Capsicum

Paprika, Nachtschattengewächs, Solanaceae

Gattung:

Capsicum umfasst etwa 42 Arten (Kew 2022) im tropischen Süd- und Mittelamerika. Mannigfaltigkeitszentrum sind die östlichen Andenhänge in Bolivien und das angrenzende Brasilien (Chiou & Hastorf 2014).
 

Capsicum annuum 

Paprika, Chili,
Capsicum annuum  
Nachtschattengewächs, Solanaceae

 

Steckbrief:

30−100 cm hohe Mehrjährige, die meist einjährig kultiviert wird, mit länglich-lanzettlichen, ganzrandigen Blattspreiten und weißen, oft hängenden Blüten. Staubfäden weiß, Staubbeutel blau. Frucht vielgestaltig, länglich, kuglig oder kegelförmig, 5−25 cm lang, je nach Sorte grün, gelb oder rot. Blütezeit Juni bis August.
Verwechslungsmöglichkeit: Ähnlich auch „Capsicum frutescens“, mit braunen Staubfäden, kleineren und fast immer roten Früchten. Nachdem diese Sippe aber keine durchgehenden Merkmale hat ist sie nach neueren Untersuchungen wahrscheinlich besser in C. annuum zu inkludieren.
 

Name:

Die Benennung Chili geht direkt auf den Ausdruck Chilli zurück, ein Wort aus der von den Azteken benutzten Nahuatl-Sprache für die Pflanze. Pfefferoni oder Spanischer Pfeffer als deutsche Benennungen kommen daher, dass Kolumbus glaubte, 1492 Indien erreicht zu haben und dass die scharfen Beeren, die die Einheimischen dort zum Würzen nutzten, die begehrten Pfefferschoten seien. Er nannte sie „Pimienta“, was spanisch Pfeffer bedeutet.
In der deutschen Sprache werden heute in der Regel die nicht scharfen Gemüsesorten als Paprika bezeichnet, während die scharfen Gewürzsorten Chili oder Pfefferoni (Peperoni) genannt werden.

 

Heimat:

Mittelamerika.
 

Nutzung:

Häufig und in vielen Sorten als Gemüse-, Zier- und Gewürzpflanze kultiviert. Obwohl die Art mehrjährig ist, wird sie in Kultur meist einjährig gezogen. Capsicum annuum wird seit etwa 6000 Jahren ausgelesen bzw. gezüchtet und wurde zuvor schon aus der Natur gesammelt. Nach Long-Solis (1998) im Hochland von Mittelmexiko bereits vor knapp 9000 Jahren kultiviert. Ausgangssippe war die var. glabriusculum (Jäger & al. 2008). Das Mannigfaltigkeitszentrum der Kulturformen liegt in Mexiko, Guatemala und Peru (Mansfeld 1986).
 

Ausbreitung:

1493 nach Europa gekommen. Durch die große Kolonialherrschaft Portugals verbreitete sich die Art schnell über die ganze Welt. Nach Nord- und Mitteleuropa gelangte der Paprika über Umwege auf den Balkan, wo er durch die Türken eingeführt wurde, die ihn wahrscheinlich wiederum aus portugiesischen Kolonien in Indien und Persien erhalten hatten. In Deutschland wird Paprika seit spätestens 1542 kultiviert (Hegi 1975). Lange Zeit wurde der Paprika in Nord- und Mitteleuropa nur als Zierpflanzen genutzt, erst Ende des 17. Jahrhunderts tauchten vereinzelt Anweisungen zur kulinarischen Nutzung der Früchte auf. Im 18. Jahrhundert wurde Gemüse mehr und mehr sauer eingelegt zubereitet. Durch den großflächigen Anbau in Ungarn als Gewürzpaprika und nach der Züchtung von mildem Gemüsepaprika fand die Pflanze auch bei uns zunehmend Interesse (Düll & Kutzelnigg 2022). Der gewerbsmäßige Anbau in Mitteleuropa begann erst Mitte des 20. Jahrhunderts (Jäger & al. 2008).
Capsicum annuum ist ausgesprochen vielfältig, nicht nur was Form und Farbe betrifft, auch was die Schärfe der einzelnen Sorten betrifft. Ausschlaggebend dafür ist der Gehalt an Capsaicin. Während Gemüsepaprika nahezu kein Capsaicin enthält (0 SCU auf der Scoville-Skala), haben Jalapeños einen Wert von 2500–8000 SCU und Cayenne und die Wildform Chiltepin als Schärfe-Spitzenreiter unter Capsicum annuum, einen Wert von 30.000–50.000 SCU. Pfefferspray, der entgegen seines Namens nicht Bestandteile von Pfeffer, sondern von Chili enthält, hat 100.000−200.000 CSU (Düll & Kutzelnigg 2022).
Von den hunderten Capsicum-Sorten, einer Schätzung zufolge sollen etwa 3500 Sorten existieren, gehen die meisten auf C. annuum zurück. `Tabasco´ ist die wichtigste Sorte, die auf „Capsicum frutescens“ (= C. annuum) zurückgeht und `Habanero´ die wichtigste Sorte, die auf Capsicum chinense zurückgeht. Letztere Art kommt entgegen ihrem Namen nicht aus China, sondern ebenfalls aus Mittel- und Südamerika.
Paprika tritt im Gebiet selten subspontan auf, besonders auf Deponien und bei Kläranlagen. Ähnlich wie bei der Tomate werden Samen über Gartenabfälle oder Vorfluter verschleppt.
 
