Elaeagnus

Ölweide, Ölweidengewächs, Elaeagnaceae

Gattung:

Elaeagnus umfasst etwa 93 Arten (Kew 2024) in Eurasien, Nordamerika und Nordost-Australien mit den allermeisten Arten in Asien. Mannigfaltigkeitszentrum ist China mit um die 70 Arten. In Nordamerika ist nur eine Art, E. commutata, beheimatet. Etwa acht Arten werden in Europa als Zierpflanzen kultiviert (Barnes & Whiteley 1997)
 

Elaeagnus angustifolia  

Schmalblättrige Ölweide,
Elaeagnus angustifolia  
Ölweidengewächs, Elaeagnaceae

 

Steckbrief:

Bis 8 m hoher und 6 m breiter, unregelmäßig aufgebauter Großstrauch oder Kleinbaum. Äste steil bis schräg aufwärts gerichtet, mit dornigen Zweigen. Blätter silbrig, lanzettlich, 8–25 mm breit, unterseits silbrig, lange haftend. Blüten klein, außen silbrig, innen gelb, stark duftend. Früchte mehlig-fleischig, essbar. Blütezeit Mai.
Verwechslungsmöglichkeit: Die ähnliche Silber-Ölweide, Elaeagnus commutatus, ist dornenlos, hat 20–45 mm breite Laubblätter, die beiderseits silbrig sind und trockene, mehlige Früchte.
 
Anmerkung: Die Art lebt wie viele andere Ölweiden-Arten in Symbiose mit Bakterien, die in der Lage sind, den Luftstickstoff zu binden und für die Pflanze aufnehmbar zu machen.
 

Nutzung:

Zier-, Duft- und Obstgehölz, als Windschutz und Böschungsfestiger, Bienenweide und für die Parfümindustrie. Im Orient werden die getrockneten Früchte gegessen. Wegen ihrer Robustheit gegenüber den spezifischen Standortsbedingungen an Autobahnmittelstreifen zunehmend gepflanzt. Die Art ist salztolerant, windfest, rauchhart, trockenheitsresistent und hitzeverträglich (Bruns 2009).
 

Ausbreitung:

Beheimatet in Zentralasien. Im 16. Jahrhundert im Mittelmeergebiet eingeführt und von dort nach Mitteleuropa gekommen. Aus den Niederlanden ist ihre Kultur seit dem Jahr 1594 nachgewiesen, aus England seit 1633 (Zwijgers 2014). An der Küste als Pioniergehölz angepflanzt und dort, wie auch an sandigen Ruderalstellen, etwa in Tagebauen, verwildert bis eingebürgert (Düll & Kutzelnigg 2022). Nach Nordamerika um das Jahr 1800 gebracht und dort lokal invasiv. Gegenwärtig im Gebiet vielerorts subspontan, lokal auch eingebürgert. 
 
DEUTSCHLAND:
Erste Verwilderungen sind 1883 aus Brandenburg (Büttner 1883) und 1907 aus Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005) bekannt. In der Bergbaufolgelandschaft des Osterlandes in Thüringen in Einbürgerung begriffen (Zündorf & al. 2006). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte nach 1980 (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
Besonders im pannonischen Gebiet Ost-Österreichs, häufig im burgenländischen Seewinkel, aber auch in Nord- und Osttirol (Pagitz & al. 2023). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1971 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Ganz vereinzelt, so ehemals in Basel, in den Kantonen Bern, Genf, Thurgau, Wallis und Zürich (Infoflora 2024).


 
 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 1939 auch in Belgien (Verloove 2021), seit 1894 in Frankreich (Seebens & al. 2017), seit 1955 in Albanien (Seebens & al. 2017), seit 1910 in Lettland (Seebens & al. 2017), in Polen (Seebens & al. 2017), seit 1898 in Rumänien (Seebens & al. 2017) und in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
Weitere Arten:

Elaeagnus commutata

Als Zier- und Obstgehölz wird die nordamerikanische Silber-Ölweide, Elaeagnus commutata (Syn.: E. argentea) kultiviert. Die Art ist seit spätestens 1813 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014). Aufgrund ihrer starken Wurzelausläufer eignet sie sich zur Befestigung von Dünen. Sie ist trockenheitsverträglich, windfest, hitzebeständig und erträgt längerfristige Überschwemmungen (Bruns 2009). Die meistverwendete Sorte `Zempin´ (1969) ist eine Auslese von der Ostsee. `Quicksilver´ ist eine Hybride mit E. angustifolia (Bärtels & Schmidt 2014). Die vollreifen, mehligen Früchte werden roh oder gekocht gegessen.
Im Gebiet zuweilen verwildert, so 2008 auf einer Bauschuttdeponie bei Feucht und 2009 in der Fröttmaninger Heide bei München in Bayern (Meierott & al. 2024), mehrfach in Berlin (Seitz & al. 2012), bei Plessenruh nahe Templin und Potsdam in Brandenburg (Hegi 1975, Hand & Thieme 2023), zwischen Bansin und Heringsdorf in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), bei Geistingen, Bad Honnef und Bad Godesberg in Nordrhein-Westfalen (Gorissen 2015), Probstheida und Großdeuben bei Leipzig in Sachsen (Gutte 2006), Magdeburg in Sachsen-Anhalt (Hegi 1975, Hand & Thieme 2023), auf Helgoland und Niendorf bei Lübeck in Schleswig-Holstein (Theisinger & Hebbel 2022, Hegi 1975) und Industriebrachen in Wien (Radler & Punz 1999). Die Angabe für Wien ist vage gehalten und fraglich und wird auch in der aktuellen Neophytenliste Österreichs (Glaser & al. 2025) nicht wiedergegeben. Eine ehemalige Angabe für Nordtirol ist irrig (Pagitz & al. 2023).
Subspontan u.a. seit 1920 auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), seit vor 1934 in Schweden (Seebens & al. 2017), in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1974 in Tschechien (Pyšek & al. 2012), in Estland (Seebens & al. 2017), seit 1960 in Litauen (Seebens & al. 2017) und seit 1995 in Großbritannien (Seebens & al. 2017).
 

