Hedera

Efeu, Araliengewächs, Araliaceae

Gattung:

Hedera umfasst etwa 18 Arten (Kew 2023) in Eurasien und Nordwest-Afrika einschließlich Makaronesien mit Mannigfaltigkeitsgebieten auf den Inseln Makaronesiens und im westlichen Mittelmeergebiet.
 

Hedera colchica 

Kolchischer Efeu,
Hedera colchica
Araliengewächs, Araliaceae
 

Steckbrief:

Kriechender oder kletternder, bis 6 m langer, immergrüner Strauch mit steifen Trieben. Blattspreiten 8–20 cm lang, ledrig, breit-lanzettlich bis breit-eiförmig, gerieben schwach nach Sellerie riechend. Blätter an Jungtrieben ganzrandig oder dreilappig, an Alttrieben ungelappt, lanzettlich bis rundlich. Blüten in 12–30-strahligen Dolden. Früchte grau bis blauschwarz. Blütezeit September bis Oktober. 
Verwechslungsmöglichkeit: Der heimische Echte Efeu, Hedera helix, hat 4–10 cm lange Blattspreiten. Die Blätter der Jungtriebe sind deutlich gelappt.
 
 

Nutzung:

Zierpflanze. In mehreren Sorten wie `Dentata´ (1860), `Jürgl´ oder `Sulphur Heart´ (1968). Wie der heimische Efeu ein wertvoller Nektarlieferant für die Insektenwelt im Herbst.  
 

Ausbreitung:

1840 vom Botanischen Garten Odessa nach England gekommen und fortan in der Gartenkultur genutzt. Gegenwärtig im Gebiet sehr selten subspontan mit Verbreitungsschwerpunkt im Ruhrgebiet Nordrhein-Westfalens. Die Verbreitung erfolgt vor allem durch Vögel, welche die Beeren als winterliches Futter nutzen.
 
DEUTSCHLAND:
Vereinzelt, so bei Kernen im Remstal und ehemals bei Badenweiler in Baden-Württemberg (Smettan 2010), 2016 in einem Forst bei Bubenreuth nahe Erlangen in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), Waldrand bei Niederrad in Hessen (Baumann 2009), Goslar-Oker und Gartow in Niedersachsen (Brandes 2016), mehrfach im Ruhrgebiet Nordrhein-Westfalens, wie in Oberdollendorf, Bonn, an einem Waldrand in Mülheim a.d. Ruhr, mehrfach in Köln, in Bochum-Stiepel in einem zugewachsenen Hohlweg zwischen Nachtigallstraße und „Am Bliestollen“ und im Spanenkamp in Herten-Disteln (Gorissen 2015, Fuchs & al. 2006, Sumser & al. 2015, BBV 2016, BBV 2010).
ÖSTERREICH: 
2021 am Grazer Schlossberg in der Steiermark an zwei Stellen gefunden (Vitek & Zernig 2022). Der Grazer Schlossberg ist ab dem 19. Jahrhundert als Garten- und Parkanlage zur Gänze neu bepflanzt worden, wobei insbesondere in den 1930er-Jahren vielfach erfolgreich das Auspflanzen wärmeliebender Arten versucht wurde (Adlbauer & Ster 1998). Der heutige Bestand von H. colchica dürfte aber nicht auf Bepflanzungen aus dieser Zeit zurückgehen, denn Erika Wasserbäck (1985) führt diese Art in ihrer umfangreichen Arbeit zur Flora und Vegetation des Schlossbergs nicht an, ebenso wenig Zimmermann & Eisner (1994) in ihrer vegetationskundlichen Grundlage für ein Pflegekonzept. Zwischen 1996 und 1998 wurde am Schlossberg-Plateau in den Beeten rund um die Zisterne von den Stadtgärtnern H. colchica der Sorte `Batumi´ als Bodendecker ausgepflanzt. Nach 2005 wurden die zwischenzeitlich massenhaft angewachsenen Sprosse von H. colchica wieder aus den Beeten entfernt. Dabei dürften die Sprosse als Gartenabfälle über den steilen Osthang in den Wald gekippt und so entsorgt worden sein, eine noch heute gepflogene Praxis (Vitek & Zernig 2022). In Südtirol ehemals in Bozen-Gries (Pfaff 1912).
SCHWEIZ:
Vereinzelt, so ehemals bei Basel, mehrfach im Kanton Genf, in St. Gallen, im Tessin, Ouchy bei Lausanne im Kanton Waadt und im Kanton Zürich (Infoflora 2024, Thellung 1919).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), in Frankreich (Vitek & Zernig 2022) und auf der Krim (Vitek & Zernig 2022).

