Crassula

Dickblatt, Dickblattgewächs, Crassulaceae

Gattung:

Crassula umfasst etwa 210 Arten (Kew 2022) und ist fast weltweit verbreitet. Mannigfaltigkeitszentrum ist das Kapgebiet Südafrikas. Bei uns kultivierte Arten stammen vorwiegend vom Ostkap Südafrikas.
 

Crassula helmsii 

Helms-Dickblatt, Australisches Nadelkraut,
Crassula helmsii  
Dickblattgewächs, Crassulaceae

 

Steckbrief:

Je nach Standortbedingung unterschiedliche Wuchsformen entwickelnde Staude. Pflanzen auf feuchten Böden mit kriechenden bis aufsteigenden Stängeln und sukkulenten Blättern, untergetauchte Pflanzen mit laschen Stängeln und dünnen Blättern. Blätter gegenständig, 4–15 mm lang, an der Basis verwachsen. Kronblätter 4, weiß bis blassrosa, 1,4–2 mm lang. Staubblätter 4, kürzer als die Kronblätter. Blütezeit Juli bis September.
 

Name:

Die Art ist zu Ehren des deutschen Botanikers Richard Helms (1842–1914) benannt, der 1858 nach Australien auswanderte. Neben der Nadelkraut-Art tragen auch die Moose Rhizogonium helmsii, Funaria helmsii, Lejeunea helmsiana und Radula helmsiana seinen Namen, sowie zehn Käferarten. Helms publizierte neben botanischen und zoologischen Artikeln auch über Bienenzucht, Weizenbau, Düngung, Bakteriologie und ethnologische Themen.  
 

Nutzung:

In der Aquaristik und für Gartenteiche.
 

Ausbreitung:

Beheimatet in Australien und Neuseeland. Als Aquarien- und Teichpflanze 1911 aus Tasmanien nach England gekommen und als „Sauerstoffspender“ für Aquarien gehandelt. 1923 im Botanischen Garten München kultiviert (Glück 1923) und seit 1927 im Handel erhältlich. Erste Verwilderungen traten in Europa 1956 in Greensted Pond, Essex auf. Die Anzahl der Fundorte verdoppelte sich alle zwei Jahre. Gegenwärtig sind in England mehr als 1000 Standorte bekannt, der Verkauf der Pflanze ist dort seit dem Jahr 2014 verboten. Im Gebiet 1981 im Pfälzerwald erstmals aufgetreten, seitdem vielfach im westlichen Deutschland (Lang 1981, Küpper & al. 1996). 1982 erstmals in Belgien aufgetreten, 1995 in den Niederlanden, 2003 in Dänemark und 2014 in Irland (CABI 2021). In Österreich 2019 erstmals subspontan gefunden (Sauberer 2019). Die Art vermehrt sich leicht über bewurzelnde Sprossfragmente (Meierott & al. 2024) und wird vor allem durch Wasservögel verschleppt und verbreitet (Feder 2022).
Die dichten Nadelkrautwiesen können zu einem Rückgang heimischer Arten wie Strandling, Litorella uniflora, und Salzbunge, Samolus valerandi, führen. Die Art wurde 2013 in Deutschland auf die Schwarze Liste invasiver Arten (Frühwarnliste) gesetzt.
DEUTSCHLAND:
1981 im Wellbachtal im Pfälzerwald in Rheinland-Pfalz erstmals aufgetreten (Lang 1981), danach im Pfälzerwald bei Speyerbrunn, Helmbach, Breitenstein und Waldleiningen. In der Vorderpfalz bei Geinsheim, in der Nordpfalz zwischen Rittersheim und Gauersheim. 1988 bei Bremen und in Nordrhein-Westfalen bei Waldtrop-Brockenscheidt gefunden (Hussner 2006). In NRW finden sich die meisten Vorkommen in Westfalen, das größte dürfte das am Fühlinger See bei Köln sein. In dem über 50 ha großen See hat sich die immergrüne Art in den letzten Jahren stark ausgebreitet und ist sowohl in Wassertiefen von bis zu 10 m als auch im Uferbereich zu finden und die Bestände reichen stellenweise sogar bis in die trockenen Uferzonen (Rydl 2004). In Niedersachsen 1991 im Raum Osnabrück am Alfsee-Reservebecken bei Rieste aufgetreten (Möllenkamp & Möllenkamp 1991), 1991 erstmals auch in Hamburg (Poppendieck & al. 2011), 1992 in Schleswig-Holstein bei Heikendorf nahe Kiel und bei Hamburg an der Alten Süderelbe und beim Blumensand (Christensen 1993, Lippert 1995). 2020 auf einer vernässten Weide bei Oldsum auf Föhr in Schleswig-Holstein (Hebbel 2023). Seit 1998 in Schwarzenbach an der Saale im bayrischen Fichtelgebirge auftretend (Hetzel 2006) und 2004 im bayerischen Memmelsdorf-Lichteneiche auf einer Grüngut-Deponie gefunden (Meierott 2008), bei Regensburg lokal eingebürgert (Klotz & Scheurer 2006, Meierott & al. 2024). 2010 massenhaft an mehreren Teichen im Naturschutzgebiet Siesack und in mehreren Ausgleichsteichen bei Dortmund-Mengede und 2022 in dichten Matten in einer neu angelegten Flutrinne in der renaturierten Ruhraue in Witten in Nordrhein-Westfalen (BBV 2010, BBV 2023, Büscher & al. 1990) usw. Weiters in Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2024), Berlin (Hand & Thieme 2024), Brandenburg (Müller & al. 2021), 2020 in Marburg-Biedenkopf in Hessen (Gregor 2022) im Saarland (Hand & Thieme 2024) und in Sachsen-Anhalt (Müller & al. 2021).
ÖSTERREICH:
2019 erstmals in Möllersdorf bei Traiskirchen in Niederösterreich gefunden (Sauberer 2019, Sauberer & al. 2020). 2022 dann nahe der Giselawarte bei Kammerschlag, Gemeinde Eidenberg im Mühlviertel Oberösterreichs (Kleesadl 2023).


SCHWEIZ:
In der Waadt (Infoflora 2024).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), seit 2003 in Dänemark (Seebens & al. 2017), seit 2010 in Schweden (Seebens & al. 2017), seit 1995 in den Niederlanden (Seebens & al. 2017, FLORON 2021), in Großbritannien (Jalas & al. 1999), Irland (Jalas & al. 1999, Seebens & al. 2017) und Frankreich (Jalas & al. 1999). Die frühen Einführungsjahreszahlen im 19. Jahrhundert für Belgien und Irland in Seebens & al. (2017) stehen im Widerspruch zur Einführungsgeschichte der Art in Cabi (2024), der zufolge die Art erst Anfang des 20. Jahrhunderts nach Europa kam (Cabi 2024).

 
Weitere Art:

Crassula peduncularis

Das Purpur-Dickblatt, Crassula peduncularis (Syn.: Tillaea peduncularis) ist in Südamerika, Australien und Neuseeland beheimatet und tritt im Gebiet lokal mit Einbürgerungstendenz bei der Talsperre Spremberg in Brandenburg auf (Klemm 2000, Wesenberg & al. 2017). Subspontan u.a. auch in Portugal (Jalas & al. 1999) und 1893 in Belgien (Seebens & al. 2017).
 
 

Quellen

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