Eleocharis

Sumpfried, Riedgras, Cyperaceae

Gattung:

Eleocharis umfasst etwa 296 Arten (Kew 2022) und ist fast weltweit verbreitet. Artenreich sind u.a. Brasilien, Argentinien und Australien.
 

Eleocharis engelmannii  

Engelmann-Sumpfried,
Eleocharis engelmannii  
Riedgras, Cyperaceae
 

Steckbrief:

10−25 cm hohe, büschelig wachsende Einjährige mit zahlreichen, straff aufrechten Sprossen. Stängel bis ca. 1 mm im Durchmesser, fein gestreift. Ährchen bis ca. 1 cm lang, vielblütig, konisch-zylindrisch, an der Basis mit zwei jeweils halbstängelumfassen­den Tragblättern. Tragblätter elliptisch bis verkehrt-eiförmig, bis ca. 1,7 mm lang und 1 mm breit, stumpf, mit breitem Hautrand und ± dreieckigem, hellbraunem Mittelteil mit grünem Mittelnerv. Frucht verkehrt-eiförmig, bis 1 mm lang und 0,6 mm breit, abge­flacht linsenförmig. Blütezeit Juli bis August.
Verwechslungsmöglichkeit: Eleocharis ovata wächst im Unterschied zu E. engelmannii eher breit ausladend bis halb­kreisförmig, ihre randlichen Sprosse sind eher schief aufsteigend bis fast niederliegend, ihre Ährchen sind kürzer, eiförmig, die Tragblätter schmaler, elliptisch-eiförmig, mit schma­lerem Hautrand, die Griffelbasis ist schmaler, erreicht nur bis maximal 2/3 der Fruchtbreite.
 

Name:

Die Art ist benannt zu Ehren des deutsch-US-amerikanischen Arztes und Botanikers Georg Theodor Engelmann (1809−1884). Engelmann wanderte nach dem Studium in die USA aus, praktizierte ab 1835 als Arzt in St. Louis und war später ab etwa 1860 nur noch Botaniker und Pflanzensammler, bereiste dazu die USA ausgiebig, schickte selbst Pflanzensammler aus wie Ferdinand Jacob Lindheimer und ordnete die Sammlungen mehrerer befreundeter Botaniker. Engelmann legte einen Privatgarten für den US-amerikanischen Kaufmann und Philanthropen Henry Shaw an, aus dem dann der 'Missouri Botanical Garden' entstand. Er schrieb über 100 botanische Schriften und Monografien, z.B. über Koniferen, Yucca und Kakteen (Burkhardt 2018).
 

Heimat:

Nordamerika.
 

Nutzung:

Keine.
 

Ausbreitung:

Vielleicht u.a. mit Schlamm auf militärischen Geräten der US-Armee eingeführt. Die Art könnte auch als E. ovata deklariert mit Gärtnereiware ausgebracht werden (Meierott & al. 2024).
DEUTSCHLAND:
Auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz der US-Armee in Waldheide bei Heilbronn in Baden-Württemberg (Plieninger 2001), 2017 in einem Regenrückhaltebecken an der A3 nahe Waldbrunn im Landkreis Würzburg in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024) und in Nordrhein-Westfalen (Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2015, Verloove 2021) und in den Niederlanden (FLORON 2021).
 
Weitere Arten:

Eleocharis obtusa

Das Stumpfe Sumpfried, Eleocharis obtusa, ist in Nordamerika beheimatet, dort weit verbreitet und findet sich im Gebiet sehr selten subspontan, möglicherweise verbreitet über den Pflanzenhandel. Die Art ähnelt sehr stark dem heimischen Eiförmigen Sumpfried, E. ovata, und wird mit diesem auch verwechselt. Ein Vorkommen in den Salmenwiesen in Karlsruhe-Rüppurr in Baden-Württemberg wurde lange Zeit als E. ovata betrachtet, aber neuerdings als E. obtusa erkannt (Hassler 2021). Weiters im Taunus in Hessen (Gregor & Wittig 2021) und in Nordrhein-Westfalen (Hand & Thieme 2023). In der Schweiz mehrfach, so in den Kantonen Aargau, Bern, Genf, Jura, Tessin, Thurgau, Waadt und Zürich (Infoflora 2024). Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2015, Seebens & al. 2017) und 1956 in Portugal (Seebens & al. 2017).
 

Eleocharis tenuis

Das ebenfalls nordamerikanische Schmale Sumpfried, Eleocharis tenuis, tritt im Bereich des Chiemsees zwischen Landertsham und Engering in Bayern lokal eingebürgert auf (Gregor & al. 2004), genauer 2002 bei Seeon nahe Engering und 2016 in der Farchanter Viehweide bei Oberau (Meierott & al. 2024). Das Vorkommen bei Seeon hat sich seit seiner Entdeckung vergrößert (Meierott & al. 2024). Möglicherweise ist die Art im Zuge einer Ausbringung von amerikanischem Saatgut eingebracht worden. Sonst konnte sie in Europa noch nicht festgestellt werden (Gregor & al. 2004).
 

Quellen

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen_2018_teil_1.pdf

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gregor T., Niederbichler B. & Smith M. (2004): Eleocharis tenuis (Willd.) Schultes var. pseudoptera (Weath.) Svenson (Cyperaceae) in der Umgebung des Chiemsees – Ber.Bayer.Bot.Ges. 73/74: 125-128.

Gregor T. & Wittig R. (2021): Eleocharis obtusa neu für Hessen. – Bot. Naturschutz Hessen 33: 167 – 171.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. (2021): Flora des Landkreises Karlsruhe. Bildatlas und Datenbank. Version 4.16; Stand 13.7.2021

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

 



Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Plieninger W. (2001): Ein Fund von Eleocharis engelmannii Steudel bei Heilbronn - Ber.Bot.Arbeitsgem. Südwestdeutschland 1: 47-52

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Verloove F. (2015): Eleocharis engelmannii and E. obtusa (Cyperaceae), two recent acquisitions from series Ovatae in Belgium. – Dumortiera 107: 25 – 30.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be