Juglans

Walnuss, Walnussgewächs, Juglandaceae

Gattung:

Juglans umfasst etwa 21 Arten (Kew 2023) in Amerika einschließlich der Karibik (18 Arten), Süd- und Ostasien (2 Arten) und Südeuropa (eine Art). Mehrere Arten werden als Zier-, Forst- und Obstgehölz kultiviert. Kommerziell am bedeutendsten sind J. regia der Früchte wegen und J. nigra des Holzes wegen. Alle Juglans-Arten sind „Bluter“ und sollten deshalb, wenn notwendig, nur im Herbst geschnitten werden.
 

Juglans nigra 

Schwarze Walnuss,
Juglans nigra 
Walnussgewächs, Juglandaceae

 

Steckbrief:

15–25 m hoher, sommergrüner Baum mit ausladender, lockerer Krone und tief gefurchter, grauer bis brauner Borke. Blätter 20–60 cm lang, unpaarig gefiedert mit 13–23 Blättchen, diese 6–15 cm lang, eiförmig-lanzettlich, zugespitzt, oberseits kahl, unterseits flaumig behaart, Blattrand gesägt. Männliche Blütenkätzchen 5–12 cm lang, weibliche Blüten zu 2–5. Früchte zu 1–3, kugelig oder abgeflacht kugelig, 4–6 cm dick, Außenschale sehr dick, oft warzig, beim Abfallen vom Baum geschlossen bleibend. Blütezeit Mai.
Verwechslungsmöglichkeit: Die Echte Walnuss, Juglans regia, hat 7–9 fast ganzrandige Blättchen je Blatt. Bei der Butter-Walnuss, Juglans cinerea, sind die Blättchen anfangs auch oberseits behaart. 
 

Nutzung:

Ziergehölz, vor allem in Auen auch als anspruchsvoller Forstbaum. `Laciniata´ hat tief eingeschnittene Blättchen. Die Art ist hitzeverträglich, stadtklimafest und in der Jugend spätfrostgefährdet (Bruns 2009). Sie wird als Veredelungsunterlage für J. regia verwendet, die dann niedriger bleibt und zeitiger fruchtet. Die jungen Nüsse, sauer eingelegt, gelten mancherorts als Delikatesse (Mansfeld 1986).
 
Anmerkung: Alle Walnuss-Arten, besonders aber die Schwarze Walnuss setzt aus den Wurzeln und abgefallenen Blättern Juglone frei, die für Tomaten, Äpfel, Birnen und andere Pflanzen wachstumshemmend wirken. Juglone sind einer der primären Abwehrmechanismen der Walnuss gegen potenzielle Konkurrenten um Ressourcen wie Wasser, Nährstoffe und Sonnenlicht. Die Auswirkungen dieser allelopathischen Verbindungen sind am stärksten an der "Tropflinie" des Baumes zu erkennen. Juglone können mehrere Jahre im Boden bleiben, selbst nachdem eine Walnuss entfernt wurde, da sich ihre Wurzeln langsam zersetzen und die Stoffe freisetzen.
 
 

Ausbreitung:

Beheimatet im östlichen Nordamerika und seit 1629 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014). Um das Jahr 1900 in Wäldern der Donauauen und Rheinauen angepflanzt, wo sich auch heute noch die größten Schwarznuss-Bestände im Gebiet finden.
 
