Hylotelephium

Fetthenne, Dickblattgewächs, Crassulaceae

Gattung:

Hylotelephium umfasst etwa 26 Arten (Kew 2023) in Eurasien und Nordamerika, die früher als Teil von Sedum geführt und 1977 u.a. aufgrund des andersartig aufgebauten Fruchtknotens von Sedum s.str. abgetrennt wurden.
 

Hylotelephium spectabile

Pracht-Fetthenne,
Hylotelephium spectabile cvar.
(Syn.: Sedum spectabile)
Dickblattgewächs, Crassulaceae

 

Steckbrief:

30–50 cm hohe, fleischige Staude mit dicken, spindelförmigen Wurzeln und glatten Stängeln. Blätter blaugrün, gegenständig oder dreizählig quirlig, breit-oval, 6–9 cm lang, 3–4,5 cm breit, buchtig, gezähnt. Blütenkrone hellrosa, in flachgewölbten, im Ø 10–20 cm breiten Ebensträußen. Kronblätter halblanzettlich, spitz, Staubfäden länger als die Kronblätter. Blütezeit August bis Oktober.
Verwechslungsmöglichkeit: Die heimische Purpur-Fetthenne, Hylotelephium telephium, hat purpurne bis dunkelrosa Blütenkronen, Staubfäden die höchstens so lang wie die Kronblätter sind und Blütenstände, die im Ø unter 10 cm breit sind. Die Unterscheidung der beiden Arten wird erschwert, da es sich bei den kultivierten bzw. verwilderten Pflanzen meist um Hybriden aus Hylotelephium spectabile × H. telephium handelt. Die Hybride lässt sich durch die reduzierten Staubbeutel von den Elternarten unterscheiden (BBV 2023).
 

Nutzung:

Zierstaude, in mehreren Sorten wie `Septemberglut´, `Rosenteller´ oder der nur maximal 20 cm hoch werdenden `Humile´ (Jelitto & al. 1990).
 

Ausbreitung:

Beheimatet in Korea und Nordost-China. Um das Jahr 1865 nach Frankreich gekommen, 1868 nach Deutschland. 1955 gelang dem deutschen Gärtner und Pflanzenzüchter Georg Arends die Hybride aus der Prächtigen Fetthenne mit der heimischen Purpur-Fetthenne, Hylotelphium telephium, die als "Herbstfreude" in den Handel gelangte und den Stellenwert der Gattung als Gartenstaude beträchtlich steigerte. Gegenwärtig im Gebiet vereinzelt subspontan, lokal auch etabliert wie in Basel (Brodtbeck & al. 1997).
Hier werden H. spectabile s.str. und Kulturhybriden von Hylotelephium spectabile × H. telephium zusammengefasst behandelt.

 
DEUTSCHLAND:
Vereinzelt, so Stuttgart in Baden-Württemberg (Kreh 1935, Hand & Thieme 2023), mehrfach in München, bei Trugenhofen, Günzburg, Kremitz, Birnstengel, Goldkronach, Bad Königshofen, Schweinfurt und Bamberg in Bayern (Adler & al. 2017, Breitfeld & al. 2017, Dickoré & Springer 2011, Meierott 2008), Berlin (Seitz & al. 2012), Brandenburg (Müller & al. 2021), Neukloster und Binz in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005, Adolphi 2006), 2012 bei Stetten und Lachtehausen in Niedersachsen (Langbehn & Gerken 2013), am Rhein-Herne-Kanal in Herne-Crange, Bochum-Langendreer, Bochen-Langendreer, Dortmund-Derne und Königswinter in Nordrhein-Westfalen (BBV 2010, BBV 2011, Jagel 2021, BBV 2023), Kürbitz, Eubabrunn, Markneukirchen, Breitenfeld, Oberzwota, Klingenthal, Sohl und Brettmühle in Sachsen (Büttner & al. 2007, Breitfeld 2021, Breitfeld 2017), Helgoland in Schleswig-Holstein (Feder 2016) und in Thüringen (Müller & al. 2021).
ÖSTERREICH:
Vereinzelt subspontan, so 2019 Traiskirchen in Niederösterreich (Sauberer & al. 2020), Friedhof Freistadt und auf den Bahnhöfen Aschach und Linz-Stadthafen in Oberösterreich (Hohla 2014), in der Tiefenbachhofstraße und am Gelände des Frachtenbahnhofes in der Stadt Salzburg (Pilsl & al. 2008), bei Reifersdorf und Knittelfeld in der Steiermark (Hohla & al. 2000, Melzer 1997, Melzer 1971), bei Kufstein in Nordtirol (Stöhr 2019), bei Lienz in Osttirol (Stöhr 2019a, Glaser & al. 2025) und in Wien (Fischer & al. 2008). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1971 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Sehr selten, in Basel lokal eingebürgert (Brodtbeck & al. 1997).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), in Norwegen (Gederaas & al. 2012), in den Niederlanden (FLORON 2021), in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1979 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Arten:

