Buddleja

Sommerflieder, Braunwurzgewächs, Scrophulariaceae

Gattung:

Buddleja umfasst etwa 113 Arten (Kew 2022) in Amerika, Asien und Afrika. Die Gattung hat eine wechselvolle Geschichte der systematischen Einordnung hinter sich. Gegenwärtig wird sie in die völlig neu gefasste Familie der Braunwurzgewächse gestellt.
 

Buddleja davidii 

Echter Sommerflieder,
Buddleja davidii 
Braunwurzgewächs, Scrophulariaceae

 

Steckbrief:

Bis 4 m hoher, laubwerfender Strauch mit gegenständig angeordneten, lanzettlichen, lang zugespitzten, am Rand gesägten und unterseits graufilzigen Blättern. An den Zweigenden bis zu 30 cm lange Blütenstände aus zahlreichen duftenden, lila bis violetten, vierzähligen Blüten. Kronblätter zu einer ca. 1 cm langen, engen Kronröhre verwachsen mit ausgebreiteten Kronzipfeln. Blütezeit Juni bis September.
 

Nutzung:

Zierstrauch, in vielen Sorten von alphabetisch `Adokeep´ bis `White Wings´. Die Art ist trockenheitsverträglich, hitzefest, rauchhart und stadtklimafest (Bruns 2009). Die Blätter der Art enthalten geringe Mengen des Flavonoids Linarin, einem Inhibitor des Enzyms Acetylcholinesterase. Dies bewirkt eine verlängerte Verweildauer des Neurotransmitters Acetylcholin im synaptischen Spalt zwischen zwei Nervenzellen. Aufgrund dieser Eigenschaft bestehen Hoffnungen, Linarin als ergänzende Komponente in der Alzheimer-Therapie einzusetzen.
Auch die Hybride mit dem südamerikanischen Kugel-Sommerflieder, B. globosa, wird in Sorten wie `Moonlight´ oder `Sungold´ gärtnerisch genutzt. Die Buddleja ×weyeriana genannte Hybride wurde 1914 vom britischen Milizoffizier William John Bates van de Weyer (1870−1946) ausgelesen und nach ihm selbst benannt (Böhlmann 2009).

 

Name:

Die Gattung ist zu Ehren des englischen Geistlichen und Botanikers Adam Buddle (1660−1715) benannt. Buddle lebte als Reverend in der Nähe von London, sammelte Pflanzen und war Spezialist für Laubmoose und Gräser. Sein penibel geführtes Herbar enthielt als eines der Ersten Kryptogamen (Burkhardt 2018). Die Art ist zu Ehren des französischen Geistlichen und Naturforschers Jean Pierre Armand David (1826−1900) benannt. David unterrichtete an Ordensschulen, war zunächst in Savona in Italien, dann ab 1860 in Peking. Er unternahm für das Muséum national d'Histoire naturelle in Paris weite, gefahrvolle und strapaziöse botanische und zoologische Sammelreisen in China, der Mongolei und in Tibet. 1874 kehrte er aus Gesundheitsgründen nach Frankreich zurück und lehrte dann in Paris (Burkhardt 2018).
 

Ausbreitung:

