Echinocystis

Igelgurke, Kürbisgewächs, Cucurbitaceae

Gattung:

Monotypisch.
 

Echinocystis lobata 

Igelgurke,
Echinocystis lobata  
Kürbisgewächs, Cucurbitaceae

 

Steckbrief:

Bis zu 8 m hoch oder weit rankende einjährige Kletterpflanze mit weiblichen und männlichen Blüten auf einer Pflanze, aber getrennten Blütenständen. Stängel kantig gefurcht, fast kahl, oberwärts stark verzweigt. Blätter lang gestielt, mit handförmig 5-fach gelappter Spreite und herzförmigem Blattgrund. Blattlappen schmal dreieckig, haarfein zugespitzt. Blattrand kurz behaart, die Oberseite rau. Blüten 6-zählig, als Eigenheit unter den Kürbisgewächsen. Frucht eiförmig, 2–5 cm lang, stark bewehrt. Blütezeit Juli bis September.
 

Nutzung:

Gelegentlich als Zierpflanze und für die Blumenbinderei kultiviert.
 

Ausbreitung:

In weiten Teilen Nordamerikas beheimatet und dort mancherorts ein Unkraut in Mais- und Sojafeldern. 1863 als Zier- und Arzneipflanze in Deutschland eingeführt und zunächst in Botanischen Gärten gezogen (Krausch 2007, Tokarska-Guzik 2005). In Europa subspontan 1904 erstmals bei Kronstadt in Rumänien und 1906 in der Slowakei aufgetreten und seit 1920 ziemlich zeitgleich zwischen Bad Kösen und Naumburg im Saalegebiet und bei Fürstenfeld in der Steiermark subspontan. Die Ausbreitung erfolgt durch die auf dem Wasser schwimmenden, innen schwammigen Früchte, wahrscheinlich auch durch Tierverbreitung (Melzer 1957).
Die Art findet sich in Gärtnereien und Gartencenter kaum oder gar nicht angeboten, wird aber häufig über das Internet vertrieben und verbreitet. In der Schweiz wurde sie aufgrund ihres Ausbreitungspotenzials in die „Schwarze Liste der invasiven Neophyten“ aufgenommen.
Zu den Fressfeinden der Art gehört der Käfer Anasa repetita. Die Igelgurke ist anfällig für eine bakterielle Welke, die vom Bakterium Erwinia tracheiphila verursacht wird. Überträger der Krankheit ist der Gestreifte Gurkenkäfer, Acalymma vittatum, der das Bakterium auch auf Cucurbita-Arten und Sicyos angulatus überträgt (Rojas & al. 2015). Echinocystis lobata ist Wirtspflanze des im Gemüsebau gefürchteten Gurkenmosaikvirus und weiterer schädlichen Viren (CABI 2021).

 
DEUTSCHLAND:
Auf den Osten konzentriert mit Verbreitungsschwerpunkt um die Elbe und Saale (Floraweb 2013), dort seit etwa 1940 eingebürgert (Zündorf & al. 2006). Der Erstnachweis für Deutschland erfolgte 1922 (Meusel & al. 1992). In Baden-Württemberg u.a. 1972 Kocher bei Degmarn und Buchhof, 1971 Kocher bei Hagenbach und Kochertürn und 1982 bei Oberndorf (Sebald & al. 1990, Hand & Thieme 2023), 2001 in Bischofsheim in der Rhön und 1956 am Südbahnhof München in Bayern (Meierott & al. 2024), in Brandenburg u.a. in Neuranft an der Oder (Klemm 2008). Für Mecklenburg-Vorpommern schreiben Fukarek & Henker (2005) „seit etwa 1980 im ganzen Land sehr häufig kultiviert als Zier- und Kletterpflanze für Zäune, verschleppt und meist vorübergehend verwildernd, in Peenemünde seit etwa 10 Jahren alljährlich beständig“. In Niedersachsen u.a. bei Wathlingen (Langbehn & Gerken 2012), in Nordrhein-Westfalen 1982 in Kleingärten in Bielefeld-Sennestadt, bis 2004 ist der große Bestand durch Überbauung und teilweise Aufgabe der Kleingärten stark zurückgegangen (Kulbrock & al. 2006). In Sachsen u.a. 1994 in Anger-Crottendorf und 2001 in Leipzig-Marienbrunn, 1994 bei Hilbersdorf, 2003 in Freiberg, weiters Meißen, Sörnewitz, Zwickau, Wilkau-Haßlau, Chemnitz, Pirna, Niederneundorf und 2019 bei Rothenburg (Gutte 2006, Golde 2005, Gutte & al. 2013, Wünsche & al. 2020), am Mittellauf der Saale bei Halle und an der Elbe bei Magdeburg in Sachsen-Anhalt (John & Stolle 2006, Brandes 2020) und entlang der Saale bei Apolda in Thüringen (Peterlein 2024).
ÖSTERREICH:
Vor allem im Gebiet von March und Thaya in Niederösterreich, im Süd-Burgenland und in der Ost-Steiermark. In der Steiermark erstmals an der Lafnitz und an der Safen beobachtet und seither in starker Ausbreitung begriffen (Maurer 1998). 1975 in St. Martin bei Linz in Oberösterreich (Walter & al. 2002, Hohla & al. 2009) und bei Innsbruck in Nordtirol (Polatschek 1999). In Nordtirol gegenwärtig ein etablierter Neophyt (Pagitz & al. 2023), in Osttirol ein unbeständiger Neophyt (Pagitz & al. 2023). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1923 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---

 
ANDERE LÄNDER:
Im ungarischen Naturschutzgebiet Örség nahe der österreichisch-slowenischen Grenze gilt die Art als invasiv (Balogh 1999), ebenso regional im westlichen Rumänien (Infoflora 2021). Weiters subspontan u.a. seit 1967 in Bulgarien (Cabi 2024), in Estland (Seebens & al. 2017), seit 1987 in Litauen (Seebens & al. 2017), seit 1937 in Polen (Seebens & al. 2017), seit 1996 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), seit 2003 in Schweden (Seebens & al. 2017), seit 1950 in Großbritannien (Seebens & al. 2017), seit 1929 in der Ukraine (Cabi 2021), seit 1911 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1942 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

 

Quellen

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