Eschscholzia

Schlafmützchen, Mohngewächs, Papaveraceae

Gattung:

Eschscholzia umfasst etwa 15 Arten (Kew 2022), die alle in den südwestlichen USA und in Mexiko beheimatet sind. Mannigfaltigkeitszentrum ist Kalifornien.
 

Eschscholzia californica

Schlafmützchen,
Eschscholzia californica (inkl. E. crocea)  
Mohngewächs, Papaveraceae

 

Steckbrief:

10–40 cm hohe Einjährige bis kurzlebig Ausdauernde mit kräftiger Pfahlwurzel und grundständiger Blattrosette. Blätter blaugrün, dreifach-fiederteilig mit schmalen Blattzipfeln. Die beiden Kelchblätter umschließen anfangs die Blüte in Form einer altertümlichen Schlafmütze, sie werden beim Aufblühen der Kronblätter abgestreift und fallen ab. Kronblätter sich überlappend, leuchtend gelb bis orange. Blütezeit Juni bis Oktober.
 

Name:

Die Gattung ist zu Ehren des deutsch-baltischen Naturforschers Johann Friedrich Gustav von Eschscholtz (1793−1831) benannt, der zusammen mit Adelbert von Chamisso an der Rurik-Expedition (1815−1818) teilnahm und im Zuge derer zahlreiche wissenschaftliche Neuerungen festhielt. Eschscholtz war Professor für Anatomie und Direktor des zoologischen Museums in Dorpat (dem heutigen Tartu in Estland). Er befasste sich speziell mit Insekten, schrieb für Kotzebues Bücher über seine Weltreisen die naturwissenschaftlichen Beiträge und gab selbst einen 'Zoologischen Atlas' heraus. Die nach ihm benannten Eschscholtz-Inseln wurden 1946 als Bikini-Atolle umbenannt (Burkhardt 2018).
 

Nutzung:

Zierpflanze, in mehreren Sorten wie `Apricot Chiffon´ oder `Ivory Castle´. In kühlen und trockenen Gebieten wächst sie einjährig, in günstigeren Gebieten mehrjährig. In Nordamerika in Mischungen mit anderen Pflanzen zur Festigung von Sandböden kultiviert (Mansfeld 1986). Auch als Arzneipflanze ist das Schlafmützchen von Interesse. So hat das Unternehmen Boehringer Ingelheim ein Patent zur Nutzung der Pflanze als pharmazeutische Droge zur Behandlung von Depressionen angemeldet (Böhringer Ingelheim 2000). In der Schweiz sind Kapseln mit einem Pulver aus dem Kraut der Pflanze im Handel: Arkocaps® Escholtzia, Phytopharma® Escholtzia (PharmaWiki).
 
Anmerkung: Der „Kalifornische Mohn“ wurde 1903 offiziell zur Staatsblume von Kalifornien. Seine goldenen Blüten sollen den „Golden State“ symbolisieren und am 6. April wird der „California Poppy Day“ gefeiert.
 

Ausbreitung:

Der deutsche Dichter und Botaniker Adelbert von Chamisso fand 1816 im Zuge einer Weltumsegelung im Hafen von San Franzisco das Schlafmützchen. Er nahm Samen mit in seine Berliner Heimat und schloss seine Erstbeschreibung 1820 mit den Worten „Hoffentlich wird sie in unseren Gärten Aufnahme finden“ ab. So war es auch, denn bereits 1837 galt die Pflanze in den deutschen Gärten als weit verbreitet. 1830 wurde sie auch vom britischen Gärtner und Botaniker David Douglas auf seiner zweiten Amerikareise gefunden und nach England eingeführt. Hier entwickelte sich eine besonders intensive Züchtung verschiedener Sorten (Krausch 2007, Bossardt 2012). Eine weitere Ausbreitung fand die Art durch den kalifornischen Goldrausch von 1848 bis 1854. Unbewusst verschleppten die Goldgräber Samen der Pflanze in ihre jeweilige Heimat.  
Die Art ist recht häufig in Blumenwiesenmischungs-Ansaaten enthalten, so in der Austrosaat-Blumenmischung „Paradiesgarten“ (Austrosaat 2018) und kann daraus verwildern. Gegenwärtig fast im gesamten Gebiet unbeständig auftretend.

 
DEUTSCHLAND:
Sehr zerstreut in allen Bundesländern mit Verbreitungsschwerpunkten in der Rheinebene von Rheinland-Pfalz und im nördlichen Bayern (Floraweb 2013). Sonst vereinzelt, so Mannheim in Baden-Württemberg (Junghans 2014), Kaufering und beim Waltenhofner Moor in Bayern (Hetzel 2006, Dörr & Lippert 2001), Hessen (Müller & al. 2021), Mecklenburg-Vorpommern (Müller & al. 2021), Bienrode und Lehndorf bei Braunschweig, im Hafen Osnabrück und in Itterbeck im Kreis Grafschaft Bentheim in Niedersachsen (Brandes 2003, Weber 1995), Bochum-Querenburg, Witten-Annen, Köln, Kamen, Dortmund-Hörde, Olpe und Bergkamen in Nordrhein-Westfalen (Haeupler 2012, Jagel 2013, Sumser & al. 2015, BBV 2017, BBV 2022), Strohn in der Osteifel und 1992 beim Harschwegweiher in Oppau in Rheinland-Pfalz (Hand & al. 2016, Mazomeit 1995), Leipzig in Sachsen (Gutte 2006), Törten in Sachsen-Anhalt (Willing & Willing 2014), auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Theisinger & Hebbel 2022) und Thüringen (Zündorf & al. 2006).
ÖSTERREICH:
In fast allen Bundesländern gelegentlich unbeständig, so im Mittelburgenland (Gilli & al. 2022), Kärnten (Glaser & al. 2025), in Zwentendorf in Niederösterreich (Bernhardt & al. 2013), 2001 in Steyr und St. Martin im Innkreis in Oberösterreich (Essl 2002, Hohla 2010), Salzburg (Glaser & al. 2025), in der Steiermark bei Eibiswald (Glaser & al. 2025), Nordtirol (Pagitz & al. 2023) und in Osttirol bei Virgen und Debant (Brandes 2015, Stöhr 2017) und 2018 in Bezau im Bregenzerwald und 2023 am Friedhof Dornbirn in Vorarlberg (Hohla & Kiràly 2024). In Wien seit den 1930er-Jahren bekannt (Forstner & Hübl 1971, Janchen 1977, Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1935 (Glaser & al. 2025). in Südtirol u.a. unbeständig bei Terlan (Wilhalm & al. 2007).
SCHWEIZ:
Vielfach, so in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Basel-Stadt, Bern, Genf, Graubünden, Luzern, Neuenburg, Tessin, Thurgau, Uri, Waadt, Wallis und Zug (Infoflora 2024). Im Kanton Zürich ab 1994 in der Stadt Zürich, so etwa beim Bahnhof Hardbrücke und in Dietlikon, Dielsdorf und am Greifensee bei Egg (Landolt 2001, Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1888 auch in Belgien (Verloove 2021), in Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), Spanien (Jalas & Suominen 1991), Großbritannien (Clement & Foster 1994), Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1978 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 

Quellen

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