Fraxinus

Esche, Ölbaumgewächs, Oleaceae

Gattung:

Fraxinus umfasst etwa 58 Arten (Kew 2022) mit Verbreitungsschwerpunkten in Nordamerika und China.
 

Fraxinus pennsylvanica  

Pennsylvanien-Esche,
Fraxinus pennsylvanica  
Ölbaumgewächs, Oleaceae

 

Steckbrief:

10–25 m (in der Heimat bis 35 m) hoher, zweihäusiger Baum mit im Alter aschgrauer bis brauner, grob-rissiger und tief gefurchter Rinde und meist behaarten Jungtrieben. Endständige Winterknospen spitz, deutlich länger als breit. Blätter gegenständig, unpaarig gefiedert, 20–40 cm lang. Fiederblättchen meist 7–9, kurz gestielt, 8–13 cm lang, beiderseits grün und besonders unterseits mehr oder weniger behaart. Herbstfärbung gelb. Blüte unscheinbar, bräunlichgrün. Früchte 3–5 cm lange, geflügelte Nüsse. Blütezeit April bis Mai.
Verwechslungsmöglichkeit: Die ähnliche Weiß-Esche, Fraxinus americana, hat unterseits weißlichgrüne Fiederblätter und endständige Winterknospen, die stumpf und breiter als lang sind.
 

Nutzung:

Zier-, Allee- und Forstbaum. In mehreren Sorten wie `Bergeson´ (1982), eine männliche Sorte mit breit eiförmiger Krone oder `Urbanite´ (1988), eine weibliche Sorte mit bronzeroter Herbstfärbung des Laubes (Bärtels & Schmidt 2014).
 

Ausbreitung:

Ende des 18. Jahrhunderts aus ihrer nordamerikanischen Heimat in Europa eingeführt und hier seit 1783 in Kultur, in Deutschland seit 1796 bekannt. Verwendung fand sie zunächst vor allem in Parks und Gärten, bevor sie in Auwäldern aufgrund ihrer hohen Überflutungstoleranz gepflanzt und forstlich genutzt wurde.
 
DEUTSCHLAND:
Die Rot-Esche, wie die Art auch genannt wird, galt bereits bei Schoch (1896) als weit verbreitet und in den Wörlitzer Forsten in Sachsen-Anhalt als „völlig eingebürgert“. Auch gegenwärtig vor allem in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Verbreitungsschwerpunkte sind der Berliner Raum, das Spree- und Havelgebiet, die Oderaue sowie das Gebiet der Mittleren Elbe und der Donau. Einzelfunde auch anderwärts, so etwa Stuttgart in Baden-Württemberg (Böcker & al. 2017), Mainufer bei Würzburg, 1997 bis 2008 von Altenufer bis Passau und etabliert an der Donau bei Günzburg in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024) und 2024 am Ufer des Biggesees in Olpe-Sondern in Nordrhein-Westfalen (BBV 2025).
ÖSTERREICH:
In Österreich vor allem im pannonischen Osten und sich hier besonders an Donau und March ausbreitend (Dister & Drescher 1987, Kleinbauer & al. 2010). Im Nationalpark Donauauen und in den Marchauen ist die Art mittlerweile häufig und bedroht dort naturnahe Lebensräume (Drescher & al. 2005). Sonst auch vereinzelt in Kärnten (FKÖ 2021), Krottensee bei Gmunden in Oberösterreich (Roithinger & al. 1995, Glaser & al. 2025) und 2020 bei Kuchl in Salzburg (Glaser & al. 2025, Pflugbeil in: Pachschwöll & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1965 (Glaser & al. 2025). Ehemalige Angaben für Nord- und Osttirol dürften irrig sein (Pagitz & al. 2023), die Art wird allerdings in der aktuellen Neophytenliste Österreichs (Glaser & al. 2025) für Osttirol angegeben.
SCHWEIZ:
Sehr vereinzelt, so in den Kantonen Basel-Stadt, St. Gallen, Waadt und Zürich (Infoflora 2024). Im Kanton Zürich erst in den letzten Jahren bei Uster festgestellt (Wohlgemuth & al. 2020).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 2005 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), in Tschechien (Pyšek & al. 2012, Seebens & al. 2017), seit 1994 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012), in Estland (Seebens & al. 2017), Polen (Seebens & al. 2017), seit 1969 in Rumänien (Seebens & al. 2017) und seit 1960 im europäischen Russland (Seebens & al. 2017). In Ungarn gehört Fraxinus pennsylvanica zu den häufigen und weit verbreiteten Neophyten (Botond & Botta-Dukat 2004). In ihrem nordamerikanischen Ursprungsgebiet hingegen gilt die Art als bedroht, da ihre Bestände durch den eingeschleppten Asiatischen Eschenprachtkäfer, Agrilus planipennis, dezimiert werden. Dieser Käfer breitet sich auch westlich von Moskau Richtung Mitteleuropa aus (Wohlgemuth & al. 2020).

