Ferula

Rutenkraut, Doldenblütler, Apiaceae

Gattung:

Ferula umfasst etwa 212 Arten (Kew 2022), die in Eurasien und Afrika heimisch sind. Mannigfaltigkeitszentrum ist Südwest-Asien.
 

Ferula communis

Echtes Rutenkraut, Riesenfenchel,
Ferula communis (inkl. F. glauca
Doldenblütler, Apiaceae

 

Steckbrief:

1–3 m hohe, beeindruckende Mehrjährige mit im Ø 3–7 cm starken Stängeln. Blätter mit großer, aufgeblasener Blattscheide, vielfach gefiedert, Blattabschnitte lineal, flach, 1,5–5 cm lang, 1–2 mm breit. Enddolde fast sitzend, umgeben von lang gestielten, unfruchtbaren Seitendolden. Hüllblätter fehlend, Hüllchenblätter hinfällig. Früchte elliptisch, ca. 1,5 cm lang, zusammengedrückt, mit seitlichen Flügeln. Blütezeit Mai bis Juni.
 

Nutzung:

Selten als Zierstaude oder als Arzneipflanze bei Verdauungsstörungen genutzt. Als deutsche Gartenpflanze bereits von Konrad Gessner 1561 erwähnt (Hegi 1975). Im Mittelmeergebiet wird das getrocknete Mark als Zunder verwendet, außerdem liefert die Art „Ammoniak-Gummi“, der in der Pharmazie und Technik verwendet wird (Jelitto & al. 1990). Die jungen Blütenstände können als „Wild-Brokkoli“ gegessen werden (Hegi 1975).
 

Ausbreitung:

Das Echte Rutenkraut ist im Mittelmeergebiet beheimatet, möglicherweise auch in Ostafrika. Es vermehrt sich ausschließlich generativ über Samen. Jungpflanzen brauchen einige Jahre, bis sie zur Blüte gelangen. Nach dem Jahr der Blüte werden die Pflanzen zunehmend schwächer. Im Gebiet tritt die Art bisher nur ganz vereinzelt auf.
 
DEUTSCHLAND:
1904 bis 1911 am Neckar bei Heidelberg in Baden-Württemberg verschleppt oder verwildert (Hegi 1975, Hand & Thieme 2023). Die Angabe von Fiedler (1944) von der Mitteldeutschen Großmarkthalle Leipzig findet hier keinen Eingang, weil es sich lediglich um Pflanzenteile im Verpackungsmaterial gehandelt hat.
ÖSTERREICH: 
In Bürmoos im Salzburger Flachgau beständig in einem Hausgarten eingeschleppt. Die Herkunft der Einzelpflanze ist unbekannt, da nach Auskunft der Gartenbesitzer Ferula communis hier niemals kultiviert wurde und zuletzt auch keine Mittelmeerreisen durchgeführt wurden, im Zuge derer eine Einschleppung möglich gewesen wäre (Stöhr & al. 2009). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2008 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
In den Kantonen Genf, mehrfach im Tessin und in der Waadt am Neuenburger See (Infoflora 2024).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1956 auch in Großbritannien (Seebens & al. 2017).

 

Quellen

Fiedler O. (1944): Die Fremdpflanzen an der Mitteldeutschen Großmarkthalle zu Leipzig und ihre Einschleppung durch Südfruchttransporte 1937-1942 – Hercynia 3 (7/8): 608-660.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hegi G. (1975): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 5 (Teil 2). 3.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 679−1584.

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

 



Jelitto L., Schacht W. & Feßler A. (1990): Die Freiland-Schmuckstauden – Ulmer Verlag Stuttgart, 4. Aufl. 683 S.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Stöhr O., Pilsl P., Essl F., Wittmann H. & Hohla M. (2009): Beiträge zur Flora von Österreich, III – Linzer biol. Beitr. 41/2 1677–1755.