Fuchsia

Fuchsie, Nachtkerzengewächs, Oenotheraceae

Gattung:

Fuchsia umfasst etwa 107 Arten (Kew 2023), die in Süd- und Mittelamerika und auf Neuseeland beheimatet sind. Mannigfaltigkeitszentren sind Peru, Ecuador und Kolumbien.
 

Fuchsia magellanica

Scharlach-Fuchsie,
Fuchsia magellanica (inkl. F. gracilis)  
Nachtkerzengewächs, Oenotheraceae

 

Steckbrief:

Bis 1,5 m hoher, sommergrüner Strauch mit schmal-eiförmigen, gestielten Blättern und gezähnten Blatträndern. Blüten einzeln oder paarweise achselständig auf langen Stielen hängend. Blüten vierzählig mit rotem Kelch und kürzerer, roter bis violetter oder weißer Krone. Frucht eiförmig, bis 2 cm lang, fleischig, schwarz, essbar. Blütezeit September bis Oktober.
 

Name:

Die Gattung ist zu Ehren des deutschen Arztes und Botanikers Leonhart Fuchs (1501−1566) benannt. Fuchs praktizierte und lehrte in Ingolstadt, München und als Leibarzt in Ansbach. Als Professor der Medizin war er hauptsächlich in Tübingen, wo er auch den Botanischen Garten gründete. Er schrieb über medizinische Pflanzen in seinen Kräuterbüchern 'De historia stirpium' bzw. 'New Kreütterbuch' als deutsche Ausgabe (Burkhardt 2018) und gilt als einer der Väter der Pflanzenkunde.
 

Heimat:

Südamerikanische Anden von Feuerland bis Zentralchile.
 

Nutzung:

Zierpflanze, in mehreren Sorten wie `Sharpitor´ (um 1873) und `Thompsonii´ (Bärtels & Schmidt 2014).
 

Ausbreitung:

Die Literatur berichtet über den englischen Gärtner James Lee, der auf der Fensterbank eines Seemannshauses F. magellanica gesehen haben und diese gekauft haben soll. 1793 soll Lee daraus bereits eine große Stückzahl vermehrt und verkauft haben (Munz 1943). Bereits 1796 wurden die ersten Exemplare dieser Art in der Nähe von Leipzig kultiviert.
Die meisten Fuchsienarten wurden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entdeckt und nach Europa gebracht. Wegen des Interesses, das Gärtner diesen Pflanzen entgegenbrachten, rüsteten größere Gärtnereien Expeditionen aus, um neben anderen Pflanzen auch neue Fuchsien zu entdecken. So wurde beispielsweise William Lobb von der Firma Veitch & Sons nach Südamerika gesandt. Der deutsche Botaniker Karl Theodor Hartweg sammelte von 1836 bis 1843 im Auftrag der Royal Horticultural Society in Mittelamerika und sandte unter anderem Fuchsia splendens und F. fulgens nach Europa. Mitte des 19. Jahrhunderts zählten die Botaniker bereits 64 Arten. 
Schon bald nach der Einführung der ersten Fuchsienarten setzte in Europa die Zucht ein. Fuchsia magellanica war dabei eine wichtige Ausgangsart. 1840 fand der Engländer John Gulliver einen Zufallssämling von F. magellanica mit weißen Petalen, der unter der Bezeichnung `Venus Victrix´ 1842 in den Handel gelangte und bis heute gelegentlich kultiviert wird. `Venus Victrix´ wurde in den nächsten 180 Jahren häufig zur Züchtung neuer Sorten verwendet und gilt als Mutter vieler weiß-violetter und weißer Fuchsien, so etwa der Sorte 'Hawkshead'. In den 1840er-Jahren setzte europaweit eine Begeisterung für die Fuchsien ein. 1844 erschien in Frankreich das erste Buch, das sich ausschließlich mit Fuchsien beschäftigte. Beschrieben sind darin bereits 300 Sorten. 1853 wurde die erste vollständig gefülltblühende Sorte gezüchtet. Einer der ersten deutschen Fuchsienzüchter war Gottlob Pfitzer. Die Fuchsienbegeisterung hielt in Europa bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Dann waren Obst und Gemüse gefragter und Heizmaterial für Glashäuser stand kaum zur Verfügung. Das Interesse an Fuchsien verlagerte sich nun nach Nordamerika. 1930 reiste eine dreiköpfige Delegation der American Fuchsia Society nach Großbritannien, um dort 51 Fuchsienarten und -sorten nach Kalifornien zu bringen. Zusammen mit dort bereits bestehenden Hybriden gehen viele berühmte amerikanische Sorten der 1940er und 1950er-Jahre auf diese Pflanzen zurück. Gegenwärtig gibt es etwa 10.000 Fuchsiensorten.
DEUTSCHLAND:
1927 für Bayreuth in Bayern (Hertel & al. 2008) und ehemals an Felskanten auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Theisinger & Hebbel 2022) angegeben. In der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024) wird die Art nicht genannt.
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021).

 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/verzeichnis_ eponymischer_pflanzennamen_2018_teil_1.pdf

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Hertel E., Breitfeld M., Horbach H.-D., Meve U., Lauerer M. & Aas G. (2008): Das Herbarium des Johannes Kaulfuß – eine bedeutende Wiederentdeckung – Ber.d.Bayer.Botan.Gesell. 78: 143–154.



Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Munz P. (1943): A Revision of the Genus Fuchsia (Onagraceae) - California Academy of Sciences

Theisinger D. & J. Hebbel (2022): Flora von Helgoland - Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg - NHG_Flora_Helgoland_2022.pdf (nhg-nuernberg.de)