Juniperus

Wacholder, Zypressengewächs, Cupressaceae

Gattung:

Juniperus umfasst etwa 68 Arten (Kew 2023) in Eurasien, Afrika und Nord- und Mittelamerika. Juniperus communis ist das weltweit am weitest verbreitete Nadelgehölz.
Die Ausbreitung verschiedener Wacholder-Arten und ihrer Sorten als pflegeleichte und immergrüne Zierpflanzen hat zur zunehmenden Ausbreitung des Birnengitterrostes geführt. Diese Pilzkrankheit ist auf Wacholder als Wirtspflanze angewiesen, wobei der einheimische Echte Wacholder, Juniperus communis weniger anfällig ist. Dadurch ist der Bestand an Birnbäumen zurückgegangen.

 

Juniperus virginiana 

Virginia-Wacholder,
Juniperus virginiana  
Zypressengewächs, Cupressaceae

 

Steckbrief:

Bis 15 m hohe, ein- oder zweihäusige Immergrüne mit sowohl 3−9 mm lange, nadelförmigen als auch 2−5 mm lange, schuppenförmigen Blättern. Blüten unscheinbar, Früchte rundlich, graublau bereift. Blütezeit März bis April.
 

Heimat:

Im östlichen Nordamerika.
 

Nutzung/Ausbreitung:

Juniperus virginiana kam 1664 nach Europa und wird hier in Sorten wie `Canaertii´ (1868) oder `Glauca´ (1855) häufig kultiviert. Die Art ist hitzeverträglich und übersteht Dürreperioden schadlos (Bruns 2009). Sie ist giftig und krebserregend, was die Verwendung von Holzspänen als Streu in Käfigen von Mäusestämmen zeigte.
DEUTSCHLAND:
Mit Naturverjüngung für Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2023) und Bayern (Hand & Thieme 2023) angegeben. In der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024) als „bisher wohl noch nicht verwildert [in Bayern]“ angegeben.
ÖSTERREICH:
Eine ehemalige Angabe für Nordtirol ist irrig (Pagitz & al. 2023).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021), in Italien (Galasso & al. 2024) und in Großbritannien (Clement & Foster 1994).

 
 
Weitere Sippen:

Juniperus chinensis

Der Chinesische Wacholder, Juniperus chinensis, ist in mehreren Varietäten in Ostasien beheimatet und findet sich seit spätestens 1767 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014). Er ist stadtklimafest und widerstandsfähig gegenüber Immissionen (Bruns 2009) und findet sich in zahlreichen Sorten wie `Blaauw´ (1940) oder `Plumosa Aurea´ (1923) im Pflanzenhandel, auch als Bonsaikultur. 
Im Gebiet sehr selten subspontan, so 2018 in Obergöriach in Osttirol (Pagitz & al. 2023) und in Industriebrachen in Wien (Radler & Punz 1999). Die Wiener Angabe ist zweifelhaft und wird hier nicht berücksichtigt. Subspontan u.a. auch in Italien (Galasso & al. 2024).
 

Juniperus ×pfitzeriana

Häufiger als Juniperus chinensis und oft unter diesem Namen gepflanzt wird Pfitzers Wacholder, J. ×pfitzeriana, die Hybride aus J. chinensis × J. sabina (Müller & al. 2021). Sie ist in zahlreichen Sorten wie `Gold Coast´ (1965) oder `Pfitzeriana Aurea´ (1936) im Pflanzenhandel. Benannt ist sie nach dem deutschen Gärtner und Pflanzenzüchter Wilhelm Pfitzer (1821−1905). Pfitzer gründete 1844 in Stuttgart eine Baumschule, die auch heute noch besteht. Er beschäftige sich vor allem mit der Zucht von Gladiolen, Canna und Dahlien. So etwa gelang ihm 1880 erstmals die Züchtung von Gladiolen in reinen Farben. In den 1890er-Jahren führte die Baumschule Wilhelm Pfitzer J. chinensis 'Pfitzeriana' ein, der zu einem weit verbreiteten Nadelbaum wurde. Nach Untersuchungen des New Yorker Pflanzenzüchters Peter van Melle handelte es sich bei dieser Pflanze um eine Hybride, die den Namen Juniperus ×pfitzeriana erhielt und der männliche Klon wurde `Wilhelm Pfitzer´ (1899) genannt.
2010 konnte die Sippe subspontan mit Jungpflanzen an der Amundsenstraße im 17. Wiener Gemeindebezirk (Vitek & al. 2021) gefunden werden. Subspontan u.a. auch in Großbritannien (Clement & Foster 1994).

 

Juniperus squamata

In Ostasien von Afghanistan bis China ist der Schuppen-Wacholder, Juniperus squamata, beheimatet. Er wird seit spätestens 1836 in Mitteleuropa als Ziergehölz kultiviert, in Sorten wie `Blue Carpet´ (1970) oder `Blue Star´ (1950). Vor 1914 konnte in China die Spielform `Meyeri´ ausgelesen werden, die fortan häufig in Kultur zu finden ist. Subspontan sehr selten, so in Bayern 2013 in der Ziegenfelder Straße in Marktschorgast in Oberfranken und 2018 in der Hertzstraße in Bamberg durch Selbstaussaat außerhalb des Gartenzauns (Breitfeld & al. 2017, Meierott & al. 2024). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Breitfeld M., Hertel E., Horbach H.-D. & W. Wurzel (2017): Flora von Bad Berneck und Umgebung, die Pflanzenwelt zwischen Ochsenkopf und Maintal – 501 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Clement E. J. & Foster M. C. (1994): Alien plants oft he British Isles – London: Botanical Society of the British Isles. 591 p.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297-340.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.

 



Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Müller F., Ch. M. Ritz, E. Welk & K. Wesche (2021): Rothmaler Exkursionsflora von Deutschland, Gefäßpflanzen Grundband, 22. Auflage.

Pagitz K., O. Stöhr, M. Thalinger, I. Aster, M. Baldauf, C. Lechner-Pagitz, H. Niklfeld, L. Schratt-Ehrendorfer & P. Schönswetter (2023): Rote Liste und Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols – Natur in Tirol, Band 16.

Radler D. & Punz W. (1999): Gewerbe- und Industriebrachen in Wien – Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien 136: 249 – 263.

Stöhr O. (2020): Juniperus - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=4&t=1967&p=9145&hilit=juniperus#p9145

Vitek E., W. Adler & A. Mrkvicka (2021): Neues von der Flora Wiens – Neilreichia 12: 219-290.