Ficus

Feige, Maulbeergewächs, Moraceae

Gattung:

Ficus umfasst etwa 856 Arten (Kew 2022), die in den Tropen und Subtropen fast weltweit beheimatet sind.
 

Ficus carica  

Echte Feige,
Ficus carica  
Maulbeergewächs, Moraceae

 

Steckbrief:

Bis etwa 4 m hoher, sommergrüner, milchsaftführender Strauch oder Baum mit grauer Rinde und großen, lang gestielten, wechselständigen Blättern. Blattspreite tief fünfteilig, mit wellig gezähnten, stumpfen Abschnitten und gerundeten Buchten, gelegentlich ungeteilt. Die zahlreichen weiblichen und männlichen Blüten befinden sich im Inneren der birnenförmig erweiterten, fleischigen Blütenstandsachse. Fruchtverband grün bis braunviolett. Blütezeit Mai bis August.
 

Nutzung:

Obstgehölz. Für die Gebiete nördlich der Alpen wurden sogenannte „Bergfeigen“ selektioniert, welche vegetativ durch Steckhölzer vermehrt werden und die Früchte ohne Fremdbestäubung bilden (Wohlgemuth & al. 2020). So etwa die Sorte `Violetta´, auch als Bayern-Feige bekannt, die schon seit gut 70 Jahren bekannt ist, aber erst 1997 benannt wurde (Bärtels & Schmidt 2014). Neben `Violetta´ zählen `Bianca´, `Schweizer Brünli´, `Brown Turkey´, auch als `Bella Brunetta´ bekannt und `Perretta´, die in Höhenlagen des Tessins gefunden wurde, zu den verbreiteten Sorten. Insgesamt werden über 600 Sorten von Common-, Smyrna- und San-Pedro-Feigen unterschieden. Durch Kombinationszüchtungen sind kälte- und nematodenresistente Sorten entstanden (Mansfeld 1986).
Feigen sind reich an Ballaststoffen, Mangan, Kalzium, Phosphor, Eisen und Vitamin B1.

 

Ausbreitung:

Die Echte Feige zählt zu den ältesten domestizierten Nutzpflanzen des Menschen, weshalb die genaue Herkunft kaum mehr feststellbar ist. Es wird das Mittelmeergebiet und Südwest-Asien, östlich bis Pakistan reichend, vermutet. Neun subfossile Frucht-Feigen aus der Zeit um 9400–9200 v. Chr. Wurden im frühneolithischen Dorf Gilgal im Jordantal nördlich von Jericho gefunden. Plinius der Ältere verzeichnete im 1. Jahrhundert n.Chr. 30 Feigen-Sorten (Lyle 2010). Nach Nordamerika kam die Echte Feige um 1560 durch die Spanier. Kalifornien erreichte sie 1769 in der selbstbestäubenden Sorte `Mission´ durch spanische Franziskanermissionare unter der Leitung von Junipero Serra (1713−1784). `Mission´ ist noch heute eine geläufige Sorte.
 
In warmen Landstrichen Mitteleuropas wird die Art zusehends häufig kultiviert, sehr selten verwildert oder verschleppt findet sie sich auf Erddeponien, Schuttstandorten, innerstädtischen Wärmeplätzen und verschwemmt an Fließgewässern (Mazomeit 2016). Feigen können in warmen Lagen Mitteleuropas zu größeren Sträuchern aufwachsen, bilden aber kaum reife Samen. Sie sind daher auf den Diasporen-Eintrag angewiesen. Da dieser, ähnlich wie bei der Tomate, v.a. über Abwasser und Kompost erfolgt, findet sich Ficus carica bevorzugt an Gewässerufern, Müll- und Erddeponien (Essl 2006). In Südtirol lokal eingebürgert.
 
DEUTSCHLAND:
U.a. in Mannheim in Baden-Württemberg (Junghans 2014, Mazomeit 2016), 2013 bis 2021 in Steinpackungen am Mainufer in Würzburg, bei Pocking, Trunstadt, Sonthofen und Kaufbeuren in Bayern (Hohla 2002, Meierott 2008, Dörr & Lippert 2001, Meierott & al. 2024), in der Innenstadt von Berlin (Seitz & al. 2012), in Hamburg (Poppendieck & al. 2010), Bad Soden und Wiesbaden-Biebrich in Hessen (Kasperek 2009, Streitz 2005), Braunschweig in Niedersachsen (Brandes 2003), Bochum-Wattenscheid, Nöttenstraße in Soest, Hauptbahnhof Bochum, Köln-Raderberg, Herne-Constantin, Wuppertal zwischen Barmen und Elberfeld, Düsseldorf, Köln-Ehrenfeld und zw. Elberfeld und Sonnborn in Nordrhein-Westfalen (BBV 2010, BBV 2013, BBV 2014, BBV 2016, BBV 2017), Prinzregentstraße und Gräfenaustraße in Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Mazomeit 1995, Hand & Thieme 2023), Saarland (Hand & Thieme 2023), bei der Festung Sonnenstein bei Pirna und in Leipzig in Sachsen (Hardtke & al. 2013, Gutte 2006), Sachsen-Anhalt (Hand & Thieme 2023), Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023) und Thüringen (Floraweb 2023). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte 1915 in München (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH: 
In allen Bundesländern (Fischer & al. 2008, Hofbauer 2005, Hartl 2007, Pagitz & al. 2023, Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1923 (Glaser & al. 2025). In Südtirol lokal eingebürgert.
SCHWEIZ: 
Hauptsächlich im Tessin, im Rhonetal des Wallis und im Genfer See-Gebiet, vereinzelt auch in anderen wärmeren Regionen, so im Kanton Aargau (Gasser & al. 2012), in Bubendorf im Oberbaselbiet im Kanton Basel-Landschaft (Lüthi 2018), u.a. in den Kantonen Basel-Stadt, Bern, Obwalden, St. Gallen, Thurgau, Uri (Infoflora 2024, Welten & Sutter 1982), bei der Ruine Manegg, in der Weinbergstraße, Rötelstraße, in Albisrieden und am Limmatweg in Zürich (Landolt 2001). Im Kanton Zürich aus 15 Quadranten bekannt. Bereits um 1920 subspontan in Zürich, Wädenswil und Männedorf genannt (Wohlgemuth & al. 2020).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), seit 1967 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Cabi 2024), in den Niederlanden (FLORON 2021), Bulgarien (Jalas & Suominen 1976), seit 1898 in Rumänien (Jalas & Suominen 1976, Cabi 2024), Serbien (Jalas & Suominen 1976), Nordmazedonien (Jalas & Suominen 1976), Albanien (Jalas & Suominen 1976), Montenegro (Jalas & Suominen 1976), Bosnien-Herzegowina (Jalas & Suominen 1976), Kroatien (Jalas & Suominen 1976), Slowenien (Jalas & Suominen 1976), seit 1928 in Polen (Cabi 2024), seit 1980 in Irland (Cabi 2024), in Großbritannien (Clement & Foster 1994), seit 1966 in Tschechien (Cabi 2024, Pyšek & al. 2012) und seit 1972 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 

Quellen

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