee, Starnberger See und bei Feldmoching nahe München (Dörr & Lippert 2001, Lippert & Meierott 2014, Dickoré & Springer 2011), Oberrheingebiet in Hessen (Müller & al. 2021), Niedersachsen (Nehring & Skowronek 2020), seit 1994 in Nordrhein-Westfalen (Hussner 2006), so in Köln, im Laacher See bei Leverkusen, im Eulenberg-Steinbruchsee bei Eudenbach und in Gewässern bei Steinfurt-Burgsteinfurt und Bislich (Sumser & al. 2015, Gorissen 2015), in Rheinland-Pfalz bei Waldesch und Kleinmaischeid im Hunsrück, Zehnhausen im Westerwald und 1980 beim Weitersweiler (Fischer 1981, Sebald & al. 1998, Hand & Thieme 2023), im Saarland (Hand & Thieme 2023), in Sachsen (Nehring & Skowronek 2020) und in Sachsen-Anhalt bei Boßdorf (Frank & Schnitter 2016). Bisher zeigen alle Vorkommen in Deutschland und in den angrenzenden Ländern keine starke Ausbreitung. Die meisten Vorkommen sind isoliert und beruhen sehr wahrscheinlich jeweils auf Einschleppung oder Ansalbung (Matthews & al. 2012, BfN 2013).
ÖSTERREICH:
In Thermalwässer im Warmbach Villach in Kärnten (Hartl & al. 1992, Glaser & al. 2025), in Salzburg (Pall & al. 2013) und in der Alten Donau in Wien beim Angeli- und Birnerbad seit 1950, wahrscheinlich angesalbt (Forstner & Hübl 1971, Adler & Mrkvicka 2003, Fischer & al. 2008). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1938 (Seebens & al. 2017, Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Selten, im südlichen Tessin, am Genfer See im Kanton Waadt, im Wallis und 1976 bis 1980 in einem Tümpel bei Flaach nördlich von Feldhof im Kanton Zürich (Welten & Sutter 1982, Moser & Palese 1999, Wohlgemuth & al. 2020, Infoflora 2024).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), seit 2003 in den Niederlanden (Seebens & al. 2017, FLORON 2021), seit 2005 in Ungarn (Seebens & al. 2017), seit 1966 in Irland (Seebens & al. 2017) und seit 1944 in Großbritannien (Bickel 2012). In Neuseeland in den 1950er-Jahren erstmals subspontan gefunden, seitdem hat sie sich fast im ganzen Land ausgebreitet. Mancherorts verdrängte sie die bereits vorher eingeschleppte Kanadische Wasserpest, Elodea canadensis. Die Art wurde anfangs als Zierpflanze oder zur Wasserverbesserung durch Sportfischer auch absichtlich angesiedelt. 1982 wurde in Neuseeland der Handel mit Lagarosiphon major generell verboten. Dies führte zunächst sogar zu einer Verschlechterung, da viele Pflanzen illegal in natürliche Gewässer entsorgt wurden. In Australien wurden die neophytischen Lagarosiphon-Vorkommen vernichtet (CABI 2021).

 
Weitere Art:

Lagarosiphon muscoides

Die afrikanische Fliegen-Scheinwasserpest, Lagarosiphon muscoides, wurde im Warmbach bei Villach angesalbt und zeigte keine Ausbreitungstendenz (Essl & Rabitsch 2002), weshalb sie hier in dieser Arbeit nicht berücksichtigt wird.
 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Museums Wien, 831 S.

Baars J.R., J. A. Coetzee, G. Martin, M. P. Hill, J. M. Caffrey (2012): Natural enemies from South Africa for biological control of Lagarosiphon major (Ridl.) Moss ex Wager (Hydrocharitaceae) in Europe. In: Hydrobiologia Volume 656.

BfN (2013): Lagarosiphon major (Ridl.) Moss, FloraWeb - Datenbank FLORKART, Netzwerk Phytodiversität Deutschlands. Bundesamt für Naturschutz, http://www.floraweb.de/pflanzenarten/artenhome.xsql?suchnr=3252&

Bickel T.O. (2012): Lagarosiphon major (Ridley) Moss ex Wagner (curly water weed). In: Robert A. Francis (Hrsg.): A Handbook of Global Freshwater Invasive Species. Earthscan, London.

CABI (2011): Lagarosiphon major (African elodea). CABI Invasive Species Compendium, http://www.cabi.org/isc/?compid=5&dsid=30548&loadmodule=
datasheet&page=481&site=144

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Dickoré W. & Springer S. (2011): Neues zur Flora von München - Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 81: 79–108.

Dörr E. & Lippert W. (2001): Flora des Allgäus und seiner Umgebung Band 1 – IHW-Verlag Eching, 680 S.

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