Cleome

Spinnenblume, Spinnenblumengewächs, Cleomaceae

Gattung:

Cleome s.l. umfasst etwa 275 Arten. Die Systematik dieser Verwandtschaftsgruppe wird kontrovers gehandhabt. Die Großgattung Cleome s.lat. wird seit 2008 teils in Kleingattungen aufgespalten, was teilweise ihrer Heterogenität wegen Vorteile bringt, teilweise zu einigen sehr ähnlichen, kaum unterscheidbaren Gattungen führt, weswegen verbreitet an der Großgattung Cleome s.lat. festgehalten wird. Cleome s.str. umfasst etwa 170 Arten, Cleome s.lat., also inklusive Arivela, Cleoserrata, Polanisia, Podandrogyne und Tarenaya, etwa 275 Arten, die subkosmopolitisch in den tropischen und warmgemäßigten Regionen der Welt beheimatet sind. Hier wird Cleome im weiten Sinne gesehen, weil aktuelle DNA-Studien Cleome, Podandrogyne und Polanisia nicht trennen konnten.
 

Cleome houtteana

Spinnenblume,
Cleome houtteana
(Syn.: Cleome hassleriana, Tarenaya hassleriana,
Cleome spinosa hort., Cleome sesquiorygalis
Spinnenblumengewächs, Cleomaceae

 

Steckbrief:

Mehrjährige, im Gebiet meist einjährig gezogene, 60–120 cm hohe krautige Pflanze mit drüsenhaarigen Stängeln. Blätter 5–7-zählig, handförmig geteilt. Blüten purpurn bis weiß, meist rosa, in endständigen, langen Blütenständen. Kronblätter 4, lang genagelt, 20–40 mm lang. Fruchtschoten lang gestielt. Blütezeit Juli bis Oktober.
Verwechslungsmöglichkeit: Die (entfernte) Ähnlichkeit der Blätter mit Hanf wurde 2014  167 Spinnenblumen im öffentlichen Grün in Stuttgart zum Verhängnis. Nach einer anonymen Anzeige rückte die Polizei aus, um die angeblichen Hanfpflanzen zu entfernen.
 

Name:

Nach dem belgischen Gelehrten, Gärtner, Botaniker und Künstler Louis Benoît van Houtte (1810−1876) benannt. Van Houtte sammelte vor allem Orchideen in Brasilien, Guatemala, Honduras und auf den Kapverden. Er besaß eine Großgärtnerei mit Gartenbauschule. Das Synonym ist benannt zu Ehren des Schweizer Arztes, Botanikers und Naturforschers Emil Hassler (1864–1937), der sich vor allem um die Flora Paraguays verdient machte.
 

Nutzung:

Zierpflanze, vor allem für einjährige Blumenbeete, Wegeinfassungen und öffentliche Grüninsel. In Zwergformen wie der Sorte `Fesche Fanny´ auch für Blumenkästen und Tröge geeignet.
 

Ausbreitung:

Relativ spät hat sich die in Südamerika beheimatete Spinnenblume im Gebiet als Trendpflanze durchgesetzt. Zuvor musste sie sich auf Gartenschauen und in öffentlichen Grünflächen beweisen. Gegenwärtig gehört sie zu den in Rabatten und Blumentrögen häufig kultivierten Sommerblumen, von wo aus sie vereinzelt unbeständig verwildert.
 
DEUTSCHLAND:
Selten, so in Baden-Württemberg (Hand & Thieme 2023), bei Felding, Nonnenhorn, Kettershausen, zwischen Kempten und Heiligkreuz, in Pocking und Bamberg in Bayern (Zahlheimer 2004, Dörr & Lippert 2001, Hohla 2002, Meierott 2008), 2002 in der Leinestraße in Leipzig, am Elbufer bei Dresden-Laubegast und 2018 bei Pirna in Sachsen (Gutte 2006, Hardtke & al. 2013, Wünsche & al. 2019) und 2016 am Kompostplatz Kahla in Thüringen (Schönfelder in: Breitfeld & al. 2021).
ÖSTERREICH:
Vereinzelt, so bei St. Veit an der Glan in Kärnten (Melzer 1968, Glaser & al. 2025), bei Ort im Innkreis, Schärding, Braunau, Gimpling und Mühlheim in Oberösterreich (Hohla 2001, Hohla 2015), in der Weiher-Wiesbach-Straße und in der Linzer Bundesstraße Ecke Finkenstraße in der Stadt Salzburg (Pilsl & al. 2008, Pilsl & Pflugbeil 2012), bei Köflach und Leibnitz in der Steiermark (Glaser & al. 2025), Gisingen in Vorarlberg (Essl & Rabitsch 2002) und in Wien-Penzing (Glaser & al. 2025). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1965 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
Ganz vereinzelt, so Sissach und Tecknau im Oberbaselbiet im Kanton Basel-Landschaft (Lüthi 2018), bei Bern, Genf, Rorschach im Kanton St. Gallen (Tinner & Schumacher 2004) und in der Waadt (Infoflora 2024).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), seit 2000 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017) und in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

 
Weitere Arten:

Cleome dodecandra

In großen Teilen Nordamerikas ist die Rotbärtige Spinnenpflanze, Cleome dodecandra (Syn.: Polanisia dodecandra), beheimatet. 
Im Gebiet unbeständig 1910 in Mannheim in Baden-Württemberg (Kapp 1961, Hand & Thieme 2023), 1917 beim Neuen Floßhafen Würzburg in Bayern (Paul 1922, Hand & Thieme 2023), Hessen (Hand & Thieme 2023), 1910 und 1916 in Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Kapp 1961, Hand & Thieme 2023) und 2023 im Botanischen Garten Graz in der Steiermark (Eigenfund Griebl 2017). Die Art ist in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024) nicht angegeben.
Subspontan u.a. auch in Italien (Jalas & Suominen 1991).
 

