Gomphocarpus

Seidenpflanze, Hundsgiftgewächs, Apocynaceae

Gattung:

Gomphocarpus umfasst etwa 16 Arten (Kew 2023) in Afrika und Arabien (Goyder & Nicholas 2001). Die Gattung wurde oft in eine breit umschriebene Gattung Asclepias eingegliedert. Molekulare Studien haben jedoch gezeigt, dass Asclepias s.str. nur Arten aus der Neuen Welt umfasst (Fishbein & al. 2011).
 

Gomphocarpus fruticosus

Baumwoll-Seidenpflanze,
Gomphocarpus fruticosus s.lat.  
Hundsgiftgewächs, Apocynaceae

 

Steckbrief:

Bis 1,5 m hoher, am Grunde verholzter, von der Basis aus verzweigter Halbstrauch mit lineal-lanzettlichen, bis 10 cm langen Blättern. Blütenstand doldig. Kronblätter weiß, am Rand behaart, zurückgeschlagen, mit 5 muschelförmigen Nebenkronsegmenten. Nebenkronzipfel länglich, am oberen Rand mit gut entwickelten Zähnen. Ballonfrüchte aufgeblasen und groß. Blütezeit Juni bis September.
 
Anmerkung: Gomphocarpus fruticosus ist eine variable Art. Goyder & Nicholas (2001) unterscheiden mehrere Unterarten. Darüber hinaus sind die Artgrenzen zwischen ihr und G. physocarpus, einer Art, die manchmal auch als konspezifisch angesehen wird, schwach. Außerdem gibt es Hybriden aus diesen beiden. Pflanzen, die sich im Handel finden, sind zumindest teilweise solche Hybriden (Verloove 2021).
 

Heimat:

In 5 Unterarten in Süd- und Ostafrika und auf der Arabischen Halbinsel.
 

Nutzung:

Als Zierpflanze und in der Floristik.
 

Ausbreitung:

Die Baumwoll-Seidenpflanze ist als Neophyt heute in Teilen der Tropen und Subtropen zu finden. Bereits 1838 fand sie sich subspontan auf Madagaskar, 1867 dann in Mexiko. In Australien ist die Art bereits weit verbreitet und dort Futterpflanze des Monarchfalters, Danaus plexippus, der dort in den 1870er-Jahren einwanderte. Der große Erfolg bei der Besiedlung anderer Gebiete ist durch die Entwicklung des Generalisten-Wespen-Bestäubungssystems möglich geworden. Das Vorhandensein von ähnlichen bzw. verwandten Wespen-Arten in diesen Gebieten hat zur Ausbreitung der Pflanze wesentlich beigetragen (Coombs & al. 2009). Im Gebiet nur ganz vereinzelt und vorübergehend subspontan.
DEUTSCHLAND: ---
ÖSTERREICH:
Im Marchfeld in Niederösterreich (Essl & Rabitsch 2002). Die Angabe geht auf einen unpublizierten Fund von Justin & Schratt-Ehrendorfer zurück (Essl & Rabitsch 2002)Seebens & al. (2017) nennen die Art subspontan für Österreich seit 1980.
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1940 in Albanien (Seebens & al. 2017), seit 1820 auf Korsika (Seebens & al. 2017), seit 1894 am französischen Festland (Seebens & al. 2017), seit 1902 in Portugal (Seebens & al. 2017), in Spanien (Seebens & al. 2017), in den Niederlanden (FLORON 2021) und 1918 und 2017 in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021). Gomphocarpus fruticosus ist lokal invasiv in mehreren warmen Regionen, einschließlich Teilen des Mittelmeerraums (Verloove 2021)

 
Weitere Art:

Gomphocarpus cancellatus

Die Strauchige Seidenpflanze, Gomphocarpus cancellatus (Syn.: G. arborescens), ist in Südwest-Afrika beheimatet und im südlichen Australien eingebürgert. Im Gebiet angegeben 1911 für den Bahnhof Zittau in Sachsen (Otto 2012, Hand & Thieme 2024).
 

Quellen

Coombs G., Craig I. P. & S. D. Johnson (2009): Allee effects in the self-incompatible wasp-pollinated milkweed Gomphocarpus physocarpus. In: Austral Ecology. Band 34, Nr. 6.

Essl F. & Rabitsch W. (2002): Neobiota in Österreich. – Wien, Umweltbundesamt; 432 S.

Fishbein M., Chuba D., Ellison C., Mason-Gamer R.J. & Lynch S.P. (2011): Phylogenetic Relationships of Asclepias (Apocynaceae) Inferred from Non-coding Chloroplast DNA Sequences. Systematic Botany 36(4): 1008-1023.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Goyder D.J. & Nicholas A. (2001): A revision of Gomphocarpus R. Br. (Apocynaceae: Asclepiadeae). Kew Bulletin 56: 769-836.

 



Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Otto H.-W. (2012): Die Farn- und Samenpflanzen der Oberlausitz. Berichte der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz, Supplement zu Band 20, Görlitz.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be