Ecballium

Spritzgurke, Kürbisgewächs, Cucurbitaceae

Gattung:

Monotypisch.
 

Ecballium elaterium 

Spritzgurke,
Ecballium elaterium  
Kürbisgewächs, Cucurbitaceae

 

Steckbrief:

Bis 80 cm breite, sommergrüne, zweihäusige Einjährige oder kurzlebig Mehrjährige. Blätter lang gestielt, Spreite dreieckig, unterseits netznervig, dicht behaart, am Grund herzförmig, Blattrand gewellt und gezähnt. Weibliche Blüten einzeln, achselständig, männliche Blüten in Trauben. Kronblätter hellgelb. Früchte kleinen Gurken ähnlich, rau behaart, bei Reife die Samen durch Überdruck mehrere Meter herausschleudernd. Blütezeit Juni bis August.
 

Heimat:

Weites Mittelmeergebiet von den Azoren bis zur Kaspischen See.
 

Nutzung:

Seit dem Mittelalter im Gebiet als Zier- und ehemalige Arzneipflanze gezogen, aufgrund ihres Verbreitungsmechanismus auch als Kuriosität in botanischen Anlagen.
 

Ausbreitung:

Die Art verfügt über einen Ausbreitungsmechanismus des Saftdruckstreuers. Bei der Spritzgurke steht das Füllgewebe zur Zeit der Samenreife unter hohem Druck. Dadurch wird die Wand der Frucht elastisch gedehnt. An der Ansatzstelle des Fruchtstiels bildet sich eine ringförmige Sollbruchstelle. Zur Reife wird der Stiel durch den Innendruck weggeschleudert, die gedehnte Fruchtwand zieht sich zusammen, das Innere der Frucht mit den Samen wird ausgeschleudert, die Frucht selbst durch den Rückstoß in die Gegenrichtung gedrückt. Die Samen werden auf diese Weise bis zu 10 Meter weit verteilt. Durch das vorhandene fettreiche Anhängsel werden die Samen von Ameisen verschleppt und so weiter verbreitet. Die Früchte sind giftig, auf der Haut kann ihr Saft Entzündungen hervorrufen.
 
DEUTSCHLAND:
Ehemals in Heidelberg, Karlsdorf und im Oberrheingebiet in Baden-Württemberg (Zimmermann 1910, Hegi 2008, Hassler 2021), im Botanischen Garten Erlangen, 2014 auf einem Sandhaufen bei Gaukönigshofen, 2008 in einer Rosenrabatte in Würzburg und 1900 an einem Bahndamm zwischen Laim und Pasing in Bayern (Lippert & Meierott 2014, Meierott & al. 2024), 1865 in Hamburg-Hammerbrook (Timm 1877, Hand & Thieme 2023), 1932 am Güterbahnhof Düsseldorf-Derendorf in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1937, Hand & Thieme 2023), Nieder-Neundorf in Sachsen (Wünsche & al. 2016), Neu-Ummendorf in Sachsen-Anhalt (Herdam 1994, Hand & Thieme 2023) und ehemals bei Erfurt in Thüringen (Reinecke 1914, Hand & Thieme 2023). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte 1900 (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
Eine Fundangabe für Zwentendorf in Niederösterreich (Bernhardt & al. 2013) ist unsicher und wird hier nicht berücksichtigt, ehemals in Stainz in der Steiermark (Fritsch 1926, Glaser & al. 2025), 2005 einige Pflanzen in der Kaiserebersdorfer Straße in Wien, außerdem in der Jacquingasse beim Botanischen Garten Wien (Essl 2006, Essl & Rabitsch 2002). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1926 (Fritsch 1926, Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
In den Kantonen Freiburg, Genf, Uri, 1863 beim Bahnhof Zürich und 1903 und 1904 beim Alten Botanischen Garten Zürich, auch in Liechtenstein (Hegi 2008, Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch 1875 in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1906 in Großbritannien (Seebens & al. 2017), seit 1958 in Schweden (Seebens & al. 2017), seit 1880 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1865 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012). An der Südküste Englands eingebürgert (Hegi 2008).

 

Quellen

Bernhardt K.G., Naumer-Bernhardt E., Oschat M.-L., Stoeckl N. & Wernisch M. (2013): Floristische Inventarisierung als Beitrag zur Erfassung regionaler Phytodiversität am Beispiel der Gemeinde Zwentendorf an der Donau (Bezirk Tulln, Niederösterreich) - Wiss. Mitt. Niederösterr. Landesmuseum 24: 127-172.

Bonte L. (1937): Beiträge zur Adventivflora des rheinisch-westfälischen Industriegebietes 1930-1934 – Decheniana 94: 107-142.

Essl F. (2006): Bemerkenswerte floristische Funde aus Wien, Niederosterreich, dem Burgenland und der Steiermark, Teil IV - Linzer biol. Beitr. 38/2 1071–1103.

Essl F. & Rabitsch W. (2002): Neobiota in Österreich. – Wien, Umweltbundesamt; 432 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Fritsch K. (1926): Beiträge zur Flora der Steiermark, VI. - Österreichische Botanische Zeitschrift 75: 214–229.

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Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. (2021): Flora des Landkreises Karlsruhe. Bildatlas und Datenbank. Version 4.16; Stand 13.7.2021

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

Hegi G. (2008): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 6 (Teil 2A). 2.Aufl. – Weißdorn-Verlag Jena.

Herdam H. (1994): Neufunde und Nachträge zur „Neuen Flora von Halberstadt“ – 2. Mitteilungen. Abhandlungen und Berichte des Museums Heineanum 2: 1-71.

Lippert W. & Meierott L. (2014) – Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Bayerische Botanische Gesellschaft, München, 407 S.



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Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Reinecke K.L. (1914): Flora von Erfurt – Verzeichnis der im Kreise Erfurt und seiner Umgebung beobachteten Gefäßpflanzen – Jahrbuch der Königlichen Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt, Heft 40, 283 S.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).
Timm C.T. (1877): Kritische und ergänzende Bemerkungen, die Hamburger Flora betreffend – Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins von Hamburg-Altona II: 23-71.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.

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Zimmermann F. (1910): Die Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen und der Pfalz nebst den selteneren einheimischen Blütenpflanzen und den Gefäßkryptogamen – Pollichia 26: 11-171.