Gaultheria

Scheinbeere, Heidegewächs, Ericaceae

Gattung:

Gaultheria umfasst, inklusive Pernettya, etwa 240 Arten (Kew 2023), die in Amerika, Süd- und Ostasien, Neuseeland und Australien beheimatet sind. Mannigfaltigkeitszentren sind Mittel- und Südamerika, Malaysien und China. Molekulare Daten zeigen, dass Pernettya in Gaultheria inkludiert werden sollte (Kron & al. 1999). Beide Gattungen unterscheiden sich nur in Beerencharakteren. Auch die Existenz spontaner Hybriden zwischen Arten beider Gattungen [z.B. Gaultheria shallon × Pernettya mucronata] deutet auf ihre enge Verwandtschaft hin. 
 

Gaultheria procumbens 

Niedere Scheinbeere, Niedere Rebhuhnbeere,
Gaultheria procumbens  
Heidegewächs, Ericaceae

 

Steckbrief:

Bis 20 cm hoher, immergrüner Zwergstrauch mit unterirdischen Ausläufern und elliptischen bis breit-lanzettlichen, 2−4 cm langen Blättern. Blüten einzeln oder zu wenigen blattachselständig, weiß, hängend, urnenförmig, 6−9 mm lang. Früchte rundlich, 7−14 mm im Durchmesser, rot. Blütezeit Juni bis August.
 

Name:

Die Gattung ist zu Ehren des französischen Arztes und Naturforschers Jean François Gaultier (1708–1756) benannt. Gaultier praktizierte in Paris, dann ab 1742 in Québec. Er errichtete die erste meteorologische Station in Kanada (Burkhardt 2018). Pernettya erinnert an den französischen Historiker Antoine Joseph Pernetty (1716−1801), der Bougainvilles bei seiner Reise zu den Falklandinseln, der Magellanstraße und anderen Teilen Südamerikas begleitete.
 

Heimat:

Östliches Nordamerika.
 

Nutzung:

Als zierender Bodendecker für Moorbeete, in mehreren Sorten wie `Winter Pearls´ und `Red Baron´. Die Art verträgt Wurzeldruck größerer Bäume, nicht aber längere Trockenperioden (Bruns 2009). Die Früchte werden mancherorts in Kuchen verarbeitet, die Blätter zu Tee gebrüht. Das aus den Blättern durch Mazeration gewonnene „Wintergrün-Öl“ wird für Kaugummis, Süßigkeiten, Zahnpasta und aseptische Mundspülungen genutzt.
 

Ausbreitung:

Die Art ist seit spätestens 1762 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014).
DEUTSCHLAND:
2017 im Schönramer Filz, ein Hochmoor im oberbayrischen Landkreis Traunstein, gefunden, hier wahrscheinlich ursprünglich angesalbt (Dickoré & Dickoré 2019) und in Niedersachsen (Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021) und 1943 in Belgien (Verloove 2021).

 
Weitere Art:

Gaultheria shallon

Die Shallon-Scheinbeere, Gaultheria shallon, auch Hohe Rebhuhnbeere genannt, ist im westlichen Nordamerika beheimatet und wurde dort im Zuge der Lewis & Clark-Expedition 1804 bis 1806 für die Wissenschaft entdeckt. Nach Europa kam sie um 1826 durch David Douglas. Die Art wird bei uns selten in wenigen Sorten wie `Darts Jewel´ oder `Prince Rupert Island´ als Zierpflanze für Moorbeete verwendet. Sie ist ausläufertreibend und liebt Luftfeuchtigkeit (Bruns 2009). Ihre Früchte sind essbar, die Triebe werden häufig in der Blumenbinderei als „Salal“ genutzt. Subspontan wird die Art im Gebiet 1949 für das Heineken-Landgut Oberneuland in Bremen (Weihe 1951) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt. Subspontan u.a. 1961 auch in Irland (Seebens & al. 2017) und in Großbritannien (Seebens & al. 2017).
 
 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_ pflanzennamen_2018_teil_1.pdf

Dickoré W. B. & Dickoré (2019): Neufunde und Bestätigungen von Gefäßpflanzen, überwiegend aus dem südbayerischen Moränengürtel – Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 89: 265-285.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

 



Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Kron K.A., Judd W.S. & Crayn D.M. (1999): Phylogenetic analyses of Andromedeae (Ericaceae subfam. Vaccinioideae). Am. J. Bot. 86(9): 1290-1300.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Weihe K. (1951): Floristische Notizen aus dem Gebiet der nordwestdeutschen Flora I – Abhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen 32: 415-436.