Gladiolus

Gladiole, Schwertliliengewächs, Iridaceae

Gattung:

Gladiolus umfasst etwa 290 Arten (Kew 2023) in Afrika, Europa und Westasien mit Mannigfaltigkeitszentrum in der Kapregion Südafrikas. Genauer gesagt kommen etwa 250 Arten in Südafrika, Dutzende im tropischen Afrika und nur wenige in Eurasien vor.
 

Gladiolus ×hortulans  

Garten-Gladiole,
Gladiolus ×hortulans  
Schwertliliengewächs, Iridaceae

 

Steckbrief:

Bis 100 cm hohe Staude mit unterirdischen Knollen als Überdauerungsorgan. Blätter schwertklingenförmig, 1,5−4 cm breit. Blüten in dichter Ähre mit unterschiedlich gefärbtem Perigon, das je nach Sorte purpurn, weiß, gelb, orange, rot, violett oder lachsfarben sein kann. Blütezeit Juni bis September.
 

 

Heimat:

Als Garten-Gladiole wird eine Hybridgruppe bezeichnet, die aus Gladiolus tristis, G. dalenii, G. oppositiflorus, G. papilio, G. carneus, G. cruentus und G. cardinalis entstanden ist.
 

Nutzung:

Als Zierpflanze. Gladiolen gehören zu den Pflanzen, die schon bei niedrigen anorganischen Fluorkonzentrationen in der Luft mit sichtbaren Schädigungen reagieren. Sie werden deshalb als Bio-Indikator eingesetzt, um anorganische Fluorverbindungen in der Außenluft nachzuweisen (Nobel & al. 2005).
 

Ausbreitung:

Ende des 17. Jahrhunderts kamen die ersten afrikanischen Gladiolen nach Europa. Es entstanden im Laufe der Zeit zahlreiche Sorten durch Auslese und Kreuzung, wobei G. ×colvillei (G. cardinalis × G. tristis) aus dem Jahr 1823 zu den ältesten Hybriden gehört. Später entstanden aus G. cardinalis × G. carneus die Ramosus- und Charm-Hybriden. Eine Gliederung der Sorten nach Elternarten ist mittlerweile wegen der komplexen, zuweilen nicht genau bekannten Abstammung der Hybriden nicht praktikabel. Die Einteilung erfolgt nach Blütezeit, Blütenform, Blütendichte und Wuchshöhe in die Nanus-Gruppe, Primulinus-Gruppe und Grandiflorus-Gruppe (Jäger & al. 2008). Mittlerweile sind rund 10.000 Sorten entstanden, von denen die meisten wieder vergessen sind, jedoch entstehen ständig neue Sorten, vor allem in Großbritannien, Nordamerika, den Niederlanden und in Deutschland. Gladiolen-Gesellschaften mit Ausstellungen und Preisen gibt es in den USA seit 1910 und in England seit 1926.
Durch die fehlende Winterhärte der Garten-Gladiole sind subspontane Vorkommen in Mitteleuropa meist nur unbeständig. Fundangaben von „Gladiolus communis“ beziehen sich wahrscheinlich auf Kulturformen, die unter dem Namen G. ×hortulanus zusammengefasst werden (Glaser & al. 2025).
DEUTSCHLAND:
1999 auf einem Erd- und Abfallhaufen nahe eines Forstweges im Fichtenforst bei Alt-Prüll nahe Thalmässing in Bayern (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
2002 am Bahndamm bei Tumeltsham in Oberösterreich (Hohla & al. 2002), im Flachgau Salzburgs (Pflugbeil & Pilsl 2013) und Simmering, Stammersdorf, Schwarzlackenau, Süßenbrunn und Breitenlee in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Fundmeldungen aus Kärnten und der Steiermark sind zufolge Glaser & al. (2025) irrig.
SCHWEIZ:
Im südlichen Tessin (Bellosi & al. 2011).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und in Norwegen (Gederaas & al. 2012).

 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Museums Wien.

Bellosi B., Selldorf P. & Schönberger N. (2011): Exploring the Flora on Inert Landfill Sites in Southern Ticino (Switzerland) – Bauhinia 23: 1-16.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hohla M., Kleesadl G. & Melzer H. (2002): Neues zur Flora der oberösterreichischen Bahnanlagen – mit Einbeziehung einiger grenznaher Bahnhöfe Bayerns – Beitr. Naturk. Oberösterreichs 11: 507–578.
 



Hohla M., Stöhr O., Brandstätter G., Danner J., Diewald W., Essl F., Fiederer H., Grims F., Höglinger F., Kleesadl G., Kraml A.G., Lenglachner F., Lugmair A., Nadler K., Niklfeld H., Schmalzer A., Schratt-Ehrendorfer L., Schröck C., Strauch M. & Wittmann H. (2009): Katalog und Rote Liste der Gefäßpflanzen Oberösterreichs. – Stapfia 91: 1–324.

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Nobel W., H. Beismann, J. Franzaring, R. Kostka-Rick, G. Wagner & W. Erhardt: Standardisierte biologische Messverfahren zur Ermittlung und Bewertung der Wirkung von Luftverunreinigungen auf Pflanzen (Bioindikation) in Deutschland. In: Gefahrenstoffe – Reinhalt. Luft. 65, Nr. 11/12.

Pflugbeil G. & Pilsl P. (2013): Vorarbeiten an einer Liste der Gefäßpflanzen des Bundeslandes Salzburg, Teil 1: Neophyten - Mitt. Haus der Natur 21: 25–83.
Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be