Cabomba

Haarnixe, Haarnixengewächs, Cabombaceae

Gattung:

Cabomba umfasst etwa 6 amerikanische Arten (Kew 2022) mit Mannigfaltigkeitszentrum in Brasilien.
 
 

Cabomba caroliniana 

Karolina-Haarnixe,
Cabomba caroliniana 
Haarnixengewächs, Cabombaceae

 

Steckbrief:

Meist 1–2 m lange, untergetaucht wachsende, ausdauernde Wasserpflanze mit fein zerteilten, gegenständigen oder in dreizähligen Quirlen angeordneten Unterwasserblättern. Blattspreiten mit linealischen bis leicht spatelförmigen Endzipfeln. Blüten weiß, blassgelb oder purpurn, 6–15 mm im Ø, lang gestielt, einzeln über der Wasseroberfläche stehend. Nagel an der Basis tiefgelb, zur Spitze hin verblassend. Kelchblätter 3, elliptisch bis verkehrt eiförmig, 5–12 mm lang, 2–7 mm breit. Blüten mit (3–) 6 Staubblättern und (2)3(4) bauchigen Fruchtblättern. Blütezeit Juni bis September.
 

Nutzung:

Aquarienpflanze, in mehreren Auslesen wie etwa `Silbergrüne´ mit gedrehten Blattsegmenten im Pflanzenhandel. Für die Aquaristik vermehrt wird sie vor allem in Asien. In wärmeren Gebieten wird die Art auch als Sauerstoffspender in Gartenteichen genutzt, ebenso zur Sanierung von mit Blei verunreinigten Gewässern. Sie fixiert Nährstoffe und kann daher in stark geschädigten oder veralgten Ökosystemen von Nutzen sein (Infoflora 2023).
 

Ausbreitung:

Beheimatet in drei Varietäten (caroliniana, flavida und paucipartita) in Nord- und Südamerika. In Mitteleuropa 1892 erstmals eingeführt (Nehring & Skowronek 2020) und über die Aquaristik weit verbreitet. Die Art bevorzugt weiche und schlammige Substrate und zeigt den besten Wuchs auf stark organischen Substraten. Der bevorzugte Temperaturbereich liegt zwischen 13–27 °C, wobei aber auch längere Frostereignisse unbeschadet überstanden werden (Wilson & al. 2007). Durch die Ausbildung von Turionen kann die Pflanze auch eine längere Eisbedeckung der besiedelten Gewässer überdauern und im Frühjahr wieder austreiben. Die Vermehrung im Gebiet erfolgt durch Abtrennung von Sprossbruchstücken.
Global gesehen bereitet die Art mancherorts Probleme, so in Australien, wo sie als invasive Pflanze Probleme bei der Wasserlagerung und -aufbereitung verursacht. Durch ihr schnelles und unkontrolliertes Wachstum verstopft sie Wasserleitungen und -reservoirs. Absterbende Pflanzenmasse und Fäulnis wirkt sich negativ auf die Aufbereitung von Trinkwasser aus. Auch ein negativer Einfluss auf die Tierwelt im nördlichen Queensland wurde verzeichnet (Weeds Australia 2021).
Cabomba caroliniana ist 2016 in die „Liste der unerwünschten Arten“ der EU aufgenommen worden (Nehring & Skowronek 2023). Auch in der Schweiz wurde sie aufgrund ihres Ausbreitungspotenzials in die „Schwarze Liste der invasiven Neophyten“ aufgenommen.
Untersuchungen laufen zur biologischen Bekämpfung der Art mittels des Stängelrüsselkäfers Hydrotimetes natans, der sich auf Cabomba spezialisiert hat und dessen Larven die Stängel abbauen (CABI 2021). Für seichte Gewässer werden hierzu auch Larven der Wassermotte Paracles sp. versuchsweise genutzt (Schooler & al. 2006). In Florida wurden Graskarpfen zur biologischen Bekämpfung eingesetzt (Hanlon & al. 2000).
DEUTSCHLAND:
Erstnachweis im Jahr 2006 im Rohrkolbensee im Naturschutzgebiet Teverener Heide in Nordrhein-Westfalen (Hussner & al. 2010). 2017 dann in einem Baggersee bei Höchstädt an der Donau im Lankreis Dillingen in Bayern gefunden (Lippert & Meierott 2018), wo sie große Bestände bildete und durch den Besatz von Karpen und Graskarpfen zu bekämpfen versucht wurde (Meierott & al. 2024). Nach Nehring & Skowronek (2020) auch in Rheinland-Pfalz.
ÖSTERREICH: 
In den 1960er-Jahren in den Abflüssen des Warmbads Villach in Kärnten (Melzer 1968, Fischer & al. 2008). Die Art wurde dort angesalbt und zeigte keine Ausbreitungstendenz (Essl & Rabitsch 2002), weshalb sie hier als Neophyt nicht geführt wird. 2010 in einem Schotterteich bei Teesdorf in Niederösterreich (Pall 2011). Ende der 1970er-Jahre auch in der Wiener Lobau, dort aber, genauso wie in Villach, gegenwärtig nicht mehr vorhanden (Pall 2011). Ein Vorkommen im Bundesland Wien wird in Glaser & al. (2025) als fraglich geführt.
SCHWEIZ:
In den Kantonen St. Gallen und Zürich (Infoflora 2023).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021), Belgien (Neobiota 2021), in Frankreich seit 2005 lokal eingebürgert (Infoflora 2023), seit 1969 in Großbritannien (Clement & Foster 1994, Seebens & al. 2017, Neobiota 2021), seit den 1980er-Jahren in Schweden (Seebens & al. 2017, Neobiota 2021) und in Ungarn (Neobiota 2021). In Australien seit 1967 (Cabi 2021), in China seit den 1980er-Jahren (Cabi 2021).
 

