Campsis

Trompetenwinde, Trompetenrankengewächs, Bignoniaceae

Gattung:

Campsis umfasst 2 Arten (Kew 2022), von denen eine in Nordamerika (C. radicans) und die andere in China (C. grandiflora) beheimatet ist.
 

Campsis radicans

Amerikanische Trompetenwinde,
Campsis radicans hort.
Trompetenbaumgewächs, Bignoniaceae

 

Steckbrief:

2–8 m hohe, sommergrüne, verholzte Liane mit Haftwurzeln. Blätter gegenständig, unpaarig gefiedert mit 7–11 eilanzettlichen, zugespitzten, gesägten, oberseits glänzenden, unterseits auf den Nerven behaarten Blättchen. Blüten trompetenförmig, Krone 5–7 cm lang, orange bis orangerot, am Ende der einjährigen Triebe. Kelch etwa 1,5 cm lang, bis zu einem Drittel eingeschnitten. Kapselfrüchte 8–18 cm lang, anfänglich glänzend hellgrün, mit zahlreichen geflügelten Samen. Blütezeit Juli bis September.
Verwechslungsmöglichkeit: Die ebenfalls kultivierte, bisher im Gebiet aber nicht subspontan aufgefundene China-Trompetenwinde, Campsis grandiflora, hat einen tief fünfspaltigen Kelch mit fast 2 cm langen Kelchzähnen.
 

Nutzung:

Ziergehölz. In mehreren Sorten, so `Flava´ (vor 1969) mit gelben Blüten und `Flamenco´ (vor 1988) mit orangeroten Blüten. Die häufig kultivierte Campsis ×tagliabuana `Mme. Galen´ ist eine 1889 entstandene Hybridauslese aus Campsis radicans und Campsis grandiflora (Bärtels & Schmidt 2014). Die Art ist stadtklimafest und rauchhart (Bruns 2009).
 
Anmerkung 1:
Campsis radicans lebt in Symbiose mit Ameisen, welche sie gegen Fressfeinde verteidigen. Diese werden dafür im Gegenzug mit Nektar belohnt, der aus den Nektarien an den Blattansätzen ausgeschieden wird.
Anmerkung 2: 
Um das Jahr 1900 verwendete die New Yorker Firma Tiffany die Farben und Formen der Blätter und Blüten von Campsis radicans beim Entwurf einer Stehlampe. Ein Exemplar dieser Lampe erzielte bei einer Auktion des New Yorker Auktionshaus Christie´s am 8. Dezember 2009 einen Preis von 794.500 US $.
 

Ausbreitung:

Beheimatet in den zentralen und östlichen USA. Um das Jahr 1620 aus den damaligen französischen Kolonien in Nordamerika nach Paris gekommen, von wo aus ihre weitere Verbreitung am Kontinent begann. Etwa um 1640 ist sie aus Deutschland bekannt, vom herzoglich braunschweigischen Garten zu Hessem (Krausch 2003). Gegenwärtig im Gebiet häufig kultiviert und sehr selten subspontan zu finden. Bei den subspontanen Funden ist oft nicht klar, ob es sich um C. radicans s.str. oder C. ×taglibuana handelt, daher wird die Art hier als C. radicans hort. inkl. der Gartenhybride geführt.
DEUTSCHLAND:  
Ganz vereinzelt, so 2012 in Stuttgart in Baden-Württemberg (Böcker & al. 2017), in Bayern 2006 Jungpflanzen im Bamberger Hafen im Gleisschotter (Meierott 2008), Bremerhaven in Bremen (Cordes & al. 2006), Frankfurt-Griesheim in Hessen (Kasperek 2009), Oldenburg und 1942 in Osterholz-Scharmbeck in Niedersachsen (Weihe 1951, Hand & Thieme 2023) und in Wallen bei Linz am Rhein in Rheinland-Pfalz (Adolphi 1997, Hand & Thieme 2023).
ÖSTERREICH: 
Ganz vereinzelt, so im Nord-Burgenland (Fischer & Fally 2006, Stöhr in: Zernig & al. 2025), Prellenkirchen, 2024 Traiskirchen und Tribuswinkel in Niederösterreich (Nadler & Haug 2021, Sauberer & al. 2025), 2023 in der Kuferzeile Gmunden in Oberösterreich (Hohla 2023, Hohla & Király 2024) und 2024 in der Alten Hauptstraße Köflach in der Steiermark (Stöhr 2024, Stöhr in: Zernig & al. 2025) und Wien (Stöhr in: Zernig & al. 2025). Die Art ist in der aktuellen Neophytenliste für Österreich (Glaser & al. 2025) nicht angegeben.
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 2004 in Belgien (Verloove 2021), in Italien (Galasso & al. 2024) und seit 2010 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 

