Calibrachoa

Zauberglöckchen, Nachtschattengewächs, Solanaceae

Gattung:

Calibrachoa umfasst etwa 30 amerikanische Arten (Kew 2022) mit Mannigfaltigkeitszentren in Brasilien, Uruguay und Argentinien. Lange Zeit wurden die Arten der Gattung Calibrachoa zu Petunia gezählt. Durch Untersuchungen der verwandtschaftlichen Verhältnisse zwischen beiden Gattungen mit morphologischen und molekularbiologischen Methoden konnte festgestellt werden, dass beide Gattungen monophyletisch sind und die Aufteilung in zwei Gattungen gerechtfertigt ist (Watanabe 1999).
 

Calibrachoa ×hybrida 

Garten-Zauberglöckchen,
Calibrachoa ×hybrida  
Nachtschattengewächs, Solanaceae

 

Steckbrief:

Krautige Pflanze mit bis zu 50 cm langen Trieben und lanzettlichen bis elliptischen Blättern und farbkräftigen, zweiseitig-symmetrischen, trichterförmigen Blüten in verschiedenen Farben von rosa über rot, gelb bis orange und weiß. Blütezeit Mai bis Oktober.
Verwechslungsmöglichkeit: Petunien besitzen größere Blüten und wachsen ausladend. Zauberglöckchen tragen kleinere Blüten, wenn auch in großer Fülle. Sie bleiben kompakt und verzweigen sich stark. Petunia besitzen radiäre, allseitig-symmetrische Blüten. Calibrachoa bilden abgeflachte Trichter, die zygomorph sind (man kann die Blüte nur an einer Stelle durchschneiden, dass zwei gleich aussehende Hälften entstehen). Petunien duften, Zauberglöckchen riechen nicht. Petunia kleben, sie besitzen klebrige Drüsenhaare, Calibrachoa kleben nicht. Stimmen diese Merkmale nicht zusammen, handelt es sich um Hybriden aus Petunia × Calibrachoa.
 

Name:

Benannt zu Ehren des spanisch-mexikanischen Botanikers und Pharmakologens Antonio de la Cal y Bracho (1764−1833). Cal y Bracho war Professor der Pharmakologie (Burkhardt 2018).
 

Nutzung:

Kulturhybriden werden häufig als Zierpflanze für Balkonkästen, Tröge und Blumenrabatten genutzt. In mehreren Sorten, so etwa `Double Ruby´, `Trixi´ oder `Cherry Star´.
 

Ausbreitung:

DEUTSCHLAND:
Vorübergehend in Rauhenebrach-Fabrikschleichach in Bayern (Lippert & Meierott 2018), Goslar in Niedersachsen (Brandes 2016), 2019 Buscheyplatz in Bochum-Querenburg, 2022 auf Kies am Ruhrufer in Witten, 2023 in Duisburg-Altstadt in einer Pflasterritze am Innenhafen, 2023 im Gehsteig in Tönisvorst-St. Tönis und 2024 in Münster-Geistviertel in Nordrhein-Westfalen (Jagel 2020, BBV 2023, BBV 2024, BBV 2025) und 2021 in Wittdün auf Amrum in Schleswig-Holstein (Hebbel 2023). Die Art wird in der „Flora von Bayern“ (Klotz in Meierott & al. 2024) nicht erwähnt.
ÖSTERREICH:
2020 in Hörersdorf im Weinviertel Niederösterreichs (Lefnaer 2020, Glaser & al. 2025) und vorübergehend in Osttirol (Pagitz & al. 2023). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2020 (Glaser & al. 2025).
SCHWEIZ: ---

 
 

Quellen

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2023): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2022 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 14: 167-231.

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2024): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2023 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 15: 185-232.

BBV–Bochumer Botanischer Verein (2025): Beiträge zur Flora Nordrhein-Westfalens aus dem Jahr 2024 - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 16: 213-258.


Brandes D. (2016): Spontane Flora der Altstadt von Goslar – Braunschweiger Geobotanische Arbeiten 10: 101–121.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen_2018_teil_1.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2024): The second Austrian checklist of alien vascular plants – Preslia.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hebbel J. (2023): Bemerkenswerte Neophytenfunde in Schleswig-Holstein (2018 –2022). – Kieler Notizen Pflanzenkd. 47: 115–159.



Jagel A. (2020): Flora von Bochum – Bochumer Botanischer Verein https://www.botanik-bochum.de/flora/Flora_Bochum_Jagel.pdf

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lefnaer S. (2020): Calibrachoa parviflora cf. - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=4&t=2618&p=14060&hilit=Calibrachoa+%C3%97hybrida#p14026

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Pagitz K., O. Stöhr, M. Thalinger, I. Aster, M. Baldauf, C. Lechner-Pagitz, H. Niklfeld, L. Schratt-Ehrendorfer & P. Schönswetter (2023): Rote Liste und Checkliste der Farn- und Blütenpflanzen Nord- und Osttirols – Natur in Tirol, Band 16.

Watanabe H. (1999): Three Groups of Species in Petunia sensu Jussieu (Solanaceae) inferred from the intact seed morphology - American Journal of Botany 86/2: 302–305.