Cleome viscosa

Die Klebrige Spinnenpflanze, Cleome viscosa (Syn.: Arivela viscosa, Cleome graveolens) ist in den Tropen Afrikas, Asiens und Australiens weit verbreitet. Sie gilt in tropischen Regionen als Unkraut vor allem in Reisfeldern, Baumwollfeldern und Zuckerrohrplantagen und wird lokal in Indien, Singapur, der Dominikanischen Republik, Puerto Rico, auf den Jungferninseln, den Galapagos-Inseln und auf mehreren Inseln im Pazifischen Ozean wie Fidschi, Französisch-Polynesien, Guam und Papua-Neuguinea als invasiv eingestuft (Kairo & al. 2003, Chandra 2012, PIER 2015). Im Gebiet nur adventiv aus Nordost-Hessen angegeben (Hemm 2008). Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
 

Quellen

Breitfeld M., Hertel E. & Baumann A. (2021): Flora Adventiva – Eine Zusammenstellung der in Deutschland nachgewiesenen Pflanzen, welche nicht in den Bestimmungswerken erwähnt werden; Markneukirchen, 677 S.

Chandra S.K. (2012): Invasive Alien Plants of Indian Himalayan Region- Diversity and Implication. American Journal of Plant Sciences 3: 177-184.

Dörr E. & Lippert W. (2001): Flora des Allgäus und seiner Umgebung Band 1 – IHW-Verlag Eching, 680 S.

Essl F. & Rabitsch W. (2002): Neobiota in Österreich. – Wien, Umweltbundesamt; 432 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gutte P. (2006): Flora der Stadt Leipzig, einschließlich Markkleeberg – Weißdorn-Verlag, Jena, 278 S.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hardtke H.-J., Klenke F. & Müller F. (2013): Flora des Elbhügellandes und angrenzender Gebiete – Sandstein-Verlag Dresden. 718 S.

Hemm K. (2008): Rote Liste der Farn- und Samenpflanzen Hessens – Hessisches Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz. 186 S.

Hohla M. (2001): Dittrichia graveolens (L.) W. Greuter, Juncus ensifolius Wikstr. und Ranunculus penicillatus (Dumfort.) Bab. neu für Österreich und weitere Beiträge zur Kenntnis der Flora des Innviertels und des angrenzenden Bayerns – Beitr. Naturk. Oberösterreichs 10: 275–353.

Hohla M. (2002): Agrostis scabra Willd. neu für Oberösterreich sowie weitere Beiträge zur Kenntnis der Flora des Innviertels und Niederbayerns – Beitr. Naturk. Oberösterreichs 11: 465–505.

Hohla M. (2015): Zobodat-Herbarbelege – http://www.zobodat.at/belege.php?id=100403225

Infoflora (2024): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Jalas J. & Suominen J. (1991): Atlas Florae Europaeae 9 – Paeoniaceae to Capparaceae. Akateeminen Kirjakauppa Helsinki. 110 S.



Kairo M., Ali B., Cheesman O., Haysom K. & Murphy S. (2003): Invasive species threats in the Caribbean region. Report to the Nature Conservancy. Curepe, Trinidad and Tobago

Kapp E. (1961): Beitrag zur oberrheinischen, speziell elsässischen Adventivflora: Archaeophyten, Epoekophyten und Neophyten – Mitteilungen des Badischen Landesvereins für Naturkunde und Naturschutz e.V. Freiburg 8: 159-161.

Lüthi R. (2018): Flora des Oberbaselbiets 2012−2015, Östlicher Teil des Kantons Basel-Landschaft, Schweiz, Verlag Basel-Landschaft, 848 S.

Meierott L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Melzer H. (1968): Notizen zur Adventivflora von Kärnten. Carinthia II, 78 (158): 127—138.

Paul H. (1922): Neue Beobachtungen über die Phanerogamen- und Gefäßkryptogamenflora von Bayern VI – Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 17: 68-97.

PIER (2015): Pacific Islands Ecosystems at Risk. Honolulu, USA: HEAR, University of Hawaii. http://www.hear.org/pier/index.html

Pilsl P. & Pflugbeil G. (2012): Nachträge zur Neophytenflora der Stadt Salzburg, I - Mitt. Haus der Natur 20: 5 – 15.

Pilsl P., Schröck Ch., Kaiser R., Gewolf S., Nowotny G. & Stöhr O. (2008): Neophytenflora der Stadt Salzburg (Österreich) – Sauteria-Schriftenreihe f. systematische Botanik, Floristik u. Geobotanik 17: 1–596.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Tinner U. & Schumacher H. (2004): Flora auf Bahnhöfen der Nordostschweiz – Botanica Helvetica 114/2: 109–125.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Wünsche A. E., Gebauer P., Hardtke H.-J. & H.-W. Otto (2019): Bemerkenswerte floristische Beobachtungen 2018 in Oberlausitz und Elbhügelland – Berichte der Naturforschenden Gesellschaft der Oberlausitz 28: 65-76.

Zahlheimer W. (2004): Liste unbeständiger bzw. nicht oder noch nicht etablierter Farn- und Blütenpflanzen in Niederbayern. http://flora-niederbayern.de/unbestaendige_liste.html