Ginkgo

Fächerblattbaum, Fächerblattbaumgewächs, Ginkgoaceae

Gattung:

Ginkgo biloba ist der einzige lebende Vertreter der Gattung Ginkgo. Er gilt als „lebendes Fossil“. Etwa 100 Millionen Jahre nach dem Ginkgo traten die ersten Laubbäume auf. Zunächst waren nur fossile Reste bekannt, bis schließlich der deutsche Forscher Engelbert Kaempfer (1651−1716) auch lebende Pflanzen entdecken konnte. Die fast ausgestorbene Art hatte sich nur durch ihre Kultur in japanischen Tempelgärten in wenigen Exemplaren halten können (Düll & Kutzelnigg 2022).
 

Ginkgo biloba  

Ginkgo, Fächerblattbaum,
Ginkgo biloba  
Fächerblattbaumgewächs, Ginkgoaceae
 

Steckbrief:

Bis 25 m hoher, zweihäusiger, sommergrüner Baum mit markantem Laub und prächtiger Herbstfärbung. Bei den weiblichen Bäumen finden sich die Samenanlagen am Ende der meist unverzweigten Kurztriebe, bei den männlichen Bäumen sind die Pollensackgruppen traubig angeordnet. Die erste Blüte setzt nach etwa 25 Jahren ein. Früchte mirabellenähnlich, zur Reife durch die enthaltene Buttersäure stinkend. Blütezeit April bis Mai.  
 
 

Name:

Der ungewöhnliche Name geht auf einen Übersetzungsfehler zurück. Der 1578 erstmals aufgezeichnete sino-japanische Name Ginkyō wurde vom Japanforscher Engelbert Kaempfer zu Ginkgo übersetzt und von Linné übernommen, sodass er wissenschaftliche Gültigkeit hat.
 

Heimat:

China.
 

Nutzung:

Park- und Straßenbaum. Die Art ist wärmeliebend, hitzeverträglich, stadtklimafest und resistent gegenüber Luftverschmutzung (Bruns 2009). Seine Widerstandsfähigkeit bewies der Ginkgo auch bei der Atombombenexplosion in Hiroshima von 1945, wo er zu den wenigen lebenden Organismen gehörte, die diese Explosion überlebte. Die nur wenige hundert Meter von der Explosionsstelle entfernt wachsenden Bäume in Hiroshima waren zwar verkohlt, trieben aber im Frühling 1946 wieder aus.
Aus den Samen wird Ginkgolsäure isoliert, die das Wachstum von Tuberkelbazillen hemmt, weshalb Ginkgo in China als Heilmittel gegen Tuberkulose genutzt wird (Mansfeld 1986). Die stärkehaltigen Samenkerne werden in China und Japan geröstet gegessen. Bei uns sorgen fruchttragende Bäume aufgrund der Geruchsbelästigung oft für Ärger. So wurden 2010 auf Drängen der Anwohner 160 weibliche Bäume in Duisburg gefällt. In Mitteleuropa werden ganz überwiegend männliche Pflanzen kultiviert. Die Vermehrung erfolgt hier durchwegs durch Veredelung, die männliche Ginkgo-Sorte wird auf den Sämling gepfropft. In Ostasien werden aufgrund der Nutzung der Furchtkerne hingegen vorwiegend weibliche Bäume gepflanzt. Zahlreiche Kultivare sind in den letzten Jahrzehnten selektioniert worden, so `Dafushon´ mit einem hohen Früchteertrag (in Ostasien), Sorten zur Blättergewinnung für die Humanmedizin, vor allem zur Behandlung von Demenz und Durchblutungsstörungen und zahlreiche Zierformen von alphabetisch `Annys Dwarf´, die als Zwergform 1993 aus einer Sämlingspopulation ausgelesen wurde bis `Wiener Walzer´ (Bärtels & Schmidt 2014).

 
 

Ausbreitung:

Als Tempelbaum fand der Ginkgo in Ostasien weite Verbreitung und kam so nach Japan und Korea. Der deutsche Japanforscher Engelbert Kaempfer (1651−1716) entdeckte den Baum 1690 für die westliche Welt. Von Japan aus brachten niederländische Seefahrer den Fächerblattbaum um 1730 nach Europa, wo er erstmals im Botanischen Garten der Universität Utrecht wuchs. Von da aus verbreitete er sich in alle Himmelsrichtungen. Gegenwärtig wird Ginkgo in Mitteleuropa häufig gepflanzt, aber wegen des weitgehenden Fehlens weiblicher Bäume ist nur sehr selten Naturverjüngung zu beobachten.
Ältere Bäume entwickeln auf der Unterseite oft starke Äste, aber auch am Stamm, wurzelartige, zitzenförmige Auswüchse, die meterlang werden können. Man nennt diese luftwurzelähnlichen Gebilde, die ein wenig an Stalaktiten erinnern, „Tschitschi“. Über ihre Bedeutung ist bisher wenig bekannt. Da sie senkrecht zum Boden wachsen, könnten es Überbleibsel stützwurzelähnlicher Organe von längst ausgestorbenen Ginkgo-Arten sein, die in sumpfigen Wäldern beheimatet waren (Bruns 2009).

 
DEUTSCHLAND:
Ein Sämling auf einer Erdschüttungsdeponie östlich von Rannungen in Bayern (Meierott 2008, Meierott & al. 2023), in Nordrhein-Westfalen etwa 20 Sämlinge am Stiehls Teich in Solingen-Aufderhöhe und 2021 bei den Kammerspielen an der Königsallee in Bochum-Ehrenfeld - hier erstmals 2010 gefunden und seitdem regelmäßig Sämlinge vorhanden, die aber immer wieder entfernt werden (BBV 2020, Jagel 2020, BBV 2022), außerdem in Rheinland-Pfalz (Lang & Wolff 2017).
ÖSTERREICH:
2023 im Plungergarten in Obernberg am Inn in Oberösterreich (Hohla & Kiràly 2024).
Eine ehemalige Angabe für Nordtirol ist irrig (Pagitz & al. 2023).
SCHWEIZ:
Für die Schweiz in Infoflora (2025) mehrfach angegeben, allerdings mit dem Status: Kultivierte Pflanze ohne Tendenz zur Verwilderung.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und Italien (Galasso & al. 2024).

 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2020): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2019 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 11: 222-264.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2022): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2021 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 13: 131–190.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297-340.

Hohla M. & G. Király (2024): Aloë vera, Baptisia australis und Ginkgo biloba neu für Österreich und weitere floristische Beiträge – Stapfia 118: 69-89.

 



Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Jagel A. (2020): Flora von Bochum – Bochumer Botanischer Verein https://www.botanik-bochum.de/flora/Flora_Bochum_Jagel.pdf

Lang W. & P. Wolff (2017): Dritter Nachtrag zur zweiten Auflage zur „Flora der Pfalz“ – Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen für die Pfalz und ihre Randgebiete – Mitteilungen der Pollichia 98: 83-90.

Mansfeld R. (1986): Verzeichnis landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen - Band 1, 578 Seiten, Springer-Verlag.

Meierott L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.

Pagitz K., O. Stöhr, M. Thalinger, I. Aster, M. Baldauf, C. Lechner-Pagitz, H. Niklfeld, L. Schratt-Ehrendorfer & P. Schönswetter (2023): Rote Liste und Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols – Natur in Tirol, Band 16.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be