Fedia

Fedia, Geißblattgewächs, Caprifoliaceae

Gattung:

Fedia umfasst etwa 3 Arten und ist vor allem im westlichen Mittelmeergebiet beheimatet. Von einigen Taxonomen wird Fedia innerhalb der Gattung Valeriana gesehen (z.B. Jacobs & al. 2010).
 

Fedia cornucopiae 

Füllhorn-Fedie,
Fedia cornucopiae (Syn.: Valeriana cornucopiae)
Geißblattgewächs, Caprifoliaceae

 

Steckbrief:

5–30 cm hohe, gabelig verzweigte, kahle und etwas fleischige Einjährige. Blätter gegenständig, spatelförmig, die unteren ganzrandig, die oberen gezähnt. Blüten meist paarweise kopfig vereinigt, ihre Stiele zur Fruchtzeit aufgeblasen. Krone purpurn, 8–16 mm lang, mit fünfzipfeliger, zweilippiger Röhre. Blütezeit März bis Juni. 
 

Nutzung:

Selten als Zier- und Gemüsepflanze (Algiersalat).
 

Ausbreitung:

Beheimatet im westlichen und zentralen Mittelmeergebiet. In Europa seit spätestens 1796 in gärtnerischer Kultur (Jäger & al. 2008), auch in Ziersorten wie `Candidissima´ mit weißen Blüten und `Floribunda Plena´ mit gefüllten, rosa Blüten. Der Verbreitungsmechanismus der Art ist effizient. In ihrer Heimat werden die Fruchtstände als „Bodenläufer“ vom Wind vertragen und dadurch die Diasporen verbreitet (Teubert 2013). Zusätzlich enthalten die Samen ein Ölkörperchen (Elaiosom), weswegen sie von Ameisen verschleppt werden. Ins Gebiet dürfte die Art vor allem durch Warentransporte aus dem Mittelmeerraum gekommen sein. Sie tritt selten und unbeständig vor allem in Güterbahnhöfen im Zuge von Südfruchtimporten eingeschleppt auf (Hegi 2008).
 
DEUTSCHLAND:
Selten und unbeständig, so 1932, 1935 und 1938 am Güterbahnhof Ulm in Baden-Württemberg (Müller 1957, Sebald & al. 1996, Hand & Thieme 2023), 1937 Entladegleise am Münchner Südbahnhof in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024), am Güterbahnhof Osnabrück in Niedersachsen (Weber 1995), 1927 am Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf und 1929 am Güterbahnhof Dortmund-Süd in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1930, Scheuermann 1930, Hand & Thieme 2023), Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2023) und 1937 und 1941 bei der Großmarkthalle Leipzig in Sachsen (Gutte 2006, Fiedler 1944).
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---

 

Quellen

Bonte L. (1930): Beiträge zur Adventivflora des rheinisch-westfälischen Industriegebietes. Verh. D. naturh. Ver. D. preuß. Rheinlande und Westfalens 86: 141−255.

Fiedler O. (1936): Die Fremdpflanzen an der Mitteldeutschen Großmarkthalle zu Leipzig 1932–1936 und ihre Einschleppung durch Südfruchttransporte – Hercynia 1: 124–148.

Fiedler O. (1944): Die Fremdpflanzen an der Mitteldeutschen Großmarkthalle zu Leipzig und ihre Einschleppung durch Südfruchttransporte 1937-1942 – Hercynia 3 (7/8): 608-660.

Gutte P. (2006): Flora der Stadt Leipzig, einschließlich Markkleeberg – Weißdorn-Verlag, Jena, 278 S.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hegi G. (2008): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 6 (Teil 2A). 2.Aufl. – Weißdorn-Verlag Jena.

Jacobs B., Bell C. & E. Smets (2010): Fruits and Seeds of the Valeriana Clade (Dipsacales): Diversity and Evolution - International Journal of Plant Sciences. 171 (4): 421–434.

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Spektrum, 874 S.



Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Müller K. (1957): Ulmer Flora – Mitteilungen des Vereins für Naturwissenschaften und Mathematik Ulm 25: 1-229.

Scheuermann R. (1930): Mittelmeerpflanzen der Güterbahnhöfe des rheinisch-westfälischen Industriegebiets – Verhandlungen des naturhistorischen Vereins der preussischen Rheinlande und Westfalen 86: 122. 

Sebald O., Seybold S, Philippi G. & Wörz A. (1996): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 6: Valerianaceae bis Asteraceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.

Teubert F.M. (2013): Diasporenökologie im Botanischen Garten der Universität Wien. Eine didaktische Analyse der fruchtbiologischen Pflanzengruppe mit Materialentwicklung – Diplomarbeit – http://ptjes-imovoe-ac-at/26701/1/2013-03-03_0609617.pdf

Weber H. (1995): Flora von Südwest-Niedersachsen und dem benachbarten Westfalen – H. Th. Wenner, Osnabrück.