Hydrocotyle

Wassernabel, Araliengewächs, Araliaceae

Gattung:

Hydrocotyle umfasst etwa 177 Arten (Kew 2023), die hauptsächlich in den tropischen bis subtropischen Gebieten der Erde verbreitet sind und hier ihren Schwerpunkt auf der Südhalbkugel haben. Eine Art, Hydrocotyle vulgaris, ist im Gebiet heimisch.
Molekulare phylogenetische Forschungsergebnisse unterstützen die Aufnahme der Gattung Hydrocotyle in die Familie der Araliengewächse (Chandler & Plunkett 2004). Früher wurde der Wassernabel durchwegs den Doldenblütlern zugeordnet. Stace (2010) stellte eine eigene Familie Hydrocotylaceae auf.

 

Hydrocotyle ranunculoides 

Großer Wassernabel,
Hydrocotyle ranunculoides  
Araliengewächs, Araliaceae

 

Steckbrief:

Kriechende oder im Wasser flutende Mehrjährige mit langem Rhizom. Blattspreite rundlich bis nierenförmig, 3–10 cm im Ø, gekerbt oder 3–7-lappig, bereift, bis zu 40 cm über die Wasseroberfläche ragend mit bis zu 40 cm langen Blattstielen. Blütenstände 1–6 cm lang gestielt, mit 5–10 Blüten in einfachen Dolden. Früchte fast kugelig, abgeflacht und bräunlich, 2–2,5 mm hoch, 3–3,5 mm breit. Blütezeit August bis Oktober.
 

Nutzung:

Aquaristik, vor allem im Paludarium und für Gartenteiche.
 

Ausbreitung:

In Europa wahrscheinlich zwischen 1975 und 1985 in den Wasserpflanzenhandel gekommen (OEPP/EPPO 2006), aber bereits seit Anfang des 19. Jahrhunderts „wild“ aus Sizilien bekannt (Verloove 2021).
Der Große Wassernabel vermehrt sich vegetativ über Stolonen und Sprossbruchstücke (Hussner 2009), bildet in Mitteleuropa aber auch vitale Samen aus. Durch sein schnelles Wachstum kann er dichte Schwimmmatten in langsam fließenden Gewässern bilden, die das Licht für untergetauchte Makrophyten einschränken und den Sauerstoffgehalt verringern. Die Art kann das Risiko von Überschwemmungen erhöhen und Kanäle blockieren, weshalb sie 2016 in die EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung aufgenommen wurde (Nehring & Skowronek 2023). Ebenso ist sie in der „Schwarzen Liste der invasiven Neophyten“ der Schweiz aufgeführt.
DEUTSCHLAND:
2003 an einem von Erftwasser gespeisten Graben im Raum Gustorf, Kreis Neuss, neu für Deutschland gefunden (Hussner 2010). 2015 an der Erft bei Grevenbroich-Wevelinghoven zwischen Klosterstraße und Obermühle in Nordrhein-Westfalen. Die Erft, ein linker Nebenfluss des Rheins, hat gegenüber allen anderen Rheinnebenflüssen eine deutlich höhere Wassertemperatur, die durch kontinuierliche Einleitung von Sümpfungswasser aus den Braunkohletagebauen zustande kommt. Dies begünstigt das Vorkommen subtropischer aquatischer Neophyten, die seit Jahrzehnten in der Erft beobachtet werden und teils aus Aquarienabfällen stammen dürften (BBV 2015). Weiters in der Niers bei Mönchengladbach, am Offelter Bach, Rhein und Mittellandkanal in Nordrhein-Westfalen (Hussner & al. 2005), in einem Teich bei Wesel und im Einzugsgebiet der Sauer in Rheinland-Pfalz und in Bayern für die Alster bei Setzelsdorf, Landkreis Coburg, angegeben (Lippert & Meierott 2018). Die Angabe für Bayern ist irrtümlich (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ:
Eine nicht validierte Beobachtung im Tessin (Infoflora Hydrocotyle 2020) und Kartenangaben für den Kanton Zürich und am Neuenburger See, textlich aber fehlend für die Schweiz angegeben (Infoflora 2020). Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch seit 2005 in Ungarn (Seebens & al. 2017), seit 1992 in Belgien (Verloove 2021), seit 1995 in den Niederlanden (Seebens & al. 2017, FLORON 2021), in Italien (Galasso & al. 2024), seit 1990 in Großbritannien (Burton 1996) und seit 2002 in Irland (Seebens & al. 2017). In Großbritannien waren um die Jahrtausendwende 29 Standorte mit Vorkommen von H. ranunculoides bekannt, gegenwärtig sind es über 1500 (CABI 2024).
1833 auf Sizilien und in Sardinien und lokal bei Neapel vorkommend beobachtet, was auf eine mögliche frühere Anpassung an das milde Klima in Italien hinweist. Die Art ist in diesen Regionen, sowie im Norden bis zur Toskana, immer noch vorhanden und gilt in Sardinien lokal als invasiv. In Frankreich seit den 1940er Jahren in der Gegend um Paris bekannt und gilt in mehreren Départments als invasiv (Infoflora Hydrocotyle 2020).
 

