Bergenia

Bergenia, Steinbrechgewächs, Saxifragaceae

Gattung:

Bergenia umfasst etwa 10 asiatische Arten (Kew 2022) mit Mannigfaltigkeitszentrum in den zentralasiatischen Gebirgen.
 

Bergenia crassifolia  

Dickblatt-Bergenie,
Bergenia crassifolia s.lat. (inkl. B. cordifolia)
Steinbrechgewächs, Saxifragaceae

 

Steckbrief:

10–40 cm hohe, langlebige, immergrüne Staude mit dickfleischigem, oberirdischem Rhizom. Blattspreite groß, rundlich bis oval, Ø 10–25 cm, mit eingesenkten Drüsen, Blattrand wellig gekerbt, unbehaart. Blütenstand doldenrispig, auf dickfleischigem, bogig aufsteigendem Stängel. Blüten nickend, purpurrosa, 5– oder 6-zählig, Kronblätter 1–1,2 cm lang, Staubblätter 10. Blütezeit März bis April.
 

Name:

Der Gattungsname ehrt den deutschen Arzt und Botaniker Karl August von Bergen (1704–1759). Bergen war ab 1731 Professor der Medizin und ab 1738 Professor der Botanik an der Viadrina in Frankfurt/Oder. Er betreute dort den Botanischen Garten und befasste sich auch mit zoologischen Themen. Er schrieb u.a. eine `Flora francofurtana´ sowie einen kuriosen Aufsatz über das Nashorn (Burkhardt 2018).
 

Nutzung:

Zierstaude. Meist werden Hybriden kultiviert, an denen neben B. crassifolia vor allem auch B. cordifolia, B. purpurascens, B. ciliata und B. stracheyi beteiligt sind. Im Pflanzenhandel finden sich einige Sorten, so `Winterglut´ mit im Herbst roten Blättern, `Oeschberg´ mit rotem, glänzenden Winterlaub und `Bressingham White´ mit weißen Blüten.
 
Anmerkung:
B. crassifolia und B. cordifolia sind zwei schwer zu unterscheidende Sippen, die von manchen Taxonomen als konspezifisch angesehen werden. Bei kultivierten Pflanzen und damit einhergehend auch bei subspontan auftretenden Pflanzen handelt es sich durchwegs um Kulturformen, bei denen eine genaue Zuordnung zu B. crassifolia oder B. cordifolia nicht möglich ist. Aus diesem Grund werden hier beide Sippen unter B. crassifolia s.lat. zusammengefasst, wie es auch namhafte Institutionen (z.B. Kew science 2024) handhaben.
 

Ausbreitung:

Beheimatet in den südsibirischen Gebirgen, im Amurgebiet und in Nordkorea. Auf seiner von 1733 bis 1743 dauernden Forschungsreise durch Sibirien fand der deutsche Botaniker Johann Georg Gmelin (1709–1755) die Pflanze im Altaigebirge und brachte sie nach St. Petersburg, von wo sie in den Botanischen Garten Uppsala kam und 1808 auch den Botanischen Garten Berlin erreichte. Von den Botanischen Gärten aus fand sie im 19. Jahrhundert Eingang in die allgemeine Gartenkultur (Krausch 2003).
DEUTSCHLAND: 
Gelegentlich subspontan, so in Mannheim in Baden-Württemberg (Junghans 2014 sub B. cordifolia, Hand & Thieme 2023), vor 1914 am Südabhang des Lindenberges bei Feuchtwangen, Bayreuth, Bindlach, Hermannshof, Bamberg und Bad Berneck in Bayern (Vollmann 1914, Lippert & Meierott 2014, Breitfeld & al. 2017, Breitfeld & al. 2021, Meierott & al. 2024), in Hessen (Hand & Thieme 2023 sub B. cordifolia), in einem Kiefernwald bei Bannetze im Landkreis Celle, Mascherode und Stöckheim bei Braunschweig in Niedersachsen (Langbehn 2017, Brandes 2003 sub B. cordifolia), Lülsdorf, Auerberg, Dransdorf, Duisdorf, Rüngsdorf, Dächelsberg Köln und Paderborn in Nordrhein-Westfalen (Sumser & al. 2015, Baruch 1922, Gorissen 2015 sub B. cordifolia), Schöneck, Krottenheide, Zwota, Brunndöbra, Klingenthal, Markneukirchen, Meißen, Schloss Eckberg bei Dresden, Reichenbach-Mylau, Rodewisch, Schneckenstein und Vogelherdhäuser in Sachsen (Büttner & al. 2007, Breitfeld 2021, Breitfeld 2016, Hardtke & al. 2013 sub B. cordifolia) und Schleswig-Holstein (Hand & Thieme 2023). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte vor 1914 bei Feuchtwangen (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH: 
Im Wald beim Friedhof nächst der Ruine Landsee im Burgenland (Traxler 1967, Glaser & al. 2025 sub B. cordifolia), Klagenfurt in Kärnten (Leute 1973, Glaser & al. 2025), Englhaming, Ampfenham und Frauschereck in Oberösterreich (Hohla 2022 sub B. ×hybrida), am Fuß des Rainberges, in der Eugen-Müller-Straße und Kravogelstraße in der Stadt Salzburg (Wittmann & Pilsl 1997, Pilsl & al. 2008), Tristach in Osttirol (Stöhr 2017), ehemals Tosters in Vorarlberg (Murr 1923–1926, Glaser & al. 2025) und an der Höhenstraße bei Kahlenberg in Wien (Adler & Mrkvicka 2003 sub B. cordifolia). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1923.
SCHWEIZ:
Vielfach um den Genfer See und Neuenburger See (Infoflora 2023), sonst vereinzelt, so etwa bei Isenthal im Kanton Uri (Flora-Uri 2018) und am Käferberg in Zürich (Landolt 2001). Im Kanton Zürich seit 1994 an mehreren Orten verwildert (Wohlgemuth & al. 2020). Auch in Liechtenstein subspontan, so einige Jahrzehnte in Vaduz (Waldburger & al. 2003).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 2007 auch in Belgien (Verloove 202, Seebens & al. 2017), seit 1998 in Litauen (Seebens & al. 2017), seit 1847 in Norwegen (Seebens & al. 2017), seit 2000 in Portugal (Seebens & al. 2017), in den Niederlanden (FLORON 2021) und in Tschechien (Pyšek & al. 2012).

 
Weitere Sippe:

Bergenia ×schmidtii

Aus den beiden zentralasiatischen Arten Bergenia ciliata × B. crassifolia ist die Schmidt-Bergenie, Bergenia ×schmidtii, entstanden. Sie wurde 1875 durch Carl Schmidt von Haage & Schmidt in Essen eingeführt und wird wie die Elternarten als immergrüne Zierstaude genutzt. 
Sie unterscheidet sich von B. crassifolia durch gezähnte, bewimperte Blattränder und konnte 1968 und 1969 im Teichtal bei Neusiedl am See im Burgenland vorübergehend gefunden werden (Melzer 1972, Glaser & al. 2025), ebenso 2022 in Traiskirchen in Niederösterreich (Sauberer & al. 2025), 2023 in einem Abflussgraben am Straßenrand in Neurath bei Stainz in der Steiermark (Griebl 2023) und ehemals in Wien (Forstner & Hübl 1971, Glaser & al. 2025). Eine Angabe 2004 von Putzenreuth in Bayern ist unklar (Meierott & al. 2024). Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021) und in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

Quellen

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