Elaeagnus multiflora

In Ostasien ist die Vielblütige Ölweide, Elaeagnus multiflora, beheimatet. Die Art ist seit spätestens 1862 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014) und wird im Gebiet selten als Obst- und Ziergehölz in wenigen Sorten wie `Sweet Scarlet´ oder `Red Cherry´ genutzt. Sie ist widerstandsfähig gegenüber Hitze, Trockenheit und Wind und wird als Pioniergehölz zur Festigung von Dünen und Böschungen verwendet (Bruns 2009). Aus den saftigen Steinfrüchten lässt sich Marmelade oder Gelee herstellen. Im Gebiet selten verwildert, so angegeben für Kunigundenruh bei Bamberg in Bayern (Harz 1914) und bei Recke im Kreis Steinfurt in Nordrhein-Westfalen (Adolphi & Terlutter 2015). Die Art ist in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024) nicht angegeben. Subspontan u.a. 2005 auch in Belgien (Verloove 2021).
 

Elaeagnus pungens

Die ostasiatische Dornige Ölweide, Elaeagnus pungens, wird in wärmebegünstigten Lagen als Zier- und Obstgehölz in mehreren Sorten wie `Aurea´ (1864), `Fredericii´ (1888) oder `Maculata´ kultiviert. Die Früchte sind roh oder gekocht essbar. Die Samen schmecken erdnussartig. Nach Europa kam die Pflanze durch Philipp Franz von Siebold (1796−1866), nach Nordamerika kam sie um 1830, wo sie im Landschaftsbau und später als Begleitgrün von Autobahnen Einsatz fand. Die Verwendung als Straßenbegleitgrün hat sich allerdings als vielfache Todesfalle für Vögel wie etwa die Seidenschwänze, welche Ölweidenfrüchte mögen, entpuppt. Lokal gilt die Art in den USA als invasiv, so etwa in Florida.
Im Gebiet tritt sie nur örtlich subspontan auf, so bei Algund, Meran, Lana und Burgstall in Südtirol (Wilhalm & al. 2004). In Infoflora (2024) mit Fundpunkten im Kanton Genf, ehemals im Kanton Solothurn, im südlichen Tessin, bei Lausanne im Kanton Waadt und im Kanton Zürich (Infoflora 2024). Subspontan davon sicher nur im Tessin. Subspontan u.a. 2012 und 2013 auch in Belgien (Verloove 2021), seit 1945 in Slowenien (Seebens & al. 2017) und seit 1950 in Großbritannien (Seebens & al. 2017).
 

Elaeagnus ×submacrophyllus

Die Ebbinge-Ölweide, Elaeagnus ×submacrophyllus (Syn.: E. ×ebbingei) ist eine gärtnerische Hybride aus E. macrophylla × E. pungens, die 1928 in Den Haag in den Niederlanden entstand und 1939 von Doorenbos in den Handel gebracht wurde. Der synonyme Hybridname ehrt den niederländischen Botaniker Evert Jacobus Ebbinge, der sich im 20. Jahrhundert mit der Pflanzenzucht beschäftigte. Die Hybride wird gärtnerisch in mehreren Sorten wie `Lemon Ice´ (1999) oder `Albert Doorenbos´ (1929) kultiviert. 2005, 2007 und 2010 konnte sie subspontan in Belgien gefunden werden (Verloove 2021), für das Gebiet wird sie auf Helgoland in Schleswig-Holstein subspontan angegeben (Theisinger & Hebbel 2022).
 

Elaeagnus umbellata

Aus Asien stammt die Korallen-Ölweide, Elaeagnus umbellata, die in gelb- und rotfrüchtigen Sorten als Obst-, Duft-, Zier- und Pionierpflanze gezogen wird. 1829 kam die Pflanze nach Großbritannien und wurde in Europa fortan gärtnerisch genutzt. 
Es entstanden Fruchtsorten wie `Serinus´ (1992) oder `Turdus´ (1992). In den USA wurde die Pflanze in den 1970er- und 1980er-Jahren zur Böschungssicherung von Fernstraßen eingesetzt, wurde dann aber bald als invasiv eingestuft. In Kanada zählt die Art zu den im Handel verbotenen invasiven Arten in Alberta (Prohibites Noxious Weeds 2012)
Im Gebiet sehr selten subspontan, so auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Adolphi 2008, Theisinger & Hebbel 2022) und 2019 in Kärnten (Vogt 2019, Glaser & al. 2025). Eine ehemalige Angabe für Nordtirol ist irrig (Pagitz & al. 2023).
Subspontan u.a. seit den 1980er-Jahren auch in Belgien (Verloove 2021).
 

Quellen

Adolphi K. (2008): Neues zur Flora von Helgoland - Braunschweiger Geobotanische Arbeiten, 9: 9-19.

Adolphi K. & Terlutter H. (2015): Ein Vorkommen der Reichblütigen Ölweide (Elaeagnus multiflora Thunb.) in Recke (Kreis Steinfurt, Nordrhein-Westfalen). – Natur & Heimat (Münster) 75(1): 27 – 30.

Barnes P.G. & Whiteley A.C. (1997): Elaeagnus. In Cullen et al. (eds.) The European Garden Flora. Vol. 5. Cambridge University Press.: 245-247.

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

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