 
Weitere Arten:

Fraxinus americana

Im östlichen Nordamerika ist die Weiß-Esche, Fraxinus americana, beheimatet. Sie kam 1724 nach Europa, wo sie im Gebiet selten als windfester Zier- und Forstbaum genutzt wird. Zu den wenigen Ziersorten gehören `Autumn Purple´ (1982), eine männliche Sorte mit purpurnem Herbstlaub und `Skyline´ (1981) mit orangerotem Herbstlaub (Bärtels & Schmidt 2014)
Vereinzelt tritt die Art subspontan auf, so 1909 in Heidelberg-Ziegelhausen für Baden-Württemberg angegeben (Zimmermann 1913, Hand & Thieme 2023), in Berlin (Seitz & al. 2012), Brandenburg (Hand & Thieme 2023), Leipzig-Leutzsch in Sachsen (Gutte 2002), in Niederösterreich und Wien (FKÖ 2022, Leopoldinger in Glaser & al. 2025). Eine ehemalige Angabe für Nordtirol ist irrig (Pagitz & al. 2023).
Subspontan u.a. seit 1924 im europäischen Russland (Seebens & al. 2017), seit 1990 in Litauen (Seebens & al. 2017) und seit 1986 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
In ihrer nordamerikanischen Heimat wurden mittlerweile rund 60 Millionen Weiß-Eschen vom Asiatischen Eschenprachtkäfer vernichtet, der in den 1980er- oder 1990er-Jahren vermutlich mit Verpackungsholz aus Asien eingeschleppt wurde. Der wirtschaftliche Schaden in der Dekade 2011 bis 2021 wird auf mehrere Milliarden US-Dollar geschätzt (Biological Control 2021).
 

Fraxinus chinensis

In Ostasien ist die Schnabel-Esche, Fraxinus chinensis, beheimatet. Die Art ist seit etwa 1881 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014). Sie wird selten als Ziergehölz genutzt, dann meist in der Sorte `Emmas Gold´ mit gelblichem Laubaustrieb. Subspontan wird sie im Gebiet für Berlin (Kowarik 1992) und Brandenburg (Kowarik 1992) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
 

Fraxinus latifolia

Im westlichen Nordamerika ist die Oregon-Esche, Fraxinus latifolia, beheimatet. Die Art ist seit etwa 1870 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014). Sie wird im Gebiet selten als Nutzholz verwendet und wird für Bayern subspontan angegeben (Hand & Thieme 2023). Die Art ist allerdings in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024) nicht beinhaltet.
 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Museums Wien.

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2025): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2024 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 16: 213-258.


BfN (2010): Fraxinus pennsylvanica. In: Neobiota – Gebietsfremde und invasive Arten in Deutschland – Bundesamt für Naturschutz. neobiota.bfn.de

Biological Control (2021): Emerald Ash Borer Information - Smaragd-Eschenbohrer | Biologische Kontrolle (emeraldashborer.info)

Böcker R., Hofbauer R., Maass I., Smettan H. & Stern F. (2017): Flora Stuttgart; 732 S.

Bomble W. (2014): Kritische und wenig bekannte Gefäßpflanzenarten im Aachener Raum III -  Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 6 13-21.

Botond M. & B. Botta-Dukat (2004): Biologai invaziok magyaroszaragon Ozonnovenyek. — Alapitavany Kiado, Budapest.

Dister E. & Drescher A. (1987): Zur Struktur, Dynamik und Ökologie lang überschwemmter Hartholzauenwälder an der unteren March (Niederösterreich). Verh. Ges. Ökol. 15: 295–302.

Drescher A., Fraissl C. & Magnes M. (2005): Nationalpark Donauauen. In: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft: Aliens. Neobiota in Österreich. Böhlau, wien. S. 222–254.

FKÖ (2021): Arbeits-Verbreitungskarten zum Atlas der Flora Österreichs - Projektdatenbank zur Floristischen Kartierung Österreichs.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


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Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

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Kleinbauer I., Dullinger S., Klingenstein F., May R., Nehring S. & Essl F. (2010): Ausbreitungspotenzial ausgewählter neophytischer Gefäßpflanzen unter Klimawandel in Deutschland und Österreich. BfN-Skripten 275: 76 S.



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Schmiedel, D. (2010): Fraxinus pennsylvanica in den Auenwäldern der Mittelelbe. Invasionsbiologie und ökologisches Verhalten im naturschutzfachlichen Kontext. Berl. Beitr. Ökol. 6: 1–206.

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Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

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Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.

Zimmermann F. (1913): 1. Nachtrag zur Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen– Pollichia 27-28: 1-44.