 

Quellen

BIB (2018): Botanischer Informationsknoten Bayern - http://daten.bayernflora.de

CABI (2021): Invasive Species Compendium - https://www.cabi.org/publishing-products/invasive-species-compendium/

Champion P.D., Clayton J.S. (2001): Border control for potential aquatic weeds. Stage 2. Weed risk assessment. – Science for Conservation 185. 30 p.

Clement E. J. & Foster M. C. (1994): Alien plants oft he British Isles – London: Botanical Society of the British Isles. 591 p.

Denys L., Packet J., Weiss L., Coenen M. (2003): Cabomba caroliniana (Cabombaceae) houdt stand in Holsbeek (Vlaams-Brabant, Belgie). – Dumortiera 80: 35-40.

Essl F. & Rabitsch W. (2002): Neobiota in Österreich. – Wien; 432 S.

EU-Liste (2022): Unionsliste invasiver Pflanzenarten EU-Liste der invasiven Arten: Erweiterte Fassung 2022 - NABU

Fischer M., Oswald K. & Adler W. (2008): Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol; 3., verb. Aufl. der „Exkursionsflora von Österreich“ (1994). – Linz: OÖ Landesmuseum; 1392 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hallstan S. (2005): Global warming opens the door for invasive macrophytes in Swedish lakes and streams. – MSc-Thesis, Department of Environmental Assessment, Swedish University of Agricultural Sciences, Uppsala, 50 S.

Hanlon S.G., Hoyer M.V., Cichra C.E. & D.E. Canfield (2000): Evaluation of macrophyte control in 30 Florida lakes using triploid grass carp. Journal of Aquatic Plant Management 38: 48-54.

Hussner A., Haese U., van de Weyer K. & Kröning P. (2010): Cabomba caroliniana Gray (Cabombaceae) – Neu für Deutschland, In: Floristische Rundbriefe, Heft 43: 17–23.

Infoflora (2023): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

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Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Lippert W. & Meierott L. (2018): Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Vorarbeiten zu einer neuen Flora von Bayern. 251 S.


Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Melzer H. (1968): Notizen zur Adventivflora von Kärnten. Carinthia II, 78 (158): 127—138.

Nehring S. & S. Skowronek. (2020): Die invasiven gebietsfremden Arten der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 –Zweite Fortschreibung 2019. –BfN-Skripten 574: 190 S.; Bonn-Bad Godesberg.

Nehring S. & S. Skowronek. (2023): Die invasiven gebietsfremden Arten der Unionsliste der Verordnung (EU) Nr. 1143/2014 - Dritte Fortschreibung 2022 (bsz-bw.de) BfN-Schriften 654-2023

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Pall K. (2011): Floristische Neufunde (99–123): Cabomba caroliniana: Neu für Niederösterreich – Neilreichia 6: 369–370.

Schooler S., Julien M., Walsh G.C. (2006): Predicting the response of Cabomba caroliniana populations to biological control agent damage. – Australian Journal of Entomology 45: 327-330.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Sipos V., Falusi E., Veit U., Kohler A. (2003): Ungarische Kanäle als artenreiche Pflanzenbiotope. In: Deutsche Gesellschaft für Limnologie, Tagungsbericht 2002 (Braunschweig): 258-262.

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Wilson C.E., Darbyshire S.J., Jones R. (2007): The biology of invasive alien plants in Canada. 7. Cabomba caroliniana A. Gray. – Canadian Journal of Plant Science 87: 615-638.