Epimedium

Elfenblume, Berberitzengewächs, Berberidaceae

Gattung:

Epimedium ist eine Gattung, bestehend aus etwa 64 relativ kleinräumig verbreiteten Arten (Kew 2022). Die meisten Vertreter sind im Mittelmeerraum und im gemäßigten Asien beheimatet, östlich bis China und Japan. Mannigfaltigkeitszentrum ist das südöstliche China. Einige der Arten werden als Zierpflanzen kultiviert. Stearn (1989) zählt 18 gartenbaulich relevante Arten und Hybriden auf.
 

Epimedium pinnatum 

Fieder-Elfenblume,
Epimedium pinnatum 
Berberitzengewächs, Berberidaceae
 

Steckbrief:

15–35 cm hohe, langlebige Staude mit behaarten Stängeln und Blattstielen. Stängelblätter fehlen, Grundblätter mit 3–5 Blättchen, diese stachelig gezähnt bis ganzrandig, jung behaart und oft purpurbraun überlaufen, später verkahlend. Blüten in lockeren Rispen, aus 4 äußeren Kelchblättern, 4 gelben inneren Kelchblättern und 4 gelben Kronblättern bestehend. Innere Kronblätter mit einem kurzen, braunen Sporn. Staubblätter frei. Blütezeit April bis Mai.
 

Nutzung:

Zierstaude, vorrangig als Bodendecker, in wenigen Sorten wie `Black Sea´. Die Unterart colchicum wurde mit dem „Award of Garden Merit“ ausgezeichnet.
 

Ausbreitung:

Beheimatet in der Unterart colchicum im westlichen Kaukasusgebiet und im nordöstlichen Anatolien, in der Nominatform pinnatum im östlichen Kaukasus und im Nordiran. Seit spätestens 1842 in Gartenkultur bekannt (Jäger & al. 2008). Breitet sich über Rhizome aus, Fernausbreitung vor allem durch Gartenauswurf. Möglicherweise handelt es sich bei einem Teil der Fundangaben um E. ×perralchicum (= E. perralderianum × E. pinnatum), die häufiger kultiviert wird.
DEUTSCHLAND: 
1970 in Eglofstal bei Wangen und Langenargen in Baden-Württemberg (Dörr 1970, Dörr 1980, Hassler & Muer 2022), in Bayern unbeständig bei Bad Füssing und Alzenau und ehemals eingebürgert nahe dem Schloss Syrgenstein bei Lindau, wo mittlerweile durch Überwuchern erloschen (Hohla 2015, Dörr & Lippert 2001), Göttingen in Niedersachsen (Dickoré & al. 2009), in Nordrhein-Westfalen (Hassler & Muer 2022) und 2020 am Hohen Pöhl bei Wiedersberg in Sachsen (Breitfeld & al. 2021).
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ:
In den Kantonen Aargau, Basel, Bern, bei Landquart in Graubünden, in den Kantonen Neuenburg, St. Gallen, Tessin, Waadt (Infoflora 2024) und mehrfach in Zürich, so im Wald am Osthang des Bühls, Moosholzweiher gegen Peterstobel, Sagentobel am Weg gegen den Tobelhof und am Waldrand in Eichhalde (Landolt 2001). Ab dem Jahr 2000 im Kanton Zürich zusätzlich in den Gebieten Sihltal, Albis und Knonauer Amt (Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. 2012 auch in Belgien (Verloove 2021), in Norwegen (Gederaas & al. 2012), in den Niederlanden (FLORON 2021), in Großbritannien (Clement & Foster 1994) und Dänemark (Jonsell 2001).
 

 
Weitere Arten:

Epimedium grandiflorum

In Japan ist die Großblütige Elfenblume, Epimedium grandiflorum, beheimatet. Sie wird in der heimischen Gartengestaltung in mehreren Sorten wie `Elfenkönigin´ oder `Lilafee´ genutzt. 
Die Sorten `Nanum´, `Rose Queen´ und `White Queen´ haben den „Award of Garden Merit“ bekommen. Die Art enthält Icariin, dem erektogene Eigenschaften nachgesagt wird und so in Nahrungsergänzungsmitteln für Männer enthalten ist (Shindel & al. 2010)
Im Gebiet subspontan angegeben 1993 für den Stadtrand Stuttgart-West in Baden-Württemberg (Nagel 1995) und 1909 für den Friedhof Wachenheim in Rheinland-Pfalz (Nickol 1995). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
 