 

Hedera hibernica

Der Irische Efeu, Hedera hibernica, ist an der Atlantikküste Europas von Portugal bis zu den Britischen Inseln beheimatet. Er wird von manchen Taxonomen als Spielform, Varietät oder Unterart zu Hedera helix gesehen. Wesentliche Institutionen wie Kew Science (2023) erkennen die Sippe als Art an. Hedera hibernica ähnelt sehr dem heimischen Hedera helix, hat aber flach ausgebreitete Blatthaare (gute Lupe), während sie bei H. helix in alle Richtungen zeigen. Hedera hibernica konnte subspontan 2010 auf der Erddeponie Marktschorgastauf bei Trebgast, 2002 am Friedhof Bamberg, 2011 am Schießplatz Bayreuth und 2010 in Passau in Bayern (Meierott & al. 2024), auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Theisinger & Hebbel 2022), in Niederösterreich (Vitek & al. 2021) und im Kurpark Oberlaa, im Zentralfriedhof und in Strebersdorf in Wien (Vitek & al. 2021) subspontan gefunden werden. Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2021 (Glaser & al. 2025). Subspontan u.a. auch in Italien (Galasso & al. 2024).
 

Quellen

Adlbauer K. & Ster T. (1998): Lebensraum mit Geschichte – Der Grazer Schloßberg. – Graz: Austria Medienservice; 215 pp.

Baumann K. (2009): Fundmeldungen, Neufunde-Bestätigungen-Verluste – Botanik und Naturschutz in Hessen 22: 165–198.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2010): Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen in Bochum (Nordrhein-Westfalen) und Umgebung im Jahr 2010 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver.2: 144–182.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2016): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2016 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 8: 174–189.

Brandes D. (2016): Über einige Neufunde von Neophyten in Braunschweig und Umgebung – Florist. Rundbriefe 50: 37–59.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Fuchs R., Hetzel I., Loos G. H. & Keil P. (2006): Verwilderte Zier- und Nutzgehölze in Wäldern des Ruhrgebietes – AFZ-Der Wald 12: 622–625.

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297−340.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gorissen I. (2015): Flora der Region Bonn (Stadt Bonn und Rhein-Sieg-Kreis) – Decheniana-Beiheft 40. Bonn, 605 Seiten.
 



Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Pfaff W. (1912): Führer durch die Parkanlagen und Promenaden von Bozen und Gries – Innsbruck, Verlag der Wagner´schen k.k. Univ-Buchhandlung.

Smettan W. (2010): Neue Fundorte – Bestätigungen – Verluste (668–808) – Ber. d. Botan. Arbeitsgem. Südwestdeutschland 6: 95–116.

Sumser H., Falk G., Wieland J., Jagel A. & Bomble W. (2015): Atlas einer zweijährigen Erhebung zur Flora von Köln (2013-2015) - Bund für Umwelt und Naturschutz Köln, 206 S.

Theisinger D. & J. Hebbel (2022): Flora von Helgoland - Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg - NHG_Flora_Helgoland_2022.pdf (nhg-nuernberg.de)

Thellung A. (1919): Beiträge zur Adventivflora der Schweiz (III) – Mitteilungen aus dem botanischen Museum der Universität Zürich.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Vitek E., Adler W. & Mrkvicka A.C. (2021): Neues von der Flora Wiens. – Neilreichia 12: 219-290.

Vitek E. & K. Zernig (2022): Bemerkenswertes zur Flora der Steiermark – Joannea Botanik 18: 191-210.

Wasserbäck E. (1985): Ökologische und vegetationskundliche Untersuchungen auf dem Grazer Schlossberg. Dissertation. – Karl-Franzens-Universität Graz, betreut von F. Wolkinger; 488 pp.

Zimmermann A. & Eisner M. (1994): Der Grazer Schlossberg. Landschaftspflegekonzept aus vegetationskundlicher Sicht. – Magistrat Graz.