Hylotelephium cauticola

Die Hokkaido-Fetthenne, Hylotelephium cauticola (Syn.: Sedum cauticola), ist auf der japanischen Insel Hokkaido endemisch und wird vor allem als Steingartenstaude und in Trögen als Zierpflanze genutzt. 
Vereinzelt unbeständig verwildert angegeben, so 2018 in Rossach bei Coburg in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024) und 1996 in Waldkirchen, Rebesgrün und Siebenhitz in Sachsen (Büttner & al. 2007). Bei dem Fund aus Rossach in Bayern handelt es sich vermutlich um ein altes Kulturrelikt (Meierott & al. 2024) und wird hier deshalb nicht berücksichtigt.
 

Hylotelephium ewersii

Zu Ehren des deutschen Historikers Johann Philipp Gustav von Ewers (1781−1830) benannt ist die Ewers-Fetthenne, Hylotelephium ewersii (Syn.: Sedum ewersii). Sie ist von Westsibirien bis zur Mongolei und China beheimatet und wird selten als Zierstaude für Steingärten genutzt. In Bayern sich lokal etablierend im Fichtelgebirge, 1993 auf einem Granitblock am Luisenberg bei Wunsiedl, 2000 auf einer Kalkbruchsteinmauer in Hof und 2009 auch in München-Moosach (Lippert & Meierott 2018, Dickoré & Springer 2011, Meierott & al. 2024), weites unbeständig in Zwickau, Oesnitz, Leipzig und am Friedhof Schöneck in Sachsen (Gutte & al. 2013, Breitfeld 2021) und 2015 in Osttirol bei Prägraten auf knapp 1300 m Seehöhe (Brandes 2015). Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), Schweden (Jalas & al. 1999) und Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

 

Hylotelephium sieboldii

Die Siebold-Fetthenne, Hylotelephium sieboldii (Syn.: Sedum sieboldii) ist in Japan und der chinesischen Provinz Hubei beheimatet und wird gerne als Zierstaude für Steingärten, Friedhöfe und Ampeln genutzt. 
1830 erreichte die Pflanze durch den deutschen Arzt, Japanforscher und Botaniker Philipp Franz Balthasar von Siebold (1796–1866) Europa und wurde fortan als Zierstaude gezogen (Krausch 2003). Siebold, geboren in Würzburg, war im Dienst der niederländischen Regierung nach Japan gesandt worden, wo er sich 1823−1829 und 1859−1862 aufhielt und Japans Kultur und Natur studieren konnte (Meierott & al. 2024).
 
Selten tritt die Art verwildert oder verschleppt auf, so 2017 an einem Waldrand bei Windpaißing, Gemeinde Nabburg in Bayern (Meierott & al. 2024), auf Straßenbahnschotter in Marienbrunn im sächsischen Leipzig seit etwa 1985, im Winter 2003 dann erfroren, aber 2005 mit mehreren Jungpflanzen wieder gekommen (Gutte 2006, Gutte & al. 2013), Attersee in Oberösterreich (Hohla 2018), auf den Friedhöfen Köstendorf und Schleedorf im Salzburger Flachgau (Stöhr & al. 2007), Nordtirol (Pagitz & al. 2023), ehemals Tosters in Vorarlberg (Murr 1923–1926, Glaser & al. 2025) und in Wien (Janchen 1956-1960, Glaser & al. 2025). Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

Quellen

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