Canna

Blumenrohr, Blumenrohrgewächs, Cannaceae

Gattung:

Canna umfasst etwa 12 amerikanische Arten (Kew 2022), die ursprünglich im (sub-) tropischen Amerika beheimatet sind.
 

Canna ×generalis

Garten-Blumenrohr,
Canna ×generalis (inkl. Canna indica)
Blumenrohrgewächs, Cannaceae
 

Steckbrief:

Bis zu 1,2 m hohe Staude mit einer unterirdischen Knolle als Überdauerungsorgan. Blätter breit-lanzettlich bis länglich-eiförmig, bis 60 cm lang, wechselständig. Blüten asymmetrisch, mit 3 Kelch- und 3 Kronblättern, gelb, rot, orange oder rosa gefärbt. Blütezeit Juni bis Oktober.
 
 

Name:

Der Artbeiname indica der Ausgangsart C. indica verweist auf die vor Mittel- und Südamerika gelegenen Westindischen Inseln in der Karibik. Der Name stammt von Carolus Clusius (1526−1609), der Pflanzen von der Karibik erhielt (Ecluse 1576).
 

Heimat:

Canna indica ist in Mittel- und Südamerika von Mexiko bis Argentinien beheimatet.
 

Anmerkung:
Bei den gärtnerischen Hybriden, Canna ×generalis, handelt es sich um Hybriden von Canna indica mit Canna glauca bzw. Canna iridiflora. Subspontane Vorkommen sind, genauso wie Kultivare, den Ausgangsarten meist nicht genau zuordbar, daher werden hier alle subspontanen Blumenrohr-Vorkommen unter Canna ×generalis behandelt.
 

Nutzung:

Zierpflanze, gegenwärtig sind rund 1000 Sorten eingetragen. In den Tropen und Subtropen auch als Nahrungspflanze. Die Stärke in den Rhizomen ist leicht verdaulich und wird deshalb als Kranken- und Kindernahrung genutzt. Die Art wurde schon lange vor der Zeitwende von Indigenen der östlichen Anden kultiviert. Abbildungen auf Töpferwaren, die aus der Zeit von 2500 v. Chr. datiert worden sind, deuten darauf hin. Heute spielt sie in Amerika als Nahrungspflanze kaum mehr eine Rolle. Sie wird aber in Australien der Stärke wegen angebaut und kommt als „Queensland Arrowroot“ in den Handel. Ihr Geschmack ähnelt dem von Süßkartoffeln. In Asien wird die Stärke zur Produktion von Glasnudeln verwendet.
 
 

Ausbreitung:

Canna indica wurde um 1570 von portugiesischen und spanischen Seefahrern in Europa als Zierpflanze eingeführt. Um das Jahr 1658, nach anderen Angaben erst um 1730 (Jäger & al. 2008) kam Canna glauca nach Europa, später dann C. iridiflora und um 1825 Canna flaccida. Durch Auslesen und Einkreuzungen entstanden ab 1890 zahlreiche Sorten.
DEUTSCHLAND:
Unbeständig durch Gartenauswurf, so 2014 und 2015 in Mannheim in Baden-Württemberg (Junghans 2017), 2006 in Bayreuth-St. Johann und um Bamberg in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott 2008) und 2013 am Pollersberg, 2014 bei Obersohl und 2016 im Haarbachtal bei Landwüst im Erzgebirge in Sachsen (Breitfeld 2021). Die Sippe ist in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) für Baden-Württemberg nicht angegeben.
ÖSTERREICH:
2011 in Schalchen im Kobernaußerwald in Oberösterreich auf einem Erdhaufen in einer ehemaligen Schottergrube sowie an einigen weiteren Orten in Oberösterreich in den Folgejahren (Hohla 2011, Hohla 2022), im Flachgau Salzburgs (Pflugbeil & Pilsl 2013) und 2021 am Straßenrand in Dölsach in Osttirol (Stöhr 2021). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2011 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Seit 1992 subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 2013 in Albanien (Seebens & al. 2017), seit 1992 auf Korsika (Seebens & al. 2017) und in Ungarn (W. Kundigraber, pers. Mitteilung 2022). In den Altwelt-Tropen gilt das Blumenrohr örtlich als eingebürgert (Jäger & al. 2008).

 

Quellen

Breitfeld M. (2021): Flora der Westabdachung des Erzgebirges – Die Pflanzenwelt zwischen Adorf, Markneukirchen, Schöneck und Klingenthal. 294 S.

Ecluse C. (1576): Histoire des plantes rare observées en Espagne

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hohla M. (2011): Zwei Funde der Kleinen Seerose (Nymphaea candida) sowie weitere Beiträge zur Kenntnis der Flora von Oberösterreich - Stapfia 95: 141–161

Hohla M. (2022): Flora des Innviertels – Stapfia 115, 720 S., unter besonderer Mitwirkung von F. Grims†, R. Krisai†, P.A.Kraml, S. Kellerer, G. Kleesadl, G. Pflugbeil, P. Pilsl, J. Samhaber, C. Schröck, J.A. Stemper, O. Stöhr & W. Zahlheimer.

Jäger E. J., Ebel F., Hanelt P. & Müller G. K. (2008): In: Rothmaler, Exkursionsflora von Deutschland, Band 5, Spektrum, 874 S.

Junghans T. (2017):  Erster Nachweis des Breitblättrigen Starndflieders, Limonium latifolium, in Baden-Württemberg und weitere bemerkenswerte Pflanzenfunde im Raum Mannheim – Mitteilungen des badischen Landesvereins für Naturkunde und Naturschutz 23 (1/2): 85-104, 213-232.



Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Meierott L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.

Pflugbeil G. & Pilsl P. (2013): Vorarbeiten an einer Liste der Gefäßpflanzen des Bundeslandes Salzburg, Teil 1: Neophyten - Mitt. Haus der Natur 21: 25–83.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Stöhr O. (2021): Canna in Dölsach (Osttirol) - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=10&t=3255

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be