Quellen

Adolphi K. (1997): Neophytische Kultur- und Anbaupflanzen als Kulturflüchtlinge des Rheinlandes, 1. Nachtrag – Osnabrücker Naturwiss. Mitt. 23: 27–36.

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Böcker R., Hofbauer R., Maass I., Smettan H. & Stern F. (2017): Flora Stuttgart; 732 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Cordes H., Feder J., Hellberg F., Metzing D. & Wittig B. (ed., 2006): Atlas der Farn- und Blütenpflanzen des Weser-Elbe-Gebietes. – 512 S. (= Beihefte zum Jahrbuch der Wittheit zu Bremen 2). Bremen (Hauschild).

Fischer M.A. & Fally J. (2006): Die Gefäßpflanzen des Burgenlandes - burgenlandflora.at/wp-content/uploads/Fischer_Fally-2006_Gefäßpflanzen.pdf

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Galasso G., F. Conti, L. Peruzzi, A. Alessandrini, N. M. G. Ardenghi, G. Bacchetta, E. Banfi, G. Barberis, L. Bernardo, D. Bouvet, M. Bovio, M. Castello, L. Cecchi, E. Del Guacchio, G. Domina, S. Fascetti, L. Gallo, R. Guarino, L. Gubellini A. Guiggi, N. Hofmann, M. Iberite , P. Jiménez-Mejíase, D. Longo, D. Marchetti, F. Martini, R. R. Masin, P. Medagli, C. M. Musarella , S. Peccenini, L. Podda, F. Prosser, F. Roma-Marzio, L. Rosati, A. Santangelo, A. Scoppola, A. Selvaggi, F. Selvi, A. Soldano, A. Stinca, R. P. Wagensommer, T. Wilhalm & F. Bartolucci (2024): A second update to the checklist of the vascular flora alien to Italy – Plant Biosystems 158: 297−340.

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm



Hohla M. (2023): Die Amerikanische Trompetenwinde (Campsis radicans) - verwildert in Oberösterreich - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=10&t=3890#p23445

Hohla M. & G. Király (2024): Aloë vera, Baptisia australis und Ginkgo biloba neu für Österreich und weitere floristische Beiträge – Stapfia 118: 69-89.


Kasperek G. (2009): Fundmeldungen, Neufunde – Bestätigungen – Verluste – Botanik und Naturschutz in Hessen 22: 165–198.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Krausch H.-D. (2003): Kaiserkron und Päonien rot - Von der Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen – Dölling und Galitz-Verlag. 536 S.

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Meierott L. (2008): Flora der Haßberge und des Grabfeldes – Neue Flora von Schweifurt. 2 Bände, IHW-Verlag, Eching.

Nadler K. & Haug G. (2021):  Dorf-Flora Prellenkirchen (Niederösterreich) nebst Ergänzungen zur Scherrasenflora 2019 – Stapfia 112: 147-206.

Sauberer N., Prinz M. A. & Till W. (2025): Nachträge und Korrekturen zur Flora von Traiskirchen (V): Iris orientalis, Nicotiana sylvestris und weitere neue Arten für die Neophytenflora von Österreich und Niederösterreich. Biodiversität und Naturschutz in Ostösterreich - BCBEA 8/2: 102–114.


Stöhr O. (2024): Die Amerikanische Trompetenwinde (Campsis radicans) - verwildert in Oberösterreich - Forum Flora Austria (flora-austria.at) 

Stöhr O. (2025) in: Zernig K., N. Griebl, G. Kniely, W. Kundigraber, S. Leonhartsberger, M. Pöltl & O. Stöhr: Bemerkenswertes zur Flora der Steiermark 12 - Natura Styriaca 1: 271−283.


Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Weihe K. (1951): Floristische Notizen aus dem Gebiet der nordwestdeutschen Flora I – Abhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen 32: 415-436.