 
Weitere Arten:

Hydrocotyle sibthorpioides

Der Rasen-Wassernabel, Hydrocotyle sibthorpioides, auch Kleinblättriger Wassernabel genannt, ist in den Tropen und Subtropen Afrikas, Asiens und Ostaustraliens beheimatet, mittlerweile aber weiter verbreitet. Die Art ist nach dem englischen Botaniker Humphrey Waldo Sibthorp (ca. 1713–1797) benannt, der von 1747 bis 1783 Professor für Botanik in Oxford war. 
Die Art wird als Zierpflanze für Aquarien und zur Bepflanzung von Teichrändern genutzt und konnte in städtischen Rasen in Mannheim in Baden-Württemberg mit Einbürgerungstendenzen (Amarell 2020), 2021 im Schurrasen im Bereich der Thermen von Meran in Südtirol (Wilhalm & al. 2021), im Kanton Genf, mehrfach im südlichen Tessin und im Kanton Zürich (Infoflora 2024) gefunden werden. Subspontan u.a. 2009 auch in Belgien (Seebens & al. 2017) und in Italien (Galasso & al. 2024).
 

Hydrocotyle verticillata

Der Amerikanische Wassernabel, Hydrocotyle verticillata, ist in den subtropischen und gemäßigten Regionen Nord- und Südamerikas weit verbreitet und wahrscheinlich auch in Afrika heimisch. Er wird als Wasserpflanze für Aquarien und Paludarien gehandelt. H. verticillata sieht dem heimischen Echten Wassernabel, H. vulgaris, sehr ähnlich und wird oft mit diesem verwechselt. In Wasserpflanzengärtnereien wird er zuweilen als H. vulgaris angeboten (Verloove 2021). H. verticillata hat Blattspreiten mit 9−13 Adern (7−9 bei H. vulgaris), kahle Blattstiele (behaart bei H. vulgaris) und ist insgesamt kräftiger als H. vulgaris. So stellten sich die Fundmeldungen von H. vulgaris aus der Umgebung von Valencia in Spanien nachträglich als H. verticillata heraus (Medina 2003). Subspontane Vorkommen aus dem Gebiet sind bisher noch nicht bekannt, es sollte aber auf diese Art geachtet werden. In Belgien subspontan seit 2009 bekannt (Verloove 2021) und u.a. auch in den Niederlanden subspontan (Floron 2021).  
 

Quellen

Amarell U. (2020): Bemerkenswerte Neophytenfunde aus Baden-Württemberg und Nachbargebieten (2012 – 2019). – Ber. Bot. Arbeitsgem. Südwestdeutschland 9: 41-66.

BBV - Bochumer Botanischer Verein (2015): Exkursion: Grevenbroich-Wevelinghoven, Pflanzen an der Erft zwischen Klosterstraße und Obermühle. – Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 7: 77–80.

Burton R. M. (1996): Botanical records for 1995, with a note on computerization - The London naturalist 75: 137-146.

CABI (2024): Invasive Species Compendium - https://www.cabi.org/publishing-products/invasive-species-compendium/

Chandler G.T. & Plunkett G.M. (2004): Evolution in Apiales: nuclear and chloroplast markers together in (almost) perfect harmony. Bot. J. Linn. Soc. 144: 123-147.

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297−340.

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