Hyoscyamus

Bilsenkraut, Nachtschattengewächs, Solanaceae

Gattung:

Hyoscyamus umfasst etwa 31 Arten (Kew 2023) in Eurasien und Afrika mit Mannigfaltigkeitszentrum im Iran.
 

Hyoscyamus albus 

Weißes Bilsenkraut,
Hyoscyamus albus  
Nachtschattengewächs, Solanaceae

 

Steckbrief:

20−70 cm hohe Zweijährige mit eigenartig chemischem Geruch. Krone blassgelb bis weißlich, Aderung nur schwach durchscheinend, gelblich, Schlund violettschwarz, Filament und Griffel violett, Narbe blassviolett, nur wenig aus der Krone herausragend.
Verwechslungsmöglichkeit: Das Schwarzes Bilsenkraut, H. niger, kommt nicht selten auch in einer hellblütigen Form ohne deutlicher Kronblattaderung vor, welches dann für H. albus gehalten werden könnte. H. niger fehlt aber u.a. der violettschwarze Blütenschlund. 

 

Heimat:

Mittelmeergebiet und Südwestasien.
 

Nutzung:

Keine.
 

Ausbreitung:

Sehr selten vorübergehend eingeschleppt.
DEUTSCHLAND:
2010 bis 2015 mehrfach im Stadtgebiet von Würzburg, vermutlich angesalbt und 1902 bei den Lagerhäusern am Münchner Südbahnhof in Bayern (Vollmann 1914, Lippert & Meierott 2014. Meierott & al. 2024), 2022 in der Wittenbergstraße in Bochum-Langendreer in Nordrhein-Westfalen (BBV 2023), angegeben für den Hafen von Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Zimmermann 1925, Hand & Thieme 2023), ehemals am Dippoldiswalder Weg Dresden in Sachsen (Wobst 1881, Hand & Thieme 2023) und angegeben ehemals auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Knuth 1898). Der Fund für Schleswig-Holstein wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) als fraglich geführt. Er beruht wahrscheinlich auf einer historischen Angabe aus Helgoland, wo es sich um eine Verwechslung mit einer hellen H. niger handeln könnte (Theisinger & Hebbel 2022).
ÖSTERREICH:
In Kärnten (Walter & al. 2002), ehemals bei Pottenstein a.d. Triesting und Eichkogel bei Mödling in Niederösterreich (Janchen 1977, Glaser & al. 2025), am Arsenal in Wien und 2017 in einer Ruderalflur in Vorderhainbach bei der Mündung des Kasgraben in Wien (Janchen 1977, Vitek & al. 2021, Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1895 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021) und 1890 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 
Weitere Art:

Hyoscyamus retiucaltus

In Südwest-Asien, östlich bis Pakistan reichend, ist das Netz-Bilsenkraut, Hyoscyamus retiucaltus, beheimatet. 
Die Art ähnelt dem heimischen Schwarzen Bilsenkraut, H. niger, ist aber mehrjährig mit einer dicken Wurzel und hat zum Teil rötliche bis violettrosa Blütenkronen. 
Sie findet sich aufgrund ihrer Giftigkeit und angeblichen halluzinogenen Wirkung im Samenhandel des Internets, wäre aber vor allem aufgrund ihrer hübschen Blüten und Fruchtstände und ihrer samtigen Behaarung eine geeignete Zierpflanze für Wildgärten. Wahrscheinlich geht der Wortteil „Bilsen“ auf das althochdeutsche „pilisa“ (= tödlich) zurück und beschreibt damit die Giftigkeit der Pflanze. Möglich erscheint auch die Herleitung von der indogermanischen Verbalwurzel „bhlendh“ (= verwirren), was auf die halluzinogene Wirkung schließen lässt.
 
Das Netz-Bilsenkraut trat im Gebiet im Jahr 1903 am Südbahnhof München in Bayern verschleppt auf (Vollmann 1914, Meierott & al. 2024).
 

Quellen

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2023): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2022 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 14: 167-231.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Janchen E. (1977): Flora von Wien, Niederösterreich und Nordburgenland. — Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 2. Aufl. 757 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Knuth P. (1898): Bemerkungen zu meiner Flora der nordfriesischen Inseln und meiner Flora von Helgoland – Allgemeine Botanische Zeitschrift für Systematik, Floristik, Pflanzengeographie 4: 137-139.

Lippert W. & Meierott L. (2014) – Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Bayerische Botanische Gesellschaft, München, 407 S.



Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Theisinger D. & J. Hebbel (2022): Flora von Helgoland - Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg - NHG_Flora_Helgoland_2022.pdf (nhg-nuernberg.de)

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Vitek E., W. Adler & A. Mrkvicka (2021): Neues von der Flora Wiens – Neilreichia 12: 219-290.

Vollmann F. (1914): Flora von Bayern – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 840 S.

Walter J., Essl F., Niklfeld H. & Fischer M. A. (2002): Gefäßpflanzen. – In: Essl F. & Rabitsch W.: Neobiota in Österreich: 46–173. – Wien: Umweltbundesamt.

Wobst A. (1881): VIII. Flora von Dresden und seiner Umgebung, von Christian Friedrich Schulze – Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden: 62-77.

Zimmermann F. (1925): Wechsel der Flora der Pfalz in den letzten 70 Jahren. - Mitt.Pollichia 4: 1-55, Dürkheim.