Cyrtomium

Sichelfarn, Wurmfarngewächs, Dryopteridaceae

Gattung:

Cyrtomium umfasst etwa 36 Arten (Kew 2022) in Asien und Afrika mit Mannigfaltigkeitszentrum in Ostasien. In China kommen 31 Arten vor, 20 davon nur dort.
 

Cyrtomium fortunei

Ilexblättriger Sichelfarn,
Cyrtomium fortunei
(Syn.: Polystichum falcatum var. fortunei)  
Wurmfarngewächs, Dryopteridaceae

 

Steckbrief:

Bis 50 cm hoher, immergrüner Farn mit eiförmig-lanzettlichen, bis 40 cm langen und 12 cm breiten, in der Jugend matten, einfach gefiederten Blättern, diese mit 7–23 Fiederpaaren. Fiedern kurz gestielt, aus asymmetrischem, breitem Grund lang ausgezogen mit meist gewellten, gezähnten Rändern. Sori rund, mit mittig angeheftetem, grauem, ganzrandigem Schleier. Sporenreife Juli bis September.
Verwechslungsmöglichkeit: Beim ähnlichen C. falcatum sind die Wedel ledrig, im frischen Zustand stark glänzend. Der Fiederrand ist glatt, mit einem verdickten weißlichen Knorpelrand.
 

Name:

Die Art ist zu Ehren des englisch-schottischen Gärtners und Botanikers Robert Fortune (1812−1880) benannt. Fortune war als Pflanzensammler mehrmals in China, kleidete sich als chinesischer Händler, um Restriktionen zu umgehen, brachte Teepflanzen nach Indien in die Region Darjeeling und viele Zierpflanzen wie Päonien, Azaleen und Chrysanthemen nach England. Fortune erkundete in weiteren Reisen Taiwan und Japan und befasste sich auch mit dem Reisanbau und der Seidengewinnung (Burkhardt 2018).
 

Heimat:

Südostasien.
 

Nutzung:

Zierpflanze, fürs Haus und für den Garten.
 

Ausbreitung:

Selten in Felsspalten, Mauern und in Wäldern verwildert.
DEUTSCHLAND:
U.a. von 2005 bis zumindest 2015 auf Mauern beim Klinikum Mannheim in Baden-Württemberg (Breunig 2008, Junghans 2017), 2005 im Miedelpark Bayreuth in Bayern (Breitfeld & al. 2021), Berlin (Hand & Thieme 2023) und Köln-Lindenthal, Straelen, Düsseldorf, Essen, Bochum-Hamme, Bochum-Westenfeld, Bochum-Querenburg und Herne-Sodingen in Nordrhein-Westfalen (Sarazin & al. 2013, BBV 2010, BBV 2011, BBV 2014, BBV 2020, BBV 2021). Angaben für Bayern und Hessen werden in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) als fraglich geführt. Die Art wird in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024) nicht geführt.
ÖSTERREICH:
2020 im Wienerwald in Niederösterreich auf der Nordseite des Buchbergs südlich von Alland in einer Felsspalte am unteren Ende einer nordexponierten Kalkfelswand (Stöhr & al. 2021), 2024 am Ufer der Salzach zwischen Bergheim und dem Fernheizwerk Salzburg-Nord (pers. Mitt. von Peter Pilsl am 8. Okt. 2025), 2013 in Innsbruck-Mühlau, oberhalb vom Fuchsloch in etwa 650 m Seehöhe in Nordtirol (Stöhr & al. 2021) und 1951 bis 1954 im 17. Wiener Gemeindebezirk, Neuwaldegg in der Klampfelberggasse im Wasserloch einer Gartenstützmauer (Metlesics 1952, Stöhr & al. 2021). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1951 (Glaser & al. 2025). Im Badlgraben bei Peggau in der Steiermark nur angesalbt (Stöhr & al. 2021). In Südtirol 2024 erstmals Schwarzenbach bei Auer im Südtiroler Unterland, wobei nicht klar ist, ob es sich hier nicht um die nächstverwandte Cyrtomium laetevirens handelt (Wilhalm & al. 2024).
SCHWEIZ:
Mehrfach im südlichen Tessin, sonst selten in den Kantonen Basel-Landschaft, Bern, St. Gallen, Thurgau, Waadt, Zug und Zürich (Infoflora 2024). Inwieweit es sich bei den Angaben in Infoflora (2024) um subspontane oder kultivierte Pflanzen handelt, ist mir nicht bekannt. In der „Flora des Kantons Zürich“ (Wohlgemuth & al. 2020) wird die Art nicht angegeben.
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 2002 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), seit 2011 in Frankreich (Seebens & al. 2017) und in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

 
Weitere Art:

