Gynostemma

Jiaogulan, Kürbisgewächs, Cucurbitaceae

Gattung:

Gynostemma umfasst etwa 16 südostasiatische Arten (Kew 2023) mit Mannigfaltigkeitszentrum in China.
 

Gynostemma pentaphyllum
Jiaogulan, Kraut der Unsterblichkeit  
Gynostemma pentaphyllum,
Kürbisgewächs, Cucurbitaceae

 

Steckbrief:

Bis 8 m hoch bzw. weit rankende, zweihäusig-getrenntgeschlechtliche, krautige Mehrjährige, die in Mitteleuropa meist einjährig kultiviert wird. Blätter unpaarig gefiedert aus bis zu 9 breit-lanzettlichen, am Rand gezähnten Blättchen. Blüten unscheinbar weißlich-grün, fünfzählig. Früchte rund, 5−7 mm im Durchmesser, grün bis schwarz. Blütezeit Juni bis August.
 

 

Name:

1406 während der Ming-Dynastie erstmals durch Zhu Xiao im Buch der „Heilkräuter gegen die Hungersnot“ beschrieben und 1784 durch den schwedischen Botaniker Carl Peter Thunberg als „Vitis pentaphylla“ veröffentlicht. Carl Ludwig Blume überstellte die Art 1825 als „Gynostemma simplicifolium“ zu Gynostemma und Makino Tomitaro schuf 1902 mit Gynostemma pentaphylla den heute gültigen wissenschaftlichen Namen.
 

Heimat:

Südost-Asien von Indien bis Malaysien und Japan.
 

Nutzung:

In der traditionellen chinesischen Medizin als Heilpflanze, hier aber erst seit relativ Kurzem eingesetzt. Es ist die einzige Pflanze mit Ginsengosiden außerhalb der Araliengewächse. Die frischen Blätter können als Salat, Tee oder Spinat genutzt werden. Die Blätter haben einen Geschmack, der an Lakritze erinnert. 
 

Ausbreitung:

In China ist Jiaogulan als Xiancao bekannt, übersetzt 'Das Kraut der Unsterblichkeit'. Die westliche Welt erfuhr von der Pflanze in den 1970er-Jahren, als eine große Volkszählung in China durchgeführt wurde. Dabei war aufgefallen, dass vorwiegend in der Provinz Guizhou, aber auch in den Provinzen Guangxi und Sichuan überdurchschnittlich viele 100-jährige Menschen lebten. Diese Auffälligkeit wurde näher untersucht. Dabei konnten verschiedene Einflussfaktoren, wie z.B. Genetik, Klima usw. ausgeschlossen werden. Es folgerte der Schluss, dass das hohe Alter der Bewohner mit dem regelmäßigen Genuss von Jiaogulan zusammenhängen könnte (Bensky & al. 2004)
Seit Ende der 1970er-Jahre findet man die Pflanze aufgrund ihrer ihr nachgesagten gesundheitsfördernden Eigenschaften in Mitteleuropa im Pflanzenhandel. In Kräutergärtnereien, aber auch in Gartencentern wird sie vielfach zum Verkauf angeboten.
Die kriechenden Triebe bilden bei Bodenkontakt an den Knoten Wurzeln aus und vermehren sich so vegetativ.

 
DEUTSCHLAND:
2008 unbeständig an einer Mauer in einer Hoffeinfahrt in Obergräfenthal in Bayern (Breitfeld & al. 2017, Hassler & Muer 2022, Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
Am 29. Okt. 2024 von Wolfgang Kundigraber auf einer Fläche von mehreren Dutzend Quadratmetern in einer Waldlichtung am Admonter Kogel bei Graz-St. Veit in der Steiermark gefunden (persönl. Nachricht von W. Kundigraber am 2.Nov.2024 und Vorort-Termin am 4.Nov.2024, siehe Fotos oben). Im Gebiet ist die Art meist nicht winterhart, am Admonter Kogel bei Graz in der Steiermark hingegen besiedelt die Pflanze eine Fläche im Wald, die dort auf ein jahre- bis jahrzehntelanges Bestehen hinweist. Der Südhang des Admonter Kogels zeichnet sich durch ein trockenwarmes Lokalklima aus. Besonders bemerkenswert ist hier der hohe Anteil an Arten, deren Hauptareal deutlich weiter südlich bzw. östlich liegt und die in der Steiermark sehr selten sind. Flaum-Eiche, Dingel, Perückenstrauch, Karpaten-Spierstrauch und Gelber Lein zählen zu den Besonderheiten des Admonter Kogels (Griebl 2024).
SCHWEIZ: ---

 

Quellen

Bensky D., A. Gamble, S. Clavey & E. Stöger (2004): Chinese Herbal Medicine: Materia Medica (3rd ed.). Eastland Press.

Breitfeld M., Hertel E., Horbach H.-D. & W. Wurzel (2017): Flora von Bad Berneck und Umgebung, die Pflanzenwelt zwischen Ochsenkopf und Maintal – 501 S.

Griebl N. (2024): Gynostemma pentaphyllum in der Steiermark - Forum Flora Austria



Hassler M. & T. Muer (2022): Flora Germanica. Bildatlas der deutschen Flora. Mit Artbeschreibungen von Thomas Meyer. Unter Mitarbeit zahlreicher Spezialisten und Revisoren. - Band 1 und Band 2, zus. 1712 S., Ubstadt-Weiher.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.