Jasminum

Jasmin, Ölbaumgewächs, Oleaceae

Gattung:

Jasminum umfasst, exklusive Chrysojasminum, etwa 200 Arten (Kew 2023) in Afrika, Südasien und Australien mit Mannigfaltigkeitsschwerpunkt in Südasien.
 

Jasminum nudiflorum 

Winter-Jasmin,
Jasminum nudiflorum 
Ölbaumgewächs, Oleaceae

 

Steckbrief:

1–2 m hoher, sommergrüner Strauch mit grünen, vierkantigen, bogig überhängenden Zweigen. Blätter gegenständig, dreizählig, Blättchen breit-lanzettlich. Blüten einzeln, seitenständig, 1,5–2 cm im Ø, vor den Blättern erscheinend. Krone gelb, stieltellerförmig mit langer, schlanker, oben erweiterter Röhre und 4–6-teiligem, ausgebreitetem Saum. Frucht eine zweiteilige Beere, anfänglich grün, reif schwarz. Blütezeit Jänner bis März.
 

Nutzung:

Ziergehölz. In wenigen Sorten wie `Aureum´ (1889) mit gelb gefleckten Blättern oder `Mystique´ mit weiß berandeten Blättern (Bärtels & Schmidt 2014). Die Art ist stadtklimafest, rauchhart, windfest und hitzeverträglich (Bruns 2009).
 

Ausbreitung:

Beheimatet in Zentralchina. Der schottische Gärtner und Forschungsreisende Robert Fortune (1812–1880) fand die Pflanze 1844 in einer Gärtnerei bei Soochow in Kultur und schickte sie nach Europa, wo sie bald Gefallen und stete Ausbreitung fand. Gegenwärtig im Gebiet sehr vereinzelt subspontan.
 
DEUTSCHLAND:   
Unbeständig verwildert, so 1990 im Wernhaldepark Stuttgart in Baden-Württemberg (Schäfer 1992, Hand & Thieme 2023), am Krollbach in der Senne bei Paderborn, auf der Klostermauer Vilich bei Beuel und in Bonn-Godesberg in Nordrhein-Westfalen (Sonnenborn & Sonnenborn 2018, Gorissen 2015), Sinzig und Hammerstein in Rheinland-Pfalz (Hoffmann 2003) und im Saarland (Hassler & Muer 2022).
ÖSTERREICH: 
Sehr vereinzelt, so 2007 beim Alaunbach in Krems und 2019 in Wienersdorf bei Traiskirchen in Niederösterreich (Essl 2008, Sauberer & al. 2020), 2021 in einer Mauerritze am Salzachuferweg in Ach, Gemeinde Hochburg-Ach in Oberösterreich (Hohla 2022), in der Nonnberggasse und am Kapuzinerberg in der Stadt Salzburg (Pilsl & al. 2008) und in Industriebrachen in Wien (Radler & Punz 1999). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2002 (Glaser & al. 2025). Die Angabe für Wien ist kritisch zu sehen und wird hier und in Glaser & al. (2025) nicht berücksichtigt. In Südtirol u.a. bei Brixen und Bozen (Wilhalm & al. 2002).
SCHWEIZ:
Vielfach, so in den Kantonen Aargau und Basel-Landschaft, um Neuenstadt im Kanton Bern, in den Kantonen Genf, Jura und Neuenburg, Locarno im Tessin, Lausanne im Kanton Waadt, Martigny im Wallis und im Kanton Zug (Infoflora 2024). Dazu Infoflora (2024): „Kultiviert und im Süden gelegentlich verwildert“. Im Kanton Zürich in Uster, Stäfa, Oetwil am See, Schlieren, Stallikon, Aeugst und Knonau nachgewiesen (Wohlgemuth & al. 2020).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und in den Niederlanden (FLORON 2021). In Frankreich lokal eingebürgert.