DEUTSCHLAND: 
Sehr vereinzelt, so in Stuttgart in Baden-Württemberg (Böcker & al. 2017), 2015 im Park Juliusspital in Würzburg und 1999 im Weintinger Holz in Bayern (Lippert & Meierott 2014, Meierott & al. 2024), Berlin (Seitz & al. 2012), Hessen (Hand & Thieme 2023), Medebach in Nordrhein-Westfalen (Eikemper 2010), Sachsen (Müller & al. 2021), Sachsen-Anhalt (Müller & al. 2021) und Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH:
Im Nord- und Mittelburgenland, so im Seewinkel bei den Lacken (Eigenfund Griebl 2017, Walter & al. 2003, Gilli & al. 2022), vielfach in den Donau-Auen, so im Nationalpark Donau-Auen östlich von Wien, am nördlichen Donauufer bei Emmersdorf, in der Mühlau und Neubacher Au an der unteren Pielach bei Prinzersdorf, Loosdorf und Melk und in der Leitha-Au bei Wilfleinsdorf in Niederösterreich (Drescher & Magnes 2001, Essl 2008, Essl & Stöhr 2006, Kristöfel 2003), Lambrechten, Kirchdorf am Inn, Überackern, im Gleisschotter vom Frachtenbahnhof Linz und Ried im Innkreis in Oberösterreich (Hohla 2015, Hohla & al. 2000, Fischer & al. 2008), Danreitergasse und Schmiedingerstraße in der Stadt Salzburg (Pilsl & Pflugbeil in: Gilli & al. 2021), Söchau in der Steiermark (Maurer 1996, Glaser & al. 2025) und Ottakring und Döbling in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1971 (Glaser & al. 2025). Eine ehemalige Angabe für Nordtirol ist irrig (Pagitz & al. 2023). In Südtirol 2024 erstmals an einem Waldrand in Mitterberg östlich vom Kalterer See in Überetsch gefunden (Wilhalm & al. 2024).
SCHWEIZ:
In der Schweizer Verbreitungskarte (Infoflora 2024) angegeben für die Kantone Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Genf, Graubünden, Luzern, Neuenburg, St. Gallen, Thurgau, Waadt, Wallis und Zürich. Inwieweit es sich hierbei um subspontane oder kultivierte Pflanzen handelt ist mir nicht bekannt, unter Infoflora (2024) steht bei Indigenat: „Kultivierte Pflanze ohne Tendenz zur Verwilderung“. Die Art wird in der „Flora des Kantons Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) subspontan nicht genannt, lediglich als gepflanzt in Zürich-Albisrieden.

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 2008 auch in Belgien (Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021), in Großbritannien (Clement & Foster 1994), Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1984 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Arten:

Juglans ailantifolia

In Japan und Sachalin ist die Japanische Walnuss, Juglans ailantifolia (Syn.: J. mandshurica var. sachalinensis) beheimatet. Sie wird sehr selten seit 1860 (Bärtels & Schmidt 2014) in der Garten- und Landschaftsgestaltung eingesetzt und ist zurzeit vermehrt als Klimawandelpflanze im Gespräch. Sie wird in Japan und Nordamerika in einigen Sorten der Nüsse wegen kultiviert und findet auch als Erosionsschutz Einsatz. Wegen ihrer Frosthärte nutzt man die Art in der Zucht als Kreuzungspartner für J. regia (Mansfeld 1986). Im Nordosten der USA wird sie oft als Ersatz für J. cinerea gepflanzt, die dort durch eine Pilzkrankheit stark gefährdet ist. Die Japanische Walnuss ist gegen diese Pilzkrankheit immun, interessanterweise auch die Hybride aus J. ailanthifolia × J. cinerea (= J. ×bixbyi), welche die Resistenz mitvererbt bekommt.
Im Gebiet unbeständig in Berlin (Seitz & al. 2012), 2011 bei Gernsheim in Hessen (Gregor 2012) und am Güterbahnhof Bochum-Langendreer, in Krefeld-Oppum und Rumeln-Kaldenhausen in Nordrhein-Westfalen (Gausmann & al. 2017). In der Schweiz mehrfach im Kanton Tessin (Marazzi & al. 2021) und mit Fundpunkt im Kanton Zürich (Infoflora 2024). Die Art wird in der „Flora des Kantons Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt. Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021).

 

Juglans cinerea

Aus dem östlichen Nordamerika stammt die Butter-Walnuss, Juglans cinerea. Sie ist seit 1633 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014) und wird selten als Zier- und Obstbaum kultiviert. 
Aufgrund ihrer Kälteverträglichkeit wird sie in der Walnuss-Zucht genutzt (Mansfeld 1986). Früher verwendete man den Saft der „Butternuss“ als Süßungsmittel.
 
Im Gebiet sehr selten verwildert, so 2006 am Gelände des alten Botanischen Gartens Göttingen in Niedersachsen (Schmidt & al. 2009), Mülheim, Leverkusen und Köln in Nordrhein-Westfalen (Häupler & al. 2015), 2008 in Görlitz-Ober Neundorf in Sachsen (Wesenberg & al. 2017) und am Kapuzinerberg in der Stadt Salzburg (Pilsl & Pflugbeil 2012, Pflugbeil & Moosbrugger 2016). Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021).
 

Quellen

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