Fritillaria

Kaiserkrone, Liliengewächs, Liliaceae

Gattung:

Fritillaria umfasst, inkl. Korolkowia, etwa 155 Arten (Kew 2023) auf der Nordhalbkugel mit Verbreitungsschwerpunkten in Zentral- und Südwestasien. Die Türkei beheimatet etwa 39 Arten, Nordamerika 20.
 

Fritillaria imperialis 

Kaiserkrone,
Fritillaria imperialis 
Liliengewächs, Liliaceae

 

Steckbrief:

50–130 cm hohe Mehrjährige mit Fuchsgeruch und lineal-lanzettlichen, quirlig angeordneten Blättern. Blüten zu 3–8 in Scheinquirl, hängend, oberhalb vom Blütenstand mit einem Blattschopf. Perigonblätter 4–6 cm lang, orange, gelb oder hellrot. Blütezeit April bis Mai.
 

Nutzung:

Zierstaude, in mehreren Spielformen im Pflanzen- bzw. Zwiebelhandel. Naturauslesen aus dem 17. Jahrhundert sind etwa die leuchtend gelbe `Lutea´, die orangerote `Rubra Maxima´ und die kräftig orange `Aurora´. Die dunkelbronzerot blühende `William Rex´ bereichert das Sortiment seit dem Jahr 1746. `Prolifera´ zeigt zwei Blütenkränze übereinander, `The Premiere´ orangegelbe Blüten und eine frühe Blütezeit und `Sunset´ orange Blüten ohne Fuchsgeruch, welcher durch ein schwefelhaltiges Terpen verursacht wird.
 

Ausbreitung:

Beheimatet in Südwest-Asien von Südost-Anatolien bis West-Nepal. Im Orient eine alte Gartenpflanze, die Mitte des 16. Jahrhunderts nach Italien kam. 1573 traf sie in Wien ein und kam dort im Garten des Kaisers Maximilian I. 1576 erstmals zur Blüte. Der in Wien tätige flämische Botaniker Carolus Clusius bemühte sich um ihre weitere Verbreitung, indem er Samen und Tochterzwiebeln an befreundete Botaniker und Pflanzenliebhaber weitergab, so etwa der Herzogin Hedwig von Braunschweig-Lüneburg oder dem Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel. Bis Ende des 16. Jahrhunderts war die Kaiserkrone bereits in etlichen besseren Gärten des Gebiets zu finden (Krausch 2003) und bildete im 16./17. Jahrhundert den Hauptschmuck der eleganten deutschen Gärten (Düll & Kutzelnigg 2022). In Großbritannien wurde F. imperialis erstmals im April 1605 im Londoner Garten von James Nasmyth, dem Arzt König James I., gesehen (Pavord 2005).
Für das Bürgertum erschwinglich wurde das Liliengewächs erst im 18./19. Jahrhundert und heute gilt die Kaiserkrone beinah schon als Bauerngartenpflanze.
Die Kaiserkrone tritt gegenwärtig im Gebiet vereinzelt verschleppt auf, so etwa in Robinienwäldern oder Windschutzstreifen.

 
DEUTSCHLAND:   
Ganz vereinzelt verschleppt, so bei Waldau, 1999 Münnerstadt, 1998 Dörflis, 1999 Ebelsbach und 1999 Tütschengereuth in Bayern und hier bisher in 17 Quadranten festgestellt (Breitfeld & al. 2017, Meierott 2008, Meierott & al. 2024), in Brandenburg (Hand & Thieme 2023), im Kurpark Bad Homburg in Hessen verwildert bis eingebürgert (Gregor & al. 2012), in Mecklenburg-Vorpommern seit 1990 mehrfach (Hand & Thieme 2023), Gliesmarode in Niedersachsen (Brandes 2003), ehemals in der Ludwigstraße in Paderborn in Nordrhein-Westfalen (Baruch 1922), 2014 bei Sohl im westlichen Sachsen (Breitfeld 2017), Merseburg-Querfurt in Sachsen-Anhalt (John & Stolle 2006), 2022 am Falckensteiner Strand in Kiel in Schleswig-Holstein (Hebbel 2023) und in Thüringen (Hand & Thieme 2023). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte 1979 (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
Sehr selten, so an drei Stellen bei Straßhof im niederösterreichischen Marchfeld am Rand von Schwarzföhrenforsten (Stöhr & al. 2007, Stöhr & al. 2009, Stöhr & al. 2012) und in einer Weinbergbrache bei Goggendorf nahe Hollabrunn und 2020 bei Mistelbach in Niederösterreich (Baldinger 2020), in Nussdorf-Debant in Osttirol (Stöhr 2020) und 2021 in der Oberen Lobau beim Donau-Oder-Kanal in Wien (Glaser & al. 2025, Gilli & al. 2024). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2004 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021).