 
Weitere Art:

Jasminum officinale

Im südlichen Asien ist der Echte Jasmin, Jasminum officinale, beheimatet, der als Zier-, Duft- und Kletterpflanze kultiviert wird. Er gelangte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts aus türkischen Gärten über Italien nach Mitteleuropa.
Im Gebiet vereinzelt subspontan, so für den Florentinerberg in Baden-Württemberg angegeben (Radkowitsch 2008), für Salzburg (Fischer & al. 2008), ehemals Neustift, Bozen und Meran in Südtirol (Heimerl 1911), in den Kantonen Bern und Genf, im südlichen Tessin und in der Waadt am Genfer See (Bellosi & al. 2011, Infoflora 2024). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt, auch nicht in der aktuellen Neophytenliste für Österreich (Glaser & al. 2025). Ob es sich bei den Schweizer Funden tatsächlich um subspontane Vorkommen handelt ist mir nicht bekannt, bei Infoflora (2024) steht dazu unter Indigenat: "Kultivierter Neophyt, nach dem Jahr 1500 in der Schweiz aufgetreten". Subspontan u.a. seit 2001 auch in Irland (Seebens & al. 2017), seit 1967 in Großbritannien (Seebens & al. 2017) und seit 1995 auf Korsika (Seebens & al. 2017).
 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Bellosi B., Selldorf P. & Schoenenberger N. (2011) Exploring the Flora on Inert Landfill Sites in Southern Ticino (Switzerland). Bauhinia 23: 1−15.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Essl F. (2008): Bemerkenswerte floristische Funde aus Wien, Niederösterreich, dem Burgenland und der Steiermark, Teil V - Linzer biol. Beitr. 40/1: 341–369.

Fischer M., Oswald K. & Adler W. (2008): Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol; 3., verb. Aufl. der „Exkursionsflora von Österreich“ (1994). – Linz: OÖ Landesmuseum; 1392 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nlHeimerl A. (1911): Flor von Brixen a. E. Franz Deuticke Wien u. Leipzig - https://www.zobodat.at/pdf/MON-B-PHAN_0026_0001-0321.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gorissen I. (2015): Flora der Region Bonn (Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis) – Decheniana-Beiheft 40. Bonn, 605 Seiten.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hoffmann H. (2003): Archäophyten, Neophyten, unbeständige und häufig kultivierte Pflanzenarten im nördlichen Rheinland-Pfalz. – Decheniana 156: 217 – 243.

Hohla M. (2022): Flora des Innviertels – Stapfia 115, 720 S., unter besonderer Mitwirkung von F. Grims†, R. Krisai†, P.A.Kraml, S. Kellerer, G. Kleesadl, G. Pflugbeil, P. Pilsl, J. Samhaber, C. Schröck, J.A. Stemper, O. Stöhr & W. Zahlheimer.

 



Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science​

Pilsl P., Schröck C., Kaiser R., Gewolf S., Nowotny G. & Stöhr O. (2008): Neophytenflora der Stadt Salzburg (Österreich). – Sauteria 17: 1–596.

Radkowitsch A. (2008): Bemerkenswerte Adventivpflanzen am Florentinerberg in Baden-Baden (Südwest-Deutschland) – Carolinea 66: 5–10.

Radler D. & Punz W. (1999): Gewerbe- und Industriebrachen in Wien – Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien 136: 249 – 263.

Sauberer N., Gilli C., Prinz M. & Till W. (2020): Der erste Nachweis von Crassula helmsii in Österreich und weitere Nachträge (IV) zur Flora von Traiskirchen (Niederösterreich) - BCBEA 5/1  http://www.bcbea.at/wp-content/uploads/2020/01/BCBEA_5-1_25-48_Sauberer_et_al_20200124.pdf

Schäfer M. (1992): Floristisch-vegetationskundliche Kartierung im Nordwesten des Stuttgarter Innenstadtgebiets, des Landschaftsparks Wernhalde und einiger Klingen im Süden von Stuttgart – Diplomarbeit an der Universität Stuttgart. 144 Seiten.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Sonnenborn I. & Sonnenborn W. (2018): Die Flora der Truppenübungsplätze Senne und Stapel in den Jahren 1989 bis 2017 – LWL-Museum für Naturkunde Münster, 90. Band.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wilhalm T., Stockner W. & Tratter W. (2002): Für die Flora Südtirols neue Gefäßpflanzen (2) – Gredleriana 2: 295–318.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.