DEUTSCHLAND:
Unbeständig in Stuttgart, Hohenheim, Eichenberg und Obermooweiler in Baden-Württemberg (Böcker & al. 2017, Dörr & Lippert 2004), bei Bamberg, Heinersgrund, Oberstdorf, Buxheim und Schongau in Bayern (Meierott 2008, Breitfeld & al. 2017), Berlin (Hand & Thieme 2023), Frankfurt am Main in Hessen (Lotz 1998, Hand & Thieme 2024), Jever in Niedersachsen (Sprenger 2016), Fröndenberg-Ostbüren und Bonn-Godesberg in Nordrhein-Westfalen (Mieders 2006, Gorissen 2015), 1903 bei Speyer in Rheinland-Pfalz (Vollmann 1914, Hand & Thieme 2023) und Gunzen, Dresden und Weida in Sachsen (Breitfeld 2021, Hardtke & al. 2013). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte 1967 am Müllplatz Oberstdorf (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
Kärnten (Hartl & al. 1992, Glaser & al. 2025), 1987 in Asten, 2011 auf Klärschlamm in Höft bei Braunau und 2018 am Autobahn-Rastplatz Andiesen, Gemeinde St. Marienkirchen bei Schärding in Oberösterreich (Walter 1992, Hohla 2011, Hohla 2022), Deponie Siggerwiesen und Köchelstraße in Salzburg (Hohla 2011) und Nordmanngasse in Wien (Adler & Mrkvicka 2003). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1960 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ:
1914 in Birsfelden und 1918 bei Ruchfeld in Basel-Landschaft (Hegi 1975, Brodtbeck & al. 1998), mehrfach im Kanton Genf (Infoflora 2024), 1918 in Solothurn (Thellung 1919, Hegi 1975), St. Gallen (Infoflora 2024), im südlichen Tessin (Infoflora 2024), 1914 bei Fully im Wallis (Hegi 1975) und Stallikon im Kanton Zürich (Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch seit 1905 in Belgien (Seebens & al. 2017, Verloove 2021), seit 1923 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1988 in Litauen (Seebens & al. 2017), seit 1972 in Portugal (Seebens & al. 2017), seit 1924 im europäischen Russland (Seebens & al. 2017), seit 1930 in Großbritannien (Seebens & al. 2017) und seit 1936 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 

Quellen

Adler W. & Mrkvicka Ch. (2003): Die Flora von Wien - gestern und heute – Verlag des Naturhistorischen Mus. Wien, 831 S.

Barboza G.E. (2022): Monograph of wild and cultivated chili peppers (Capsicum L., Solanaceae). – PhytoKeys 200: 1–423.

Böcker R., Hofbauer R., Maass I., Smettan H. & Stern F. (2017): Flora Stuttgart; 732 S.

Breitfeld M. (2021): Flora der Westabdachung des Erzgebirges – Die Pflanzenwelt zwischen Adorf, Markneukirchen, Schöneck und Klingenthal. 294 S.

Breitfeld M., Hertel E., Horbach H.-D. & W. Wurzel (2017): Flora von Bad Berneck und Umgebung, die Pflanzenwelt zwischen Ochsenkopf und Maintal – 501 S.

Brodtbeck T., Zemp M., Frei M., Kienzle U. & D. Knecht (1998): Flora von Basel und Umgebung, vor 1950/60 nachgewiesene Adventivarten. Band 3. — Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaften beider Basel.

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Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

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Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
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Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


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Hohla M. (2011): Zwei Funde der Kleinen Seerose (Nymphaea candida) sowie weitere Beiträge zur Kenntnis der Flora von Oberösterreich - Stapfia 95: 141–161

 



Hohla M. (2022): Flora des Innviertels – Stapfia 115, 720 S., unter besonderer Mitwirkung von F. Grims†, R. Krisai†, P.A.Kraml, S. Kellerer, G. Kleesadl, G. Pflugbeil, P. Pilsl, J. Samhaber, C. Schröck, J.A. Stemper, O. Stöhr & W. Zahlheimer.

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Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

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