Deutzia

Deutzie, Hortensiengewächs, Hydrangeaceae

Gattung:

Deutzia umfasst etwa 69 Arten (Kew 2022) in Asien und Mexiko mit Mannigfaltigkeitszentrum in China.
 
 

Deutzia crenata 

Gekerbte Deutzie,
Deutzia crenata  
Hortensiengewächs, Hydrangeaceae

 

Steckbrief:

Bis 2,5 m hoher, sommergrüner Strauch mit gekerbten bis fein gezähnten, beiderseits rauen, eiförmig-länglichen, 3–7 cm langen, spitzen bis zugespitzten Blattspreiten. Sternhaare auf den Blattflächen 4- bis 6-ästig, Blätter an Blütentrieben sitzend, sonst gestielt. Blüten weiß, Blütendurchmesser 1,5−2 cm, Blütenstand dicht, kegelförmig. Staubfäden unter der Anthere deutlich verbreitert, nach oben in 2 Zähne auslaufend. Blütezeit Mai bis Juni.
Verwechslungsmöglichkeit: Die Raue Deutzie, Deutzia scabra, heimisch ebenfalls in Japan, wird sehr selten kultiviert. Sie unterscheidet sich durch einen breiten, ± schütteren Blütenstand, Blütendurchmesser höchstens 1,2 cm, Blätter auf beiden Seiten mit nur 3- bis 5-ästigen Sternhaaren und unter der Anthere nicht verbreiterte Staubfäden (Klic 2019, Bearbeiter M. Stech). Die Zierliche Deutzie, Deutzia gracilis, bleibt mit höchstens 1,5 m niedriger. Ihre Staubfäden sind meist deutlich zweizipfelig.
 
Anmerkung:
Den Ausführungen des Kenners Milan Stech nach handelt es sich bei den verwilderten Pflanzen Mitteleuropas durchwegs um D. crenata, die in gärtnerischen Kreisen meist D. scabra genannt wird (Klic 2019, Bearbeiter M. Stech, pers. Mitt. v. H. Niklfeld 2023). Die echte D. scabra verwildert demnach nicht oder nur äußerst selten.
 

Name:

Der Gattungsname ehrt den holländischen Ratsherrn und Liebhaberbotaniker Johan van der Deutz (1743–1788), einem Förderer des schwedischen Naturforschers Carl Peter Thunberg, der die Gattung benannte.
 

Nutzung:

Ziergehölz. In einigen Sorten wie `Candidissima´ (1867), `Plena´ (vor 1861) und `Robert Fortune´ (vor 1866, 1991 neu benannt), die im Gartenhandel meist fälschlich unter D. scabra geführt werden. Aus der Hybride Deutzia scabra (wahrscheinlich D. crenata) × D. vilmoriniae ist 1909 von Lemoine die Pracht-Deutzie, Deutzia ×magnifica, ausgelesen worden, bei der die Staubfäden aller Staubblätter bis fast zur Spitze hin geflügelt sind (Böhlmann 2009).
 

Ausbreitung:

Beheimatet in Japan. 1784 von Thunberg beschrieben, aber erst 1833 durch John Russel Reeves nach Europa gekommen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Mitteleuropa in Kultur vorhanden (Krausch 2003).
Die Pflanzen entwickeln auch im Gebiet Samen, die dann gelegentlich in Schotterstreifen am Straßenrand oder in Ritzen im Asphalt und in Mauerspalten auskeimen. Seltener sind Vorkommen an Böschungen und in Wäldern, die vermutlich auf Gartenauswurf zurückgehen (Pilsl & al. 2008).
 
