Diervilla

Buschgeißblatt, Geißblattgewächs, Caprifoliaceae

Gattung:

Diervilla umfasst 3 nordamerikanischen Arten (Kew 2022).
 

Diervilla lonicera 

Kanadische Buschgeißblatt,
Diervilla lonicera  
Geißblattgewächs, Caprifoliaceae

 

Steckbrief:

Bis 120 cm hoher, sommergrüner Strauch mit oft überhängenden Ästen und breit-lanzettlichen, lang zugespitzten Blättern. Blüten 25−35 mm lang, fünfzählig, zu 2–7 an den Enden der einjährigen Zweige. Krone erst hellgelb, verblühend bräunlich orangefarben oder rötlich. Blütezeit Juni bis August.
 

Name:

Benannt zu Ehren des französischen Arztes und Botanikers Marin Dières Sieur de Diéreville (1653−1738), der die Art in Neuschottland entdeckte und im Jahr 1700 nach Europa brachte. Diéreville war, wohl unter einem Pseudonym, am Jardin du Roi in Paris tätig, reiste 1699 als Begleiter einer Schiffsladung nach dem heutigen Neuschottland, erforschte dort ein Jahr lang Land, Leute und Küche und sammelte Pflanzen für den Jardin du Roi (Burkhardt 2018).
 

Heimat:

Östliches Nordamerika.
 

Nutzung:

Selten als Ziergehölz. Traditionell wird die Art als Heilpflanze bei Husten genutzt. Sie ist hitzeverträglich, stadtklimafest, trockenheitsvertragend und ausläufertreibend (Bruns 2009).
 

Ausbreitung:

Seit spätestens 1720 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014) und im Gebiet sehr selten subspontan auftretend.
DEUTSCHLAND:
Im Kurpark von Bad Alexandersbad seit Jahrzehnten eingebürgert, bei Ostheim-Lichtenburg und 2011 bei Stengelheim in Bayern (Jackwert 2013, Meierott & al. 2024), in Berlin (Seitz & al. 2012), in einem Weinberg bei Wriezen in Brandenburg (Ascherson 1861, Hand & Thieme 2023), Koitenhagen bei Greifswald und Barth in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), Lingen in Niedersachsen (Höck 1901, Hand & Thieme 2023), Chemnitz in Sachsen (Höck 1901, Hand & Thieme 2023), Neuhaldensleben in Sachsen-Anhalt (Höck 1901, Hand & Thieme 2023), Trittau in Schleswig-Holstein (Timm 1877, Hand & Thieme 2023) und einst Rothebach bei Zella in Thüringen (Thomas 1883, Hand & Thieme 2023). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte um 1906 (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan in den Niederlanden (FLORON 2021) und in Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 

Diervilla sessilifolia

Im südöstlichen Nordamerika ist das Stiellose Buschgeißblatt, Diervilla sessilifolia, beheimatet. Die Art ist seit spätestens 1844 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014)
Sie wird in mehreren Sorten wie `Butterfly´ oder `Cool Splash´ (2007) und in der Naturhybride D. ×splendens (D. lonicera × D. sessilifolia) als ausläufertreibender Flächenbegrüner oder als Einfassungshecke genutzt und findet sich daraus sehr selten verwildert oder verschleppt, so 2018 bei Erlangen-Stieglitzhof und 1999 am Bahndamm bei Alteglofsheim in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte 1999 (Meierott & al. 2024).
 

Quellen

Ascherson P. (1861): Die wichtigsten im Jahre 1860 entdeckten und bekannt gewordenen Fundorte in der Flora des Vereinsgebietes – Verhandlungen des Botanischen Vereins Berlin-Brandenburg 2: 159-195.

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen_2018_teil_1.pdf

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Fukarek F. & Henker H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz Henker und Christian Berg, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hegi G. (2008): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 6 (Teil 2A). 2.Aufl. – Weißdorn-Verlag Jena.

Höck F. (1901): Ankömmlinge in der Pflanzenwelt Mitteleuropas während des letzten halben Jahrhunderts, IV. Beihefte zum Botanischen Zentralblatt 10: 284-300.



Jackwert W. (2013): Botanische Besonderheiten im Kurpark von Bad Alexandersbad. Ökologische Neuigkeiten aus dem Landkreis Wundsiedel im Fichtelgebirge. LBV-Kreisgruppe Wunsiedel 2013.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2014) – Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Bayerische Botanische Gesellschaft, München, 407 S.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Seitz B., Ristow M., Prasse R., Machatzi B., Klemm G., Böcker R. & Sukopp H. (2012): Der Berliner Florenatlas – Verhandlungen des Bot. Vereins von Berlin und Brandenburg, Beiheft 7.

Thomas F. (1883): Diervilla canadensis Willd. im Thüringer Wald – Deutsche Botanische Monatszeitschrift 1: 131-132.

Timm C.T. (1877): Kritische und ergänzende Bemerkungen, die Hamburger Flora betreffend – Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins von Hamburg-Altona II: 23-71.