Galium

Labkraut, Rötegewächs, Rubiaceae

Gattung:

Galium umfasst etwa 636 Arten (Kew 2023) und ist fast weltweit verbreitet, die meisten Arten finden sich im gemäßigten Klima. Die Familie der Rötegewächse, zu der auch der Kaffeestrauch gehört, zählt zu den 5 artenreichsten Pflanzenfamilien (Düll & Kutzelnigg 2022).
 

Galium verrucosum 

Anis-Labkraut,
Galium verrucosum  
Rötegewächs, Rubiaceae

 

Steckbrief:

Bis 30 cm lange, vom Grund an verzweigte Einjährige mit rauen Stängeln und schmal-lanzettlichen, 7−17 mm langen und 1,5−5 mm breiten Blättern in fünf- bis sechszähligen Wirteln. Blattränder durch vorwärts gerichtete Stacheln rau. Blütenkrone gelblichweiß, 2−2,5 mm im Durchmesser, in ein- bis dreiblütigen Teilblütenständen. Früchte kugelig, mit blasigen Warzen besetzt. Blütezeit Juni bis Juli.
 

Heimat:

Mittelmeergebiet.
 

Nutzung:

Keine.
 

Ausbreitung:

DEUTSCHLAND:
Unbeständig, so 1974 bei Rosenegg in Baden-Württemberg (Sebald & al. 1996, Hegi 2016), Havelland in Brandenburg (Hegi 2016), Hamburg (Hand & Thieme 2023), Oberrheinische Tiefebene in Hessen (Hegi 2016), Niedersachsen (Hand & Thieme 2023), Nordrhein-Westfalen (Hand & Thieme 2023), Trier-Zewen in Rheinland-Pfalz (Hand & al. 2016), Sachsen (Hand & Thieme 2023), Saale-Unstrut und Ostharz in Sachsen-Anhalt (Hegi 2016) und ehemals Werratal und Thüringer Becken in Thüringen (Zündorf & al. 2006). Schleswig-Holstein wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) als fraglich geführt.
ÖSTERREICH:
1949 (Hegi 2016) bzw. 1954 (Glaser & al. 2025) am Frachtenbahnhof Graz in der Steiermark. Die Angabe von Sailer (1841) für Oberösterreich: „unter dem Getreide hie und da, auch in Gärten als Unkraut“ und Sailer (1844 sub G. saccharatum) sind höchstwahrscheinlich irrig (Hohla & al. 2009). Eine ehemalige Angabe für Nordtirol dürfte ebenfalls irrig sein (Pagitz & al. 2023).
SCHWEIZ:
Ehemals vereinzelt und vorübergehend, so in den Kantonen Bern, Obwalden, Solothurn, St. Gallen und Wallis (Infoflora 2024).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch 1904 in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021), 1932 in Polen (Seebens & al. 2017), 1822 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und 1948 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

 
Weitere Arten:

Galium arenarium

An der Atlantikküste in Westfrankreich und Nordwest-Spanien ist das gelblich blühende Sand-Labkraut, Galium arenarium, beheimatet. Im Gebiet wird es 1881 adventiv für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg angegeben (Höck 1910, Hand & Thieme 2023).
 

Galium floribundum

Das Dichtblütige Labkraut, Galium floribundum, ist von den Ägäischen Inseln über Südwest-Anatolien bis West-Zypern verbreitet und wird für das Gebiet 1937 adventiv in Schutt bei Coswig in Sachsen (Huber-Morath 1962) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
 

Galium murale

Das Mauer-Labkraut, Galium murale, ist im weiten Mittelmeerraum, östlich bis Afghanistan reichend, beheimatet. Die Art kommt vor allem als Begleitpflanze in Pflanzencontainern aus dem Mediterranraum zu uns sowie verschleppt auf Campingplätzen vor (Verloove et al. 2020).
Im Gebiet 2016 vorübergehend in Breisach am Rhein in Baden-Württemberg (Amarell 2020), 2025 am Campingplatz Holmernhof Dreiquellenbad in Singham-Bad Griesbach in Bayern (Hohla 2025), 2003 im Straßenpflaster in Leipzig-Reudnitz in Sachsen (Gutte 2006), 2024 bzw. 2025 auf dem neuen Wohnmobilstellplatz am Badesee in Königsdorf im Burgenland (Raabe 2025), 2021 in Bozen in Südtirol (Wilhalm & al. 2021) und in den Kantonen Genf, Luzern, Tessin und Waadt (Infoflora 2024)
Subspontan u.a. auch 1902 in Belgien (Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021) und 2009 in Tschechien (Pyšek & al. 2012). Galium murale ist eine kleine, unauffällige Pflanze, die leicht zu übersehen ist. Durch ihre zurückgebogenen Fruchtstiele und die zylindrischen, mit borstigen Haaren besetzten Früchte ist sie jedoch unverkennbar.
 


 

Galium pusillum

In den Pyrenäen und Südwest-Alpen ist das Kleine Labkraut, Galium pusillum, ursprünglich. Adventiv wird es um 1914 vom Münchner Südbahnhof in Bayern angegeben (Vollmann 1914, Hand & Thieme 2023). Der Fund ist unbelegt (Meierott & al. 2024). Eine ehemalige Angabe für Nordtirol dürfte irrig sein (Pagitz & al. 2023).
 

Galium tenuissimum

Das Schmale Labkraut, Galium tenuissimum, ist von Osteuropa bis zum Himalaya und bis Somalia beheimatet und wird im Gebiet 1919 für den Elbe-Hafen Aken in Sachsen-Anhalt (Zobel 1976) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt. 1906 und 1953 auch für Belgien angegeben (Verloove 2021).
 

Galium timeroyi

Westeuropäisch ist das Timeroy-Labkraut, Galium timeroyi, benannt zu Ehren des französischen Botanikers Marc Antoine Timeroy (1793−1856), der vor allem in der Umgebung von Lyon Pflanzen sammelte (Burkhardt 2018). Im Gebiet angegeben 1901 für den Mannheimer Hafen in Baden-Württemberg (Zimmermann 1910, Hand & Thieme 2023).
 

Quellen

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