Gunnera

Mammutblatt, Mammutblattgewächs, Gunneraceae

Gattung:

Gunnera umfasst etwa 63 Arten (Kew 2023) mit Hauptverbreitung in Südamerika und Neuseeland. Alle Gunnera-Arten leben in Symbiose mit Cynobakterien, die Luftstickstoff fixieren. 


Gunnera tinctoria

Chile-Mammutblatt,
Gunnera tinctoria
(Syn.: G. chilensis)  
Mammutblattgewächs, Gunneraceae

 

Steckbrief:

Bis 1,5 m hohe Staude mit oberirdisch kriechendem Rhizom und riesigen Blättern mit einem Spreitendurchmesser von bis zu einem Meter. Blattstiel bis zu einem Meter lang, borstig behaart. Blattspreite rundlich, mit doppelt gezähntem Blattrand. Blattstiele und Blattadern meist rötlich gefärbt. Blütenstand rispig, bestehend aus hunderten Einzelblüten, braungrün bis rötlich. Blütezeit April bis Juni.
Verwechslungsmöglichkeit: Bei Gunnera manicata sind die Blattstiele und Blattadern rein grün, nicht rötlich gefärbt.
 

Name:

Benannt zu Ehren des norwegischen Naturwissenschaftlers und Bischofs von Trondheim Johan Ernst Gunner (1718−1773). Gunner war Verfasser einer zweibändigen „Flora Norvegica“. Er war der erste Wissenschaftler, der aus der Tatsache, dass Nordlichter von der Sonne verursacht werden, auf die Existenz von Polarlichtern um Mond, Venus und Merkur schloss.
 

Heimat:

Südliches Südamerika.
 

Nutzung:

Selten als Zierstaude, häufiger wird das ähnliche G. manicata kultiviert. In Südamerika werden die jungen Blattstiele frisch gegessen oder zu Marmelade verarbeitet.
 

Ausbreitung:

Nach Europa kam das Chile-Mammutblatt 1849. Erste Verwilderungen wurden in Großbritannien 1908 festgestellt, in Irland in den 1930er-Jahren und in Neuseeland 1968 (CABI 2024). G. tinctoria vermehrt sich sowohl generativ als auch vegetativ über Rhizome und Wurzelfragmente. Eine Pflanze kann bis zu 250.000 Samen im Jahr produzieren. Die Samen keimen leicht und zeigen keine Ruhephase (Williams & al. 2005).
Die Art wurde 2017 in die EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung aufgenommen (Nehring & Skowronek 2023). Diese Entscheidung wurde vom Zentralverband Gartenbau kritisiert, da die Art nur in gewissen Regionen der EU ausreichend winterhart ist und für den Gartenbau von wirtschaftlicher Bedeutung ist.

 
DEUTSCHLAND:
Ehemals für den Mannheimer Stadtpark in Baden-Württemberg verwildert angegeben (Hegi 1975). Die Art wird in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs“ (Sebald & al. 1992) nicht genannt.
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Lokal gilt die Art als invasiv, so auf São Miguel, der Hauptinsel der Azoren, lokal auch in Neuseeland, Irland und England. Aus Naturschutzsicht ist die Art mancherorts problematisch, da die großen Blätter die Keimung anderer Pflanzen verhindern. Wo sie Vorfluter besiedelt, behindert sie den Wasserabfluss. In Hanglagen wird die Bodenerosion begünstigt, weil der Boden unter Mammutblattbeständen für lange Zeit im Jahr unbedeckt ist. In Irland wurde zur Bekämpfung der Art ein Programm aufgestellt (Armstrong & al. 2009). In Neuseeland darf die Pflanze weder kultiviert noch gehandelt werden.

 

Quellen

Armstrong C., B. Osborne, J. Kelly & C. M. Maguire (2009): Giant Rhubarb (Gunnera tinctoria) Invasive Species Action Plan.

CABI (2024): Invasive Species Compendium - https://www.cabi.org/publishing-products/invasive-species-compendium/

Hegi G. (1975): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 5 (Teil 2). 3.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 679−1584.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Nehring S. & S. Skowronek. (2023): Die invasiven gebietsfremden Arten der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 - Dritte Fortschreibung 2022 (bsz-bw.de) BfN-Schriften 654-2023



Sebald O., Seybold S. & G. Philippi (1992): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 3: Rosaceae bis Fabaceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Williams P., Ogle C., Timmins S., Cock G. & Clarkson J. (2005): Chilean rhubarb (Gunnera tinctoria): biology, ecology and conservation impacts in New Zealand. DOC Research and Development Series. Wellington, New Zealand.