Epimedium ×perralchicum

Die Frohnleitner Elfenblume, Epimedium ×perralchicum ist die Hybride aus der Algerischen Elfenblume, E. perralderianum, mit der Fieder-Elfenblume, E. pinnatum subsp. colchicum
Sie ist fast ausschließlich als Sorte `Frohnleiten´ im Pflanzenhandel, ein sämlingsvermehrter Klon, der im Alpengarten Maier-Mellnhof in Frohnleiten in der Steiermark von Frau von Stein/Zeppelin ausgelesen wurde und von Ernst Pagels ins Elfenblumen-Standardprogramm gebracht wurde. 
Subspontan konnte sie bei Eitlöd im Kurwald Bad Füssing in Bayern (Meierott & al. 2024) und 2021 am Rand eines Forstweges bei Schnellberg, Gemeinde Maria Schmolln in Oberösterreich, gefunden werden (Hohla 2022). Die Sippe ist in der aktuellen Neophytenliste für Österreich (Glaser & al. 2025) nicht enthalten. Subspontan auch in den Niederlanden (FLORON 2021) und in Großbritannien (Clement & Foster 1994).
 

Epimedium perralderianum

Im Nordosten Algeriens ist die Algerische Elfenblume, Epimedium perralderianum, beheimatet. Sie ist vom französischen Botanikers Ernest Saint-Charles Cosson (1819−1889) in Erinnerung an seinen Freund Henri-René le Tourneux de la Perraudiére (1831−1861) benannt, der 1861 auf einer Expedition zum Mont Babor in Algerien, bei der die Art entdeckt wurde, an den Folgen eines Fiebers starb.
Die Art wird seit spätestens 1867 (Jäger & al. 2008) als wintergrüner Bodendecker kultiviert und fand sich im Gebiet unbeständig verwildert 2017 in einem Auwald in München-Grünwald in Bayern (Dickoré & Dickoré 2019, Meierott & al. 2024) und lokal etabliert 2012 in Niddatal Frankfurt in Hessen (König 2012).
 

Epimedium ×rubrum

Die Rote Elfenblume, Epimedium ×rubrum, ist eine gärtnerische Hybride aus der südeuropäischen Südalpen-Elfenblume, E. alpinum, und der japanischen Großblütigen Elfenblume, E. grandiflorum
Sie wird als langlebiger Bodendecker für den Halbschatten genutzt, auch in Sorten wie `Galadriel´. 
Subspontan 2021 in der Spardorfer Straße im Meilwald Erlangen in Bayern (Meierott & al. 2024) und in Osttirol (Pagitz & al. 2023).

 

Epimedium ×versicolor

Gärtnerisch genutzt wird auch die Schwefelgelbe Elfenblume, Epimedium ×versicolor, eine Gartenhybride aus E. grandiflorum aus Japan und E. pinnatum aus dem weiten Kaukasus-Gebiet. 
Sie wird in Sorten wie `Cupreum´ oder `Sulphureum´ kultiviert.
Sehr selten subspontan, so 1986 Haar-Jagdfeld in Bayern (Meierott & al. 2024) und 2014 Hellbrunn in der Stadt Salzburg (Wittmann & Pflugbeil 2017, Glaser & al. 2025).
 

Epimedium ×warleyense

Die Warley-Elfenblume, Epimedium ×warleyense, ist eine gärtnerische Hybride, entstanden aus Südalpen-Elfenblume, E. alpinum, und Fieder-Elfenblume, E. pinnatum. Sie findet sich in mehreren Sorten, vor allem aber in der von Ernst Pagels selektionierten `Orangekönigin´ und in der Sorte `Ellen Willmott´, die im Garten von Ellen Ann Willmott entstand, im Pflanzenhandel. Der Hybridname ist nach dem englischen Ort Warley benannt, wo die Gärtnerin Ellen Willmott ihren Garten hatte. Verschleppt konnte die Pflanze 2021 am Langenbrucker Weg in der Ortschaft Weiher in Bayern gefunden werden (Meierott & al. 2024).
 

Quellen

Breitfeld M., Hertel E. & Baumann A. (2021): Flora Adventiva – Eine Zusammenstellung der in Deutschland nachgewiesenen Pflanzen, welche nicht in den Bestimmungswerken erwähnt werden; Markneukirchen, 677 S.

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Dickoré W. B. & Dickoré (2019): Neufunde und Bestätigungen von Gefäßpflanzen, überwiegend aus dem südbayerischen Moränengürtel – Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 89: 265-285.

Dickoré W.B., Lewejohann K. & Urner R. (2009): Neufunde, Bestätigungen und Verluste in der Flora von Göttingen (Süd-Niedersachsen) – Florist. Rundbriefe 42: 5–59.

Dörr E. (1970): Ergebnisse der Allgäu-Floristik für das Jahr 1970 – Naturkundliche Beiträge aus dem Allgäu 14(2): 23-38.

Dörr E. (1980): Flora des Allgäus – Ber. Bayer. Bot. Ges. 51: 57–108, München.

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Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

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Rothmaler W. (2008): Exkursionsflora von Deutschland, Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen – Springer-Verlag, Berlin. 880 S.

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