Citrus

Orange, Rautengewächs, Rutaceae

Gattung:

Citrus umfasst, inklusive Poncirus, etwa 29 Arten (Kew 2022), die in Südost-Asien und Australien beheimatet sind. Die Vorläufer der essbaren Zitrusfrüchte werden am Südosthang des Himalaya vermutet, der heutigen Gegend von Nordost-Indien, Myanmar und der chinesischen Provinz Yunnan. 
Citrus-Arten sind im Gebiet nicht winterhart und wurden durchwegs nur als Keimlinge festgestellt, die in diesem Zustand auch schwerlich einer bestimmten Art oder Citrus-Form zugeschrieben werden können. Die Fundangaben werden hier deshalb nicht akzeptiert.

 

Citrus ×aurantium 

Bitterorange, Pomeranze
Citrus ×aurantium  
Rautengewächs, Rutaceae

 

Steckbrief:

Bis 5 m hoher, immergrüner, durch Öldrüsen duftender Baum mit gestielten Blättern und eiförmigen Blattspreiten. Blüten weiß, fünfzählig. Früchte verhältnismäßig klein, mit dicker, oranger, runzeliger Schale und sauer schmeckendem Fruchtfleisch. Blütezeit April bis Juni.
 

Heimat:

Vermutlich hybridogen aus Pampelmuse, Citrus maxima und Mandarine, Citrus reticulata, in China entstanden. Diese Kreuzung führte sowohl zu den Bitterorangen wie auch zu den süßen Orangen. Rückkreuzungen von Orangen und Pampelmusen ergaben Grapefruit und Pomelos. Aus der Rückkreuzung von Mandarine und Orange sind einige der wirtschaftlich bedeutendsten Zitrus-Formen hervorgegangen (Mabberley 2004).
 

Nutzung:

Aus den Früchten wird Orangenmarmelade, Orangeat, Likör und Limonade hergestellt. Öl aus den Blüten (Neroliöl), den Fruchtschalen (Bitterorangenöl) und aus Blättern, Zweigen und unreifen grünen Früchten (Petitgrainöl) wird in der Parfümherstellung genutzt.
 

Ausbreitung:

Die Pomeranze wird seit mehr als 4000 Jahren vor allem ihrer aromatischen Frucht wegen kultiviert. Im 11. Jahrhundert ist sie nach Italien gekommen. Die aus den gleichen Elternarten entstandene, aber süß schmeckende Orange wird wegen ihrer gänzlich unterschiedlichen Verwendung von den Bitterorangen unterschieden. Die Orange kam erst im 15. Jahrhundert nach Europa.
DEUTSCHLAND:
1905 Keimpflanzen auf Schutt am Dreisamufer unterhalb Freiburg im Breisgau und in den Jahren 1970 bis 1972 im Sämlingszustand auf Müllplätzen in Wangen bei Obermooweiler in Baden-Württemberg (Thellung 1907, Dörr & Lippert 2004), Sonthofen, Kaufbeuren, Schongau und zwischen Wengen und Nellenbruck in Bayern (Dörr & Lippert 2004, Meierott & al. 2024), Nordrhein-Westfalen (Hand & Thieme 2023) und Rheinland-Pfalz (Hand & Thieme 2023). Fiedler (1944) schreibt dazu von der Großmarktmalle in Leipzig in Sachsen: Jährlich finden sich an den Gleisen mehrere Keimlinge, die sich aber dort nur schlecht entwickeln.
ÖSTERREICH:
Ehemals unbeständig in Wien angegeben (Forstner & Hübl 1971, Walter & al. 2002).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch für Belgien angegeben (Verloove 2021).

 
Weitere Sippen:

Citrus ×limon

Die Zitrone, Citrus ×limon, ist hybridogen aus Bitterorange, C. ×aurantium, und Zitronatzitrone, C. medica, entstanden. 
Entstehungsort ist wahrscheinlich das nördliche Indien. Um das Jahr 1000 n. Chr. sind erste sichere Nachweise sowohl in China als auch im Mittelmeergebiet zu finden. In Deutschland ist die erste Kultur seit der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts bekannt. 
Subspontan findet sich die Sippe heute in vielen warmen Teilen der Erde, im Gebiet nur ehemals vorübergehend für Nordrhein-Westfalen (Hand & Thieme 2023) angegeben.
 

Citrus medica

Vom westlichen Himalaya bis Myanmar ist die Zitronatzitrone, Citrus medica, beheimatet.
Zitronatzitronen gelten als die ersten auf dem europäischen Kontinent angebauten Zitrusfrüchte. Sie ist zusammen mit der Mandarine und der Pampelmuse eine der drei ursprünglichen Arten der Zitrusfrüchte. Sie wird zum größten Teil zu Zitronat verarbeitet, das u.a. als Backgewürz dient. 
Subspontan wird die Art 1932 für die Kläranlage Leipzig-Rosental in Sachsen (Gutte 2006) angegeben. 

Quellen

Dörr E. & Lippert W. (2004): Flora des Allgäus und seiner Umgebung Band 2 – IHW-Verlag Eching, 752 S.

Fiedler O. (1944): Die Fremdpflanzen an der Mitteldeutschen Großmarkthalle zu Leipzig und ihre Einschleppung durch Südfruchttransporte 1937-1942 – Hercynia 3 (7/8): 608-660.

Forstner W. & E. Hübl (1971): Ruderal-, Segetal-und Adventivflora von Wien – Verlag Notring, Wien.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Gutte P. (2006): Flora der Stadt Leipzig, einschließlich Markkleeberg – Weißdorn-Verlag, Jena, 278 S.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm



Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Mabberley D. J. (2004): Citrus (Rutaceae): a review of recent advances in etymology, systematics and medical applications - Blumea. 49, 2/3, S. 481–498.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Thellung A. (1907): Funde von seltener verwildernden Zier- und Nutzpflanzen im Gebiet der Flora von Freiburg i. B. – Allgemeine botanische Zeitschrift für Systematik, Floristik, Pflanzengeographie – 13: 60.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Walter J., Essl F., Niklfeld H. & Fischer M. A. (2002): Gefäßpflanzen. – In: Essl F. & Rabitsch W.: Neobiota in Österreich: 46–173. – Wien: Umweltbundesamt.