Cyrtomium falcatum

Ostasiatisch ist der Mond-Sichelfarn, Cyrtomium falcatum, der ebenfalls als Zierpflanze, oft in der Sorte `Rochfordianum´ genutzt wird. im Gebiet sehr selten in Deutschland in Mannheim in Baden-Württemberg (Hassler & Muer 2022), 2011 bei Zwingenberg in Hessen (Röhner 2012) und in Niedersachsen (Hand & Thieme 2023). Für Österreich geben Forstner & Hübl (1971) adventive Nachweise dieser Art von jeweils einer Mauer der Augartengärtnerei und der Klampfelberggasse in Wien an. Die Angabe von der Klampfelberggasse beruht auf einem von Hans Metlesics gesammelten Beleg und stellte sich nach einer Revision als Cyrtomnium fortunei heraus. Die Angabe von der Augartengärtnerei dürfte unbelegt sein. Es ist zu vermuten, dass es sich dabei ebenfalls um den ähnlichen C. fortunei handelte (Stöhr & al. 2021). Damit dürfte die Art subspontan in Österreich fehlen. Sie wird in der Neophytenliste von Glaser & al. (2025) für Wien angegeben.
In der Schweiz im Kanton Bern und im Tessin angegeben (Infoflora 2024). Unter Status steht hier: Kultivierter Neophyt, nach dem Jahr 1500 in der Schweiz aufgetreten(?).  
Subspontan u.a. seit 2002 auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), 1915 in den Niederlanden (FLORON 2021), in Italien (Galasso & al. 2024), seit 1994 in Kroatien (Seebens & al. 2017), seit 1969 in Rumänien (Seebens & al. 2017), seit 1987 in Portugal (Seebens & al. 2017), seit 1986 in Spanien (Seebens & al. 2017), seit 1983 in Irland (Seebens & al. 2017), und seit 1976 in Großbritannien (Clement & Foster 1994, Seebens & al. 2017). In den USA seit 1907 subspontan bekannt und hier mittlerweile in 17 Bundesstaaten vorkommend (CABI 2021).

 

Quellen

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2010): Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen in Bochum (Nordrhein-Westfalen) und Umgebung im Jahr 2010 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver.2: 144–182.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2011): Bemerkenswerte Pflanzenvorkommen in Bochum (Nordrhein-Westfalen) und Umgebung im Jahr 2011- Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 3: 174–202.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2014): Exkursion: Köln-Lindenthal - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 6: 83–86.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2020): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2019 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 11: 222-264.

Breitfeld M., Hertel E. & Baumann A. (2021): Flora Adventiva – Eine Zusammenstellung der in Deutschland nachgewiesenen Pflanzen, welche nicht in den Bestimmungswerken erwähnt werden; Markneukirchen, 677 S.

Breunig T. (2008): Neue Fundorte-Bestätigungen-Verluste (533-663) – Ber. d. Bot. Arbeitsgem. Südwestdeutschland 5: 131–154.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen_2018_teil_1.pdf

CABI (2024): Invasive Species Compendium - https://www.cabi.org/publishing-products/invasive-species-compendium/

Clement E. J. & Foster M. C. (1994): Alien plants oft he British Isles – London: Botanical Society of the British Isles. 591 p.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Forstner W. & E. Hübl (1971): Ruderal-, Segetal-und Adventivflora von Wien – Verlag Notring, Wien.

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297-340.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.

 



Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hassler M. & Muer T. (2022): Flora Germanica – Bildatlas der Farn- und Gefäßpflanzen Deutschlands. 2 Bände.

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Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Metlesics H. (1952): Zobodat-Herbarbelege – http://www.zobodat.at/belege.php?id=100300922

Röhner G. (2012): Angesalbte und adventive Farnpflanzen an der Bergstraße. – Hess. Flor. Briefe 60(2): 20 – 24.

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Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Stöhr O., A. Berger, J. Baldinger, M. Hohla, C. Langer, H. Meindl, K. Moosbrugger, G. Pflugbeil, P. Pilsl, N. Sauberer, R. Schwab, M. Thalinger, H. G. Zechmeister & C. Gilli (2021): Cyrtomium fortunei, Onoclea sensibilis und Osmunda regalis neu für Österreich sowie eine aktualisierte Übersicht neophytischer Gefäßkryptogamen Österreichs - Neilreichia 12: 105–144.

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Wilhalm T., E. Spögler, F. Zemmer, E. Sölva, S. Stifter, F. Faltner, M. Larcher, G. Leitner, W. Tratter, J. Winkler, R. Lorenz, G. Aichner, R. Bachmann†, M. Ebert, M. Fink, G. Frener, L. Gibitz, A. Hilpold, B. Holzer, T. Kiebacher, A. Lanthaler, W. Mair, P. Mair, M. Merli, E. Obrist, A. Rinner & H. Wirth: Ergänzungen und Korrekturen zum Katalog der Gefäßpflanzen Südtirols (12) – Gredleriana 24: 15-45

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