Kolkwitzia

Perlmuttstrauch, Geißblattgewächs, Caprifoliaceae

Gattung:

Monotypisch. 2013 wurde von Christenhusz vorgeschlagen, Kolkwitzia zusammen mit den Gattungen Abelia, Diabelia, Dipelta und Versalea zu einer erweiterten Gattung Linnaea zusammenzuführen (Christenhusz 2013).
 

Kolkwitzia amabilis

Perlmuttstrauch,
Kolkwitzia amabilis
(Syn.: Linnaea amabilis)  
Geißblattgewächs, Caprifoliaceae

 

Steckbrief:

Bis 3 m hoher, sommergrüner Strauch mit breit-eiförmigen, lang zugespitzten Blättern und hellrosa, behaarten Blüten in breiten Trugdolden. Krone 1,5 cm lang, glockig, fünfzipflig, im behaarten Schlund gelb-orange. Kelch mit 5 schmalen Zipfeln. Blütezeit Mai bis Juni.
 

Name:

Benannt zu Ehren des deutschen Naturwissenschaftlers Richard Kolkwitz (1873−1956). Kolkwitz war Professor der Botanik und Leiter der Biologischen Abteilung der Preußischen Versuchs- und Prüfungsanstalt für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung in Berlin. Kolkwitz hat zusammen mit Maximilian Marsson (1845–1909) die Grundlage für die heute angewandte Methode der Biologischen Gewässergütebestimmung entwickelt, indem diese als Bioindikatoren zunächst ca. 300 Pflanzen- und 500 Tierarten benannten, mit deren Hilfe die von ihnen geprägten Saprobienstufen definiert werden. Botanisch verfasste Kolkwitz u.a. „Die Pflanzenwelt der Umgebung von Berlin“ (Burkhardt 2018). In der Autobiographie von Vincenz Brehm (1879−1971), der ihn 1940 in der Biologischen Station Lunz am See in Niederösterreich kennenlernte, wird Kolkwitz als ungemein liebenswürdiger und herzlicher Mensch beschrieben. Neben dem Geißblattgewächs sind ihm zu Ehren die Flagellatengattung Kolkwitziella und der Richard-Kolkwitz-Weg in Berlin benannt (Pusch & al. 2015).
 

Heimat:

In einem kleinen Gebiet von China.
 

Nutzung:

Als Ziergehölz, in wenigen Sorten wie `Maradco´ (1995) mit gelblichen Blättern oder `Pink Cloud´ (1946) mit kräftig rosa gefärbten Blüten. Die Art ist industriefest, stadtklimafest, erträgt sommerliche Hitzeperioden und ist auf sehr nährstoffreichen Böden blühfaul (Bruns 2009).
 

 

Ausbreitung:

1893 in der Provinz Shensi vom italienischen Pater Guiseppe Giraldi entdeckt, der sich von 1890 bis 1895 als Missionar in China aufhielt. Ein Herbarexemplar schickte er nach Florenz, von wo sie zur Bestimmung an das Botanische Museum Berlin weitergegeben wurde. Karl Otto Graebner erkannte anhand der Fruchtmerkmale, dass es sich um eine neue Gattung aus der Familie der Geißblattgewächse handelt. 1901 schickte der Pflanzensammler Ernest Henry Wilson Samen des Perlmuttstrauchs nach England, wo sie in der Gärtnerei Veitch & Sons ausgesät wurden. Jungpflanzen davon wurden am Botanischen Garten Kew als Kolkwitzia amabilis bestimmt und 1909 im Kew Bulletin vorgestellt, obwohl die Art in England bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Blüte gekommen war. Die Kolkwitzie wurde „als wenig ansehnlich und nur für Liebhaber geeignet“ beschrieben. 1910 blühte der Strauch erstmals und wurde langsam als Gartenzierstrauch beliebt. 
Im Gebiet selten verwildert.
DEUTSCHLAND:
1990 im Wernhaldepark Stuttgart und in Mannheim in Baden-Württemberg (Schäfer 1992, Junghans 2014), bei Pessenburgheim, 2001 bei Sulzfeld und 1997 Breitengüßbach in Bayern (Meierott 2008), Hessen (Hand & Thieme 2023) und Querumer Forst in Braunschweig in Niedersachsen (Brandes 2003). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte nach 1980 (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
2021 in einem Auwaldrest am Westufer des Ossiacher Sees in Kärnten (FKÖ 2021, Strudl in: Pachschwöll & al. 2025), Deutsch-Wagram, Gänserndorf und Straßhof im Marchfeld, Kirchschlag in der Buckligen Welt und 2020 bei Tribuswinkel und Wienersdorf in Niederösterreich (Stöhr & al. 2009, Stöhr & al. 2007, Sauberer & al. 2025), Dietach, 2017 bei Scherhasloach, Gemeinde Moosdorf und 2016 in Thal bei Raab in Oberösterreich (Hohla 2016, Hohla 2022), 2024 am Götschenweg nahe dem Leopolskroner Teich in Salzburg (pers. Mitt. von Peter Pilsl am 8. Okt. 2025, FKÖ 2021), am Inn bei Prutz in Nordtirol (Pagitz & Lechner-Pagitz 2015), Osttirol (Pagitz & al. 2023) und Neuwaldegg in Wien (Stöhr & al. 2009). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2005 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. 2012 auch in Belgien (Verloove 2021), in Norwegen (Gederaas & al. 2012) und in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

 

Quellen

Adler B., Adler J. & Kunzmann G. (2017): Flora von Nordschwaben – Arbeitsgemeinschaft Flora Nordschwaben e. V. – Deiningen, 813 S.

Brandes D. (2003): Die aktuelle Situation der Neophyten in Braunschweig – Braunschw. Naturkundl. Schr. 6/4: 705–760.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

Christenhusz M.J.M. (2013): Twins are not alone: a recircumscription of Linnaea (Caprifoliaceae) - Phytotaxa. 125 (1): 25–32.

FKÖ (2021): Arbeits-Verbreitungskarten zum Atlas der Flora Österreichs - Projektdatenbank zur Floristischen Kartierung Österreichs.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hohla M. (2016): Wiederfund der Kanten-Wolfsmilch (Euphorbia angulata) in Oberösterreich, sowie weitere Beiträge zur Flora von Oberösterreich, Niederösterreich, Steiermark und Vorarlberg – Stapfia 105: 109–118.

 



Hohla M. (2022): Flora des Innviertels – Stapfia 115, 720 S., unter besonderer Mitwirkung von F. Grims†, R. Krisai†, P.A.Kraml, S. Kellerer, G. Kleesadl, G. Pflugbeil, P. Pilsl, J. Samhaber, C. Schröck, J.A. Stemper, O. Stöhr & W. Zahlheimer.

Junghans T. (2014): Ausmaß und Dynamik der Verwilderung von Zierpflanzen am Beispiel von Mannheim – Berichte aus den Arbeitskreisen – Pollichia-Kurier 30/4: 6–9.

Meierott L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Pagitz K., Lechner-Pagitz C. (2015): Neues zur Neophytenflora Nord- und Osttirols (Österreich) – Neilreichia-Verein zur Erforschung der Flora Österreichs 7: 29–44.

Pagitz K., O. Stöhr, M. Thalinger, I. Aster, M. Baldauf, C. Lechner-Pagitz, H. Niklfeld, L. Schratt-Ehrendorfer & P. Schönswetter (2023): Rote Liste und Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols – Natur in Tirol, Band 16.

Pusch J., K.-J. Barthel & W. Heinrich (2015): Die Botaniker Thüringens – Haussknechtia Beiheft 18, Thüringische Botanische Gesellschaft e.V.

Sauberer N., Prinz M. A. & Till W. (2025): Nachträge und Korrekturen zur Flora von Traiskirchen (V): Iris orientalis, Nicotiana sylvestris und weitere neue Arten für die Neophytenflora von Österreich und Niederösterreich. Biodiversität und Naturschutz in Ostösterreich - BCBEA 8/2: 102–114.


Schäfer M. (1992): Floristisch-vegetationskundliche Kartierung im Nordwesten des Stuttgarter Innenstadtgebiets, des Landschaftsparks Wernhalde und einiger Klingen im Süden von Stuttgart – Diplomarbeit an der Universität Stuttgart. 144 Seiten.

Stöhr O., Pilsl P., Essl F., Hohla M. & Schröck C. (2007): Beiträge zur Flora von Österreich, II – Linzer biol. Beitr. 39/1: 155–292.

Stöhr O., Pilsl P., Essl F., Wittmann H. & Hohla M. (2009): Beiträge zur Flora von Österreich, III – Linzer biol. Beitr. 41/2 1677–1755.

Strudl (2025) in: Pachschwöll C., Gilli C. & H. Niklfeld (2025): Floristische Neufunde (509–620) – Neilreichia 15: 127–248.


Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be