DEUTSCHLAND: 
Selten subspontan, so in Mauerfugen am Florentinerberg in Baden-Baden in Baden-Württemberg (Radkowitsch 2008), Röhrig, Mühlleite und bei Bamberg in Bayern (Breitfeld & al. 2017, Meierott 2008), Querumer Forst in Braunschweig in Niedersachsen (Brandes 2003), mehrfach im Ruhrgebiet Nordrhein-Westfalens, so in Kamen, bei Rhöndorf, Grafenwerth, Wiemelhausen und Bonn-Godesberg (Loos 1997, Fuchs & al. 2006, Keil & Loos 2008, Jagel 2021, Gorissen 2015) und Tannenbergsthal, in Coswig und beim Schloss Eckberg im sächsischen Dresden (Breitfeld 2021, Hardtke & al. 2013).
ÖSTERREICH:
Sehr vereinzelt, so 2016 bei Eisenstadt und 2007-2008 bei Willersdorf im Burgenland (Gilli & al. 2022, Kniely in: Pachschwöll & al. 2025), in Kärnten (FKÖ 2021), u.a. 2019 bei Tribuswinkel in Niederösterreich (FKÖ 2021, Sauberer & al. 2025), 2006 am Waldrand bei Auerbach, 2008 an der Mattig bei Höft bei Braunau und 2009 am Waldrand nahe dem Holzöstersee in Oberösterreich (Stöhr & al. 2007, Hohla 2009, Hohla 2022), in Itzling und in der Arenbergstraße in der Stadt Salzburg und bei Adnet, Vigaun, Golling und Hallein im Salzburger Tennengau (Wittmann & Pilsl 1997, Pilsl & al. 2002, Schröck & al. 2004), Graz-Wetzelsdorf in der Steiermark (Essl & Rabitsch 2002, Schrammel & al. 2019 sub D. scabra), Ampass, Kirchbichl, Innsbruck und Mayrhofen in Nordtirol (Pagitz & Lechner-Pagitz 2015), in Osttirol (Glaser & al. 2025), zwischen Bregenz und Mehrerau, in Dornbirn-Hatlerdorf, Feldkirch und zwischen Bings und Bludenz in Vorarlberg (Neumann & Polatschek 1974, Glaser & al. 2025) und im Waldfriedhof in Neustift am Walde in Wien (Essl 2008). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1929 (Fritsch 1929, Glaser & al. 2025). In Südtirol 2002 bei Terlan, 2021 bei Pfatten und 2021 bei Lana (Wilhalm & al. 2021).
SCHWEIZ:
U.a. in den Kantonen Aargau, Basel-Landschaft, Bern, Freiburg, Genf, Graubünden, Schaffhausen, Schwyz, Solothurn, St. Gallen, Tessin, Waadt, Wallis, Zug (Infoflora 2024, zum Teil als D. scabra) und vielfach im Kanton Zürich, so Sagentobel, Burgwies, Holderbachtobel, Wisbachtobel und Tobel zwischen Dübendorf und Geeren in Zürich (Landolt 2001). Im Kanton Zürich 1989 erstmals in der Stadt Zürich als verwildert erfasst, seit dem Jahr 2000 in 8 % der Quadranten festgestellt (Wohlgemuth & al. 2020 sub D. scabra).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012), den Niederlanden (FLORON 2021), seit 2001 in Tschechien (Pyšek & al. 2012, sub D. scabra) und seit 1979 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012, sub D. scabra).

 
Weitere Art:

Deutzia gracilis

Ebenfalls aus Japan stammt die Zierliche Deutzie, Deutzia gracilis, die im Gebiet ab etwa dem Jahr 1840 in gärtnerischer Kultur ist und häufig als Zwergstrauch genutzt wird. 
Sie ist im Pflanzenhandel in wenigen Sorten wie `Aurea´ und `Nikko´ (etwa 1975) zu finden. 
Selten subspontan, so in Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2023), Dresden und Moritzburg in Sachsen (Hardtke & al. 2013), in Wien (Vitek & al. 2021) und bei Brixen in Südtirol (Naturmuseum Südtirol 2018). Beim Wiener Fundort 2018 am Nordfuß des Heubergs könnte es sich um ein Kulturrelikt handeln (Vitek & al. 2021), weshalb der Fund hier nicht berücksichtigt wird. Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

Quellen

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