 

Quellen

Baldinger (2020): Frühe Erstblüten - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=23&t=1937&start=120

Baruch (1922): Ergänzungen und Nachträge zur Flora von Paderborn – s0f8877c528d8ab45.jimcontent.com/download/

Brandes D. (2003): Die aktuelle Situation der Neophyten in Braunschweig. — Braunschw. Naturk. Schr. 6: 705–760.

Breitfeld M. (2017): Über einige erwähnenswerte Funde in Westsachsen. Besonders im Gebiet der Westabdachung des Erzgebirges in den Jahren 2014–2016 - Sächsische Floristische Mitteilungen 19: 3 – 14.

Breitfeld M., Hertel E., Horbach H.-D. & W. Wurzel (2017): Flora von Bad Berneck und Umgebung, die Pflanzenwelt zwischen Ochsenkopf und Maintal – 501 S.

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

Fukarek F. & Henker H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz Henker und Christian Berg, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.

Gilli C., Karlowski T., Barta T., Baumgartner C., Falkner H., Hofbauer M., Raabe U. & Reischütz A. 2024. Ein Massenvorkommen von Salvinia natans (Gewöhnlicher Schwimmfarn) und weitere Neu- und Wiederfunde von Farn- und Blütenpflanzen im Gebiet des Nationalparks Donau-Auen. Biodiversität und Naturschutz in Ostösterreich - BCBEA 8/1: 3–23.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gregor T., Hodvina S., Barth U., Bönsel D., Feuring C. & Übeler M. (2012):  Weiterführung der hessischen Florenliste -  Botanik und Naturschutz in Hessen 24, 71–105.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm



Hebbel J. (2023): Bemerkenswerte Neophytenfunde in Schleswig-Holstein (2018 –2022). – Kieler Notizen Pflanzenkd. 47: 115–159.

John H. & Stolle J. (2006): Wandlung der Flora durch Eingriffe des Menschen, dargestellt anhand aktueller Funde höherer Pflanzen in der Umgebung von Halle/Saale – Mitt. florist. Kart. Sachsen-Anhalt 11: 3–35.

Kew (2023): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Krausch H.-D. (2003): Kaiserkron und Päonien rot - Von der Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen – Dölling und Galitz-Verlag. 536 S.

Meierott L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Pavord A. (2005): The Naming of Names – The search for order in the world of plants, Bloomsbury, London, New York.

Stöhr O. (2020): Frühe Erstblüten 2020 - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=23&t=1937&p=9739#p9739

Stöhr O., Pilsl P., Essl F., Hohla M. & Schröck C. (2007): Beiträge zur Flora von Österreich, II – Linzer biol. Beitr. 39/1: 155–292.

Stöhr O., Pilsl P., Essl F., Wittmann H. & Hohla M. (2009): Beiträge zur Flora von Österreich, III – Linzer biol. Beitr. 41/2: 677–1755.

Stöhr O., Pilsl P., Staudinger M., Kleesadl G., Essl F., Englisch Th., Lugmair A. & Wittmann H. (2012): Beiträge zur Flora von Österreich, IV – Stapfia 97: 53–136.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be