Davidia

Taschentuchbaum, Tupelogewächs, Nyssaceae

Gattung:

Monotypisch.
 

Davidia involucrata

Taschentuchbaum
Davidia involucrata,
Tupelogewächs, Nyssaceae
 

Steckbrief:

Bis etwa 8 m hoher Baum mit unscheinbaren Blüten, aber taschentuchähnlichen Hochblättern. Blätter lang gestielt, sommergrün mit spätem Blattfall. Blattspreite breit-herzförmig, deutlich genervt, Blattrand gezähnt. Steinfrucht auf langem Stiel, eiförmig ungenießbar. Blütezeit Mai bis Juni.

Name:

Der botanische Name ehrt den französischen Missionar Armand David (1826−1900), der 1862 nach China kam und den Baum hier 1868 entdeckte. Er kehrte 1875 mit 250 neuen Pflanzenarten nach Frankreich zurück, allerdings ohne Samen des Taubenbaums, wie die Art auch genannt wird. David ist Namensgeber zahlreicher Pflanzen und Tiere, so etwa vom Davidshirsch, Elaphurus davidianus. Die Art ist seit etwa dem 18. Jahrhundert in freier Wildbahn ausgestorben, in den kaiserlichen Gärten von Peking wurde aber eine Herde von 120 Tieren über Jahrhunderte gehegt. 1865 sah David diese Hirsche, indem er trotz Verbots auf die Mauer kletterte. Er hielt die Tiere auf Grund ihrer morphologischen Merkmale zunächst für eine Art von Ren. Durch Bestechung der Wachen gelangte David an zwei Felle, die er nach Europa sandte. Später bekamen deutsche, französische und britische Diplomaten lebende Davidshirsche geschenkt. Diese wurden nach Europa verschifft und in den dortigen Zoos untergebracht. In China selbst kam zur Wende zum 20. Jahrhundert das Ende für die dortige Herde. Eine Flutkatastrophe 1895 zog den Park in arge Mitleidenschaft. Nachdem das Aussterben in China bekannt geworden war, entschieden sich alle Zoos, die Davidshirsche hielten, ihre Tiere in die Obhut des Herzogs von Bedfor zu geben, der verschiedenste exotische Hirscharten in seinen Gärten nördlich von London erfolgreich züchtete. 18 Exemplare stellten den weltweiten Restbestand dar. Hiervon waren ein Hirsch und fünf Hirschkühe noch fortpflanzungsfähig. 1914 umfasste die Herde bereits neunzig Tiere und 1946 war sie auf dreihundert Hirsche angewachsen. 1985 wurden die ersten Tiere in China ausgewildert, 2005 wurde der Weltbestand auf etwa 1300 Tiere geschätzt.  
 

Heimat:

Südchina.
 

Nutzung:

Als Ziergehölz. In Gartenkultur befindet sich meist die nach der französischen Baumschule benannte Varietät vilmoriniana mit schmäleren, hellgrünen Blättern und einer besseren Kälteverträglichkeit. `Lady Sunshine´ hat gelblichweiß panaschierte Blattränder, `Kylee´s Columnar´ einen schmalen, eiförmigen Habitus.
 

Ausbreitung:

Der Taschentuchbaum wurde erstmals 1868 vom französischen Priester und Naturforscher Pater Armand David auf einer Reise nach China beschrieben. Konservierte Exemplare von Davidia involucrata waren nach Kew geschickt worden und der Baumschulmeister Harry Veitch bekundete Interesse, einige Samen zu erhalten, aus denen der Baum wachsen könnte. 1899 beauftragte er einen jungen in Kew ausgebildeten Botaniker namens Ernest Wilson (1876−1930), nach China zu gehen, um den Taschentuchbaum zu finden. Dies stellte eine Herausforderung für den 23-jährigen Wilson dar, der noch nie zuvor im Ausland gewesen war und kein Wort Chinesisch sprach. Mit nur einer handgezeichneten Karte und ein paar schriftlichen Anweisungen, die ihn führen sollten, machte sich Wilson auf den Weg in die abgelegene Region Yunnan in China auf der Suche nach dem einzigen bekannten existierenden Exemplar. Auf seinem Weg überlebte er eine potenziell tödliche Krankheit und wäre fast ertrunken, als sein Boot in einem Fluss kenterte. Als er schließlich den Standort des Baumes fand, war Wilson entsetzt, als er entdeckte, dass er gefällt und zum Bau eines Hauses verwendet worden war. Glücklicherweise fand er weitere Exemplare und konnte 1901 Samen nach England schicken. Fortan fand sich der Taschentuchbaum in der westlichen Welt in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014).
 
DEUTSCHLAND:
Subspontan für den Schlosspark Herten in Nordrhein-Westfalen angegeben (Franzisket 1971). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
ÖSTERREICH: ---
SCHWEIZ: ---

 
 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Franzisket L. (1971): Der Schlosspark in Herten (Westfalen). Ein Beitrag zur Pflege alter Parkanlagen aus ökologischer Sicht – Abhandlungen aus dem Landesmuseum für Naturkunde zu Münster in Westfalen 33(3): 1-16.



Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm