Bartsia

Bellardie, Sommerwurzgewächs, Orobanchaceae

Gattung:

Bartsia umfasst, inkl. Neobartsia und Bellardia, etwa 49 Arten mit Mannigfaltigkeitszentrum in Südamerika. Als Entstehungszentrum wird allerdings Afrika angenommen.
 

Bartsia trixago

Bunte Bellardie,
Bartsia trixago (Syn.: Bellardia trixago
Sommerwurzgewächs, Orobanchaceae

 

Steckbrief:

10–60 cm hoher, drüsig-klebriger, einjähriger Halbschmarotzer. Blätter gegenständig, lanzettlich, stumpf gesägt. Blüten mit weißer, meist rosa und gelb überlaufener Krone oder rein gelb, in dichten, 4-seitigen, ährenartigen Blütenständen. Kelch charakteristisch aufgeblasen, glockenförmig, mit 4 dreieckigen Zähnen. Fruchtkapsel kugelig, bespitzt, behaart. Blütezeit Mai bis Juli.  
 

Name:

Benannt zu Ehren des deutschen Botanikers und Arztes Johann Bartsch (1709–1738), einem engen Freund Linnès. Bartsch studierte u.a. in Leiden, half dort Linné bei dessen `Flora Lapponica´, ging auf dessen Empfehlung mit der niederländischen Ostindien-Kompanie nach Südamerika, starb aufgrund des Klimas und schlechter Behandlung schon 6 Monate nach Ankunft in Surinam in jungen Jahren. Außer seiner Dissertation über die Körpertemperatur des Menschen gibt es keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen, es sind aber 47 Briefe von ihm an Linné erhalten geblieben (Burkhardt 2018). Das Synonym ehrt den italienischen Botaniker und Mediziner Carlo Antonio Lodovico Bellardi (1751−1826), der vor allem an der Flora des Piemonts forschte.
 

Nutzung:

Keine.
 

Ausbreitung:

Beheimatet im weiten Mittelmeergebiet von den Kanaren bis in den Iran. Möglicherweise über Saatgutmischungen oder verunreinigtes Saatgut unbeständig eingeschleppt. Im Gebiet mit großteils alten Angaben.  
 
DEUTSCHLAND:
Sehr selten, so 1933 am Güterbahnhof Ulm in Baden-Württemberg (Müller 1935, Hand & Thieme 2023 sub Bellardia), 1965 auf einem Gütergleis am Hauptbahnhof in Lindau am Bodensee, 1937 am Güterbahnhof München-Süd und 1980 Feldweg bei Hechlingen in Bayern (Lippert & Meierott 2014, Dörr & Lippert 2004, BiB 2018, Meierott & al. 2024 sub Bellardia), 1926 im Hafen Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen (Bonte 1930, Hand & Thieme 2023 sub Bellardia), 1910 angegeben für den Hafen Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Zimmermann 1913, Hand & Thieme 2023 sub Bellardia) und ehemals in Leipzig in Sachsen (Fiedler 1936, Hand & Thieme 2023 sub Bellardia).  
ÖSTERREICH:
Ehemals in Kärnten (Hartl & al. 1992, Glaser & al. 2025 sub Bellardia) und mehrfach in der Göstinger Au bei Graz in der Steiermark (Melzer 1954, Glaser & al. 2025 sub Bellardia). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1954 (Glaser & al. 2025 sub Bellardia trixago).
SCHWEIZ: ---
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021). In Südafrika und Südamerika lokal eingebürgert (Hegi 1975 sub Bellardia).

 

Quellen

BIB (2018): Botanischer Informationsknoten Bayern - http://daten.bayernflora.de

Bonte L. (1930): Beiträge zur Adventivflora des rheinisch-westfälischen Industriegebietes. Verh. D. naturh. Ver. D. preuß. Rheinlande und Westfalens 86: 141−255.

Burkhardt L. (2018): Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen Teil 1 - https://www.bgbm.org/sites/default/files/ verzeichnis_eponymischer_pflanzennamen_2018_teil_1.pdf

Dörr E. & Lippert W. (2004): Flora des Allgäus und seiner Umgebung Band 2 – IHW-Verlag Eching, 752 S.

Fiedler O. (1936): Die Fremdpflanzen an der Mitteldeutschen Großmarkthalle zu Leipzig 1932–1936 und ihre Einschleppung durch Südfruchttransporte – Hercynia 1: 124–148.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


 



Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hartl H., Kniely G., Leute G.H., Niklfeld H. & M. Perko (1992): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Kärntens. — Klagenfurt, 451 S.

Hegi G. (1975): Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Band 6 (Teil 4). 3.Aufl. – Paul Parey, Berlin und Hamburg. 631 S.

Lippert W. & Meierott L. (2014) – Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Bayerische Botanische Gesellschaft, München, 407 S.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Melzer H. (1954): Zur Adventivflora der Steiermark I. – Mitteilungen des naturwissenschaftlichen Vereins für Steiermark 84: 103–120.

Müller K. (1935): Beiträge zur Kenntnis der eingeschleppten Pflanzen Württembergs - Mitteilungen des Vereins für Naturwissenschaften und Mathematik Ulm 21: 29-77.

Zimmermann F. (1913): 1. Nachtrag zur Adventiv- und Ruderalflora von Mannheim, Ludwigshafen– Pollichia 27-28: 1-44.