Hydrangea

Hortensie, Hortensiengewächs, Hydrangeaceae

Gattung:

Hydrangea umfasst etwa 80 Arten (Kew 2023) in Asien und Amerika mit Mannigfaltigkeitszentrum in Ostasien.
 

Hydrangea macrophylla 

Garten-Hortensie,
Hydrangea macrophylla  
Hortensiengewächs, Hydrangeaceae
 

Steckbrief:

1–2,5 m hoher, halbkugeliger Strauch mit kahlen Zweigen und Blütenständen. Blattspreiten 12–25 cm lang, breit-eiförmig bis elliptisch, grob gezähnt, oberseits glänzend grün, unterseits heller. Blüten in flachen, reich verzweigten, 10–20 cm breiten Trugdolden, bei zahlreichen Kultursorten auch ± kugelig, rosa, purpurn, blau, violett oder weiß, je nach Sorte bzw. Beschaffenheit des Bodens. Blütezeit Juni bis August.
Verwechslungsmöglichkeit: Bei der ebenfalls kultivierten, japanischen Gesägten Hortensie, Hydrangea serrata, sind die Blätter unterseits auf den Nerven und die jungen Triebe fein behaart.
 

 

Name:

Die deutsche Bezeichnung Hortensie geht auf Philibert Commerson (1727−1773) zurück, der damit wahrscheinlich die französische Mathematikerin und Astronomin Nicole-Reine Hortense Lepaute (1723–1788) oder die Tochter des Prinzen von Nassau, Hortense de Nassau, ehren wollte.
 

Nutzung:

Ziergehölz, in vielen Sorten wie `Bouquet Rose´ (1908) oder `Blaumeise´ (1979) häufig kultiviert. Die Blaufärbung der Kelchblätter wird durch einen Anthocyan-Aluminium-Komplex bewirkt. Da Aluminium bei pH-Werten über 5,0 ungelöst vorliegt, ist eine Blaufärbung nur auf Böden mit einem pH-Wert unter 5,0 zu erwarten. Bei in Töpfen gezogenen Hortensien werden dem Kultursubstrat Aluminiumsalze beigegeben, wenn eine Blaufärbung erzielt werden will (Bärtels & Schmidt 2014).
 

Ausbreitung:

Beheimatet auf der japanischen Insel Honshu und in Südkorea. Die erste lebende Garten-Hortensie erreichte Europa 1789 durch den englischen Botaniker Joseph Banks. Sechs Jahre später schickte ein deutscher Gärtner einen Steckling von England nach Sachsen, wo dieser im Schlossgarten von Pillnitz zu einer stattlichen Pflanze heranwuchs. 1889 war der Stock immer noch am Leben, mit einem beachtlichen Umfang von 9,5 Metern und erst in den 1970er-Jahren starb die Pflanze etwa 180-jährig. Auf den mitteleuropäischen Markt brachte die Hortensie der Berliner Gärtner Jean David Bouche (1747–1819), der mit seinen überproportionalen Glashäusern gesellschaftlicher Mittelpunkt von hohen Staatsbeamten und Königen war. 
Doch zunächst blieb die Kultur von H. macrophylla im Wesentlichen auf Botanische Gärten beschränkt. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts und insbesondere im 20. Jahrhundert wurde die Pflanze in Europa populär und vor allem in Belgien, Holland und Frankreich wurden mehrere Hundert neue Sorten gezüchtet. Gegenwärtig sind über 700 benannte Sorten von alphabetisch `Admiration´ bis `Zorro´ bekannt.
Die Art tritt im Gebiet sehr selten subspontan auf, meist ausgehend durch Gartenauswurf und anschließender vegetativer Ausbreitung.

 
DEUTSCHLAND:
Verschleppt über Gartenabfälle 2004 in einer Waldlichtung bei Deuerling und 2019 im Forst bei der Regenhütte in Bayern (Meierott & al. 2024), ebenso in Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH:
Sehr selten, so St. Paul im Lavanttal in Kärnten (Walter & al. 2002), 2025 bei Wienersdorf in Niederösterreich (FKÖ 2021, Sauberer & al. 2025), Aspach, 2000 bei Höhnhart, 2019 bei Gigling, Engelhartszell und Rothenberg in Oberösterreich (Stöhr & al. 2006, Hohla 2012, Hohla 2022), Wals-Siezenheim, Grödig und Karl-Höfler-Straße in Salzburg (Schröck & al. 2004, Pilsl & al. 2008), 2022 bei Marhof in der Weststeiermark (Griebl in: Zernig & al. 2024), Ebbs, Schlitters und Scheffau in Nordtirol (Polatschek & Neuner 2013), 2013 in Osing im Defereggental und 2019 in der Tristacher Au in Osttirol (Stöhr 2022, Pagitz & al. 2023) und Breitenlee in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1971 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Mehrfach im Kanton Genf, sonst u.a. in den Kantonen Bern, Schwyz, St. Gallen, Tessin und Zürich (Infoflora 2024), doch dürften sich die Fundangaben alle auf kultivierte Pflanzen beziehen: „Kultivierte Pflanze ohne Tendenz zur Verwilderung“.

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und in Norwegen (Gederaas & al. 2012).