1869 entdeckte der französische Missionar und Chinaforscher Abbe Jean Pierre Armand David die Pflanze bei Mupin in den westchinesischen Gebirgen. Zusammen mit 250 anderen Pflanzenarten kehrte David 1874 nach Frankreich zurück. Saatgut einer besonders schönen Form des Sommerflieders schickte aber erst der Pater Jean Andre Soulie 1893 nach Europa. Aus dem Saatgut Soulie`s wuchsen in der Gärtnerei Vilmorin prächtige Pflanzen heran. Der Sommerflieder, auch Schmetterlingsstrauch genannt, eroberte schnell die Gärten Europas.
Bereits um 1920 werden Verwilderungen aus London gemeldet. Erste Verwilderungen aus dem Gebiet sind 1927 bei Lugano im Tessin und 1928 von einer Kiesbank im Rhein nachgewiesen (Essl & Walter 2005). Nach dem Zweiten Weltkrieg vollzog sich die Ausbreitung rascher, etwa auf den Trümmerstandorten von Berlin, Stuttgart und Köln. Ausgehend von den Schuttstandorten gelang dem Sommerflieder der Sprung auf Biotope wie Ödland, Brachen, Flussufer und Waldlichtungen.
Gegenwärtig ist Buddleja davidii in Siedlungsgebieten häufig und gedeiht dort spontan auf ungenutzten Flächen. In klimatisch begünstigten Naturräumen wie dem Oberrheingebiet, der Niederrheinischen Bucht, dem Neckarbecken und dem südlichen Tessin ist die Art eingebürgert. Außerhalb der Siedlungen blüht der Sommerflieder oft entlang von Bahngeleisen, an Ufern und in Auen, in Kiesgruben und Steinbrüchen, an Waldrändern und Lichtungen sowie auf Felsstandorten tieferer Lagen. Eine Pflanze kann pro Jahr mehrere Millionen Samen bilden, die als „Ballonflieger“ vom Wind verbreitet werden. Auf einem 35 cm langen Fruchtstand wurden knapp 100.000 Samen gezählt, die im Boden bis zu 40 Jahre lang keimfähig bleiben (Infoflora 2023). Die Art ist selbststeril, Fremdbestäubung ist notwendig.
Der „Schmetterlingsstrauch“ lockt zahlreiche Schmetterlingsarten an, die sich im Spätsommer, wenn die Zahl der Nahrungsquellen zurückgeht, von seinem Nektar ernähren. Zahlreiche Studien haben hierbei gezeigt, dass es sich ausschließlich um «Generalisten» handelt. Die «Spezialisten», d.h. die Mehrzahl der Schmetterlingsarten ernähren sich ausschließlich von spezifischen einheimischen Pflanzenarten. Da seine Blätter außerdem nicht den Raupen als Nahrungsquelle dienen, müssen die Schmetterlinge auf andere Pflanzenarten als Ablagemöglichkeit für ihre Eier zurückgreifen können. Die Auswirkungen des Schmetterlingsstrauchs sind daher gleich auf mehreren Ebenen negativ, da sein Nektar nur einen Teil der einheimischen Pflanzenarten ersetzen kann, die Bestäuber jedoch die einheimischen Pflanzen vernachlässigen und er sich außerdem auf Kosten der einheimischen Arten, die den Raupen als Nahrungsquelle dienen, ausbreitet (Infoflora 2023).

 
DEUTSCHLAND:
Weit verbreitet, vor allem im Bereich der großen Flusssysteme. Der Erstnachweis für Bayern erfolgte nach 1945 (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
In allen Bundesländern verwildert, so auch in den naturnahen Flussauen der Donau und Enns. Subspontan 1946 erstmals aus Salzburg und bald darauf aus Wien und Hainburg bekannt (Glaser & al. 2025). Nach anderen Angaben seit 1930 subspontan in Österreich (Seebens & al. 2017).
SCHWEIZ:
Nur wenige Jahre nach den ersten Pflanzungen im Schweizer Tessin berichtet Hegi (1927) von ersten Verwilderungen zwischen Lugano und Tesserete. Gegenwärtig weit verbreitet und häufig im gesamten Land, nur den hohen Gebirgsregionen fehlend (Infoflora 2023). Im Kanton Zürich um 1916 erstmals verwildert festgestellt (Wohlgemuth & al. 2020). In der Schweiz steht die Art auf der „Schwarzen Liste der invasiven Neophyten“. Auch in Liechtenstein, von wo die Pflanze bereits seit 1950 subspontan bekannt ist und auch gegenwärtig am Rheindamm in Menge vorkommt (Waldburger & al. 2003).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 2008 auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), seit 2010 in Albanien (Seebens & al. 2017), seit 1942 in Belgien (Seebens & al. 2017), den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1978 in Bulgarien (Seebens & al. 2017), seit 1895 in Frankreich (Seebens & al. 2017), seit 1957 in Irland (Seebens & al. 2017), seit 1911 in Polen (Seebens & al. 2017), seit 1989 in Portugal (Seebens & al. 2017), seit 1933 in Slowenien (Seebens & al. 2017), seit 1961 in Spanien (Seebens & al. 2017), seit mindestens dem Jahr 2000 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und subspontan seit 1942 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012). In Großbritannien sind etwa 83 % der Landesflächen-Quadranten mit subspontanem Sommerflieder bewachsen (Tallent-Halsell & Watt 2009).

