Calandrinia

Calandrinie, Quellkrautgewächs, Montiaceae

Gattung:

Calandrinia umfasst etwa 37 amerikanische Arten (Kew 2022) mit Mannigfaltigkeitszentrum in den südamerikanischen Anden.
 

Calandrinia ciliata

Bewimperte Calandrinie,
Calandrinia ciliata s.l. (inkl. C. menziesii)  
Quellkrautgewächs, Montiaceae

 

Steckbrief:

10−30 cm hohe, zerstreut bis mäßig dicht behaarte Einjährige mit schmal linealischer bis verkehrt schmal-eilanzettlicher, leicht sukkulenter Laubblattspreite. Blüten kurz gestielt bis fast sitzend, mit 2 breit-eilanzettlichen Kelchblättern und 5 ca. 1 cm langen, purpurrosa Kronblättern. Samen 1–2,5 mm lang, schwarz, glänzend, elliptisch und abgeflacht. Blütezeit Juli bis September.
 

Name:

Zu Ehren des Schweizer Naturwissenschaftlers, genauer Physikers und Astronoms Jean-Louis Calandrini (1703−1758), benannt. Calandrini war Professor der Mathematik, später der Philosophie in Genf, befasste sich mit dem Nordlicht, den Kometen und Blitzen und arbeitete über sphärische Geometrie (Burkhardt 2018).
 

Heimat:

Westliches Nord- bis Südamerika von British Columbia in Kanada bis ins südliche Chile.
 

Nutzung:

Selten in Blumenmischungs-Aussaaten mit einjährigen Zierpflanzen enthalten. Die Samen wurden/werden von indigenen Völker gesammelt, geröstet und als „Pinole“ gegessen.
 

Ausbreitung:

Verwildert aus Blumenaussaaten oder als Verunreinigung von Rasensaatgut (Walter & Gruber 2019).
DEUTSCHLAND:
1909 auf Schutt in Bamberg in Bayern (Vollmann 1914, Harz 1914, Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024 sub C. menziesii).
ÖSTERREICH:
2007 subspontan in einer Rasenansaat in Salzburg Stadt (Walter & Gruber 2019).
SCHWEIZ:
1915 vorübergehend bei Bellach in Solothurn (Hegi 1979).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), Finnland (Nilson 2001), den Niederlanden (FLORON 2021) und Großbritannien (Clement & Foster 1994).

 
Weitere Art:

Calandrinia pilosiuscula

In Chile ist die Chile-Calandrinie, Calandrinia pilosiuscula (inkl. C. compressa), beheimatet. Sie ist gelegentlich Bestandteil von Wildblumenmischungen und konnte u.a. in Berlin-Schlachtensee (Bolle 1865, Hand & Thieme 2023), Werder, Havelberg, Potsdam und Wrietzen in Brandenburg (Ascherson & Retzdorf 1904, Hegi 1979, Fischer 2017, Hand & Thieme 2023), Rostock, Schwerin, Grabow und Zarrentin in Mecklenburg-Vorpommern (Brockmüller 1880, Fukarek & Henker 2005), 1955 und 1959 in Leipzig in Sachsen (Hegi 1979, Hand & Thieme 2023) und 1973 im Elbhafen Magdeburg in Sachsen-Anhalt (Hegi 1979, Hand & Thieme 2023) unbeständig gefunden werden.
 
Dazu schreibt Bolle (1865): „Bereits im Jahre 1860 fand ich beim Forsthause Schlachtensee (Berlin), sowohl im Gartenlande und an den Zäunen desselben, als auch an einer nahen Stelle des gegenüberliegenden Kiefernwaldes zahlreich eine Calandrinia, welche ursprünglich daselbst vielleicht als Zierpflanze kultiviert sein mochte, wozu sie sich freilich ihrer kleinen, unscheinbaren Blüten halber kaum eignet, während sie jetzt gewissermaßen als Unkraut auftrat. Einer Mitteilung des Herrn F. Reinhardt zufolge findet sich die Species auch im Gartenlande der ehemaligen landwirtschaftlichen Akademie zu Möglin, wo sie zu einem förmlichen Unkraut geworden ist.“
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), den Niederlanden (FLORON 2021), Dänemark (Hegi 1979) und 1853 in Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 

Quellen

Ascherson P. & Retzdorff W. (1904): Übersicht neuer, bez. neu veröffentlichter wichtiger Funde von Gefäßpflanzen des Vereinsgebietes aus den Jahren 1902 und 1903. – Verh. Bot. Ver. Prov. Brandenbg. 46: 227–243.

Bolle C. (1865): Kleine Nachträge zu Ascherson´s Flora – Verhandlungen des Botanischen Vereins für die Provinz Brandenburg 7: 15-29.

Brockmüller H. (1880): Verwilderte Pflanzen bei Schwerin nebst allgemeinen Bemerkungen über Pflanzenwanderung – Archiv des Vereins der Freunde der Naturgeschichte in Mecklenburg 34: 1-93.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen_2018_teil_1.pdf

Clement E. J. & Foster M. C. (1994): Alien plants oft he British Isles – London: Botanical Society of the British Isles. 591 p.

Fischer W. (2017): Flora der Prignitz – Verhandlungen des Botanischen Vereins von Brandenburg und Berlin, Beiheft 8 – Natur & Text, 484 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Fukarek F. & Henker H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz Henker und Christian Berg, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf



Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Harz K. (1914): Flora der Gefäßpflanzen von Bamberg. – Ber. Naturforsch. Ges. Bamberg 22: 1-327.

Hegi G. (1979): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 3 (Teil 2). 3.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 453–1264.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Nilson Ö. (2001): 42. Portulacaceae. – In Jonsell B. & Karlsson T. (Eds.): Flora Nordica 2: 73–83. – Stockholm: The Bergius Foundation. The Royal Swedish Academy of Sciences.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be

Vollmann F. (1914): Flora von Bayern – Ulmer-Verlag, Stuttgart, 840 S.

Walter J. & Gruber J. (2019): Calandrinia ciliata, in: Floristische Neufunde (305–375) - Neilreichia 10: 197–274.