 
Weitere Arten:

Hydrangea arborescens

Aus dem Gebiet der heutigen USA stammt die Wald-Hortensie, Hydrangea arborescens
Sie wird seit etwa 1736 gärtnerisch kultiviert (Bärtels & Schmidt 2014) und als Ziergehölz in Sorten wie `Annabelle´ und `Grandiflora´ (vor 1900) häufig gepflanzt. Die Art ist schattenverträglich und breitet sich durch Bodentriebe aus (Bruns 2009)
Sehr selten findet sie sich verwildert, so 2021 in Leisach in Osttirol (Stöhr 2021) und in Dornbirn, Feldkirch und im Klostertal in Vorarlberg (Polatschek 2000, Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2000 (Glaser & al. 2025).
 

Hydrangea aspera

In China beheimatet ist die vielfach kultivierte Samt-Hortensie, Hydrangea aspera subsp. sargentiana. Sie wurde 1908 von Ernest Henry Wilson (1876−1930) auf einer Pflanzensammelreise im Auftrag des Arnold Arboretum Boston in die westliche Welt gebracht. Die Sippe ist stadtklimafest, spätfrost- und trockenheitsempfindlich (Bruns 2009) und wird in mehreren Sorten wie `Pink Giant´ oder `Mauvette´ kultiviert. 
Im Gebiet unbeständig verschleppt 2004 durch Gartenauswurf im Donaustaufer Forst in Bayern (Klotz 2014), 2022 Gaisleiten bei Lilienfeld in Niederösterreich (Lampl 2022, Pflugbeil & al. in: Pachschwöll & al. 2025) und 2020 Oberalmberg bei Puch bei Hallein in Salzburg (Glaser & al. 2025, Pflugbeil & al. in: Pachschwöll & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2020 (Glaser & al. 2025). Bei den Schweizer Fundangaben aus der Waadt und dem Kanton Zürich (Infoflora 2024) dürften es sich um kultivierte Pflanzen handeln - „Kultivierte Pflanze ohne Tendenz zur Verwilderung“. Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt
Die Unterart ist zu Ehren des US-amerikanischen Dendrologen Charles Sprague Sargent (1841−1927) benannt. Sargent war Direktor des Botanischen Gartens Cambridge in Massachusetts und Professor in Harvard, obwohl er keine botanische Ausbildung genoss. Er reiste und sammelte in Nordamerika, Mexiko, in der Karibik und in Japan (Burkhardt 2018).
 

Hydrangea paniculata

Die ostasiatische Rispen-Hortensie, Hydrangea paniculata, wird in zahlreichen Sorten von alphabetisch `Ammarin´ bis `Yuan-Yang´ gärtnerisch genutzt. 
Sehr selten verwildert sie daraus, so in Gamsgebirg bei Stainz in der Steiermark. Die Sämlinge kommen nicht zur Blüte, weil sie im Keimlingsstadium immer wieder Pflegemaßnahmen zum Opfer fallen (Eigenfund Griebl 2019, Foto unten). Eine ehemalige Angabe für Nordtirol ist irrig (Pagitz & al. 2023)
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

Hydrangea petiolaris

Nicht selten wird die in Japan, Korea und Taiwan beheimatete Kletter-Hortensie, Hydrangea petiolaris (Syn.: H. anomala subsp. petiolaris) als Ziergehölz genutzt. Sie wird seit etwa 1861 gärtnerisch kultiviert (Bärtels & Schmidt 2014) und findet sich in Sorten wie `Limelight´ (1990) oder `Pinky Winky´ (2003) im Pflanzenhandel. 
Die Art ist stadtklimafest, schattenverträglich und hält den Wurzeldruck größerer Bäume aus (Bruns 2009)
Sehr selten finden sich Pflanzen im Gebiet subspontan, so in Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023) und 2002 in der Aglassingerstraße in der Stadt Salzburg, wo sie aus einem der nah gelegenen Schrebergärten entflohen sein dürfte (Pilsl & al. 2008). Die Fundangaben aus den Kantonen Bern, Genf und Zürich (Infoflora 2024) dürften sich auf kultivierte Pflanzen beziehen - „Kultivierte Pflanze ohne Tendenz zur Verwilderung“. Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt. Subspontan auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012).
 

Hydrangea quercifolia

Die Eichenblättrige Hortensie, Hydrangea quercifolia, ist in den südöstlichen Vereinigten Staaten beheimatet. 
Sie wird seit etwa 1803 als Ziergehölz gärtnerisch kultiviert (Bärtels & Schmidt 2014) und findet sich in Sorten wie `Harmony´ (1988) oder `Snowflake´ (etwa 1960) im Pflanzenhandel. 
Die Fundangaben aus den Kantonen Bern, Genf, Tessin und Zürich dürften sich auf kultivierte Pflanzen beziehen „Kultivierte Pflanze ohne Tendenz zur Verwilderung“ (Infoflora 2024). Die Art wird in der „Flora von Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) nicht genannt.
 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Museums Wien, 831 S.

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen
_2018_teil_1.pdf

FKÖ (2021): Arbeits-Verbreitungskarten zum Atlas der Flora Österreichs - Projektdatenbank zur Floristischen Kartierung Österreichs.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Griebl N. (2019): Hydrangea paniculata verwildert - Forum Flora Austria (flora-austria.at)

Griebl N. (2024): in Zernig K., Griebl N. & S. Leonhartsberger (2024): Bemerkenswertes zur Flora der Steiermark 11 - Joannea Botanik 20: 167–200.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

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Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

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