 
Anmerkung:
In England gab es Versuche, die Keimung des Sommerflieders durch die großflächige Ausbringung von Wolligem Honiggras zu verhindern. Dies hatte aber monotone, wiederum unnatürliche Honiggrasflächen zur Folge.
Neuseeland ist eines der Länder, deren Flora und Vegetation am stärksten durch Neophyten verändert wird. Aus diesem Grund werden vor allem in diesem Land extreme Maßnahmen zur Bekämpfung von „Problempflanzen“ untersucht und umgesetzt. So wurden hier Cleopus japonicus-Rüsselkäfer in einigen stark betroffenen Gebieten ausgebracht. Die Tiere nehmen die Blätter von Buddleja davidii gerne als Nahrungsquelle an und fressen die Sträucher erfolgreich kahl. Die langfristigen Auswirkungen auf andere, in Neuseeland heimische Tiere und Pflanzen müssen aber noch abgewartet werden.
Für Gärten wird die vollständige Entfernung der abgeblühten Rispen empfohlen. Auch die Auspflanzung steriler Kultivare könnten die Ansprüche von Gartenliebhabern und Naturschützern unter einen Hut bringen, so etwa die (fast) sterilen Sommerflieder der „Chip-Serie“ oder die Sorten `Miss Ruby´ und `Blue Heaven´. In den USA haben einige Staaten ein Verbot für fruchtbare Sorten erlegt, weshalb hier besonders intensiv nach sterilen Sorten geforscht wird (Young-Mathews 2011).

 
Weitere Arten:

Buddleja alternifolia

Der Kaskaden-Sommerflieder, Buddleja alternifolia, stammt aus China. Er findet sich seit spätestens 1915 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014) und wird in der heimischen Gartengestaltung häufig als Ziergehölz genutzt, so in den Sorten `Argentea´ und `Unique´. Die Art ist trockenheitsverträglich und blüht am alten Holz (Bruns 2009)
 
Sehr selten im Gebiet subspontan, so 1990 für den Wernhaldepark Stuttgart in Baden-Württemberg (Schäfer 1992) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt. Subspontan u.a. seit 2011 auch in Tschechien (Pyšek & al. 2012).
 

Buddleja japonica

In Japan ist der Japanische Sommerflieder, Buddleja japonica, beheimatet. Er kam 1896 nach Europa (Stuart 1896) und wird im Gebiet aufgrund seiner wenig ansehnlichen Blütenstände nur sehr selten als Zierstrauch kultiviert. 
1931 wird er subspontan beim "Zigeunerlager" Köln-Sülz in Nordrhein-Westfalen (Hupke 1934) angegeben. Die Art wird in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht geführt.
 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Böhlmann D. (2009): Hybriden bei Bäumen und Sträuchern – Wiley-Vch-Verlag, Weinheim, 326 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/
verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen_2018_teil_1.pdf

Essl F. & Walter J. (2005): Ausgewählte Neophyten. In: Wallner R. (Hrsg.): Aliens. Neobiota in Österreich – Böhlau, Wien: 49–100.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hupke H. (1934): Adventiv- und Ruderalpflanzen der Kölner Güterbahnhöfe, Hafenanlagen und Schuttplätze – Wissenschaftliche Mitteilungen des Vereins für Natur- und Heimatkunde in Köln a. Rhein 1(3): 71-89.

Infoflora (2023): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Jörg E. (2017): Neophyt.ch – Invasive Neophyten: Sommerflieder, (Buddleja davidii) http://www.neophyt.ch/html/buddleja/buddleja.htm



Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Schäfer M. (1992): Floristisch-vegetationskundliche Kartierung im Nordwesten des Stuttgarter Innenstadtgebiets, des Landschaftsparks Wernhalde und einiger Klingen im Süden von Stuttgart – Diplomarbeit an der Universität Stuttgart. 144 Seiten.

Seebens H., Blackburn T. M., Dyer E. E., Genovesi P., Hulme P. E., Jeschke J. M., Pagad S., Pyšek P., Winter M., Arianoutsou M., Bacher S., Blasius B., Brundu G., Capinha C., Celesti-Grapow L., Dawson W., Dullinger S., Fuentes N., Jäger H., Kartesz J., Kenis M., Kreft H., Kühn I., Lenzner B., Liebhold A., Mosena A. (2017): No saturation in the accumulation of alien species worldwide. Nature Communications 8(2).

Stuart D. (2006): Buddlejas. RHS Plant Collector Guide. Timber Press, Oregon, USA. 

Tallent-Halsell N. G. & Watt M. S. (2009): The Invasive Buddleja davidii (butterfly bush). – Bot. Rev. 75: 292–325.

Waldburger E., Pavlovic V. & Lauber K. (2003): Flora des Fürstentums Liechtenstein – Haupt-Verlag Bern, 810 S.

Young-Mathews A. (2011): "Plant fact sheet for orange eye butterflybush (Buddleja davidii)" - Corvallis, Oregon: United States Department of Agriculture: Natural Resources Conservation Service.