Asclepias

Seidenpflanze, Hundsgiftgewächs, Apocynaceae

Gattung:

Asclepias, exkl. Gomphocarpus, umfasst etwa 205 Arten (Kew 2022), die in Amerika und im tropischen Afrika beheimatet sind (Fishbein & al. 2011). Mehrere Arten werden in Europa als Zierpflanzen kultiviert (Knees 2000).
 

Asclepias syriaca 

Echte Seidenpflanze,
Asclepias syriaca
Hundsgiftgewächs, Apocynaceae

 

Steckbrief:

80–200 cm hohe, milchsaftführende Staude mit am Grunde verholztem Stängel. Blätter gegenständig, Spreite breit-lanzettlich bis eiförmig, 10–20 cm lang, unterseits dicht flaumig behaart. Blüten purpurn, lang gestielt, duftend. Kronblätter zurückgeschlagen, 5–10 mm lang, mit 3–5 mm langen, aufgerichteten, trübrosa Nebenkronblätter. Früchte grün, weichdornig, 10–15 cm lang, bis 3 cm breit. Samen schwarz, mit einem Haarschopf aus langen seidigen Haaren versehen. Blütezeit Juni bis August.
 
 

Nutzung:

Zier-, Arznei- und Bienenweidepflanze, versuchsweise auch als Faser- und Kautschuklieferant kultiviert. Die noch grüne Frucht wird aufgrund ihrer Ähnlichkeit mit Wellensittichen als Dekoration beispielsweise für Cocktailgläser genutzt. Dazu schneidet man die Frucht von der Pflanze, wobei der Stiel an der Balgfrucht verbleibt. An der kleineren Verdickung der Frucht werden von beiden Seiten zwei schwarze Punkte angeklebt, die die Augen imitieren. Man bedenke aber, dass alle Pflanzenteile giftigen Milchsaft enthalten (Nehring & Skowronek 2020).
 
Anmerkung: Die Blüten der Seidenpflanze können für verschiedene nektarsuchende Insektengruppen zu einer Falle werden, wenn die Tiere nicht kräftig genug sind, die Pollinien aus dem Gynostegium herauszuziehen. Sie bleiben dann mit ihren Beinen im Klemm-Mechanismus der Pollinien hängen, können sich nicht mehr befreien und verenden. So wurden im Gebiet u.a. Widderchen-Arten in ihrer misslichen Lage beobachtet (Münch & Englmaier 2018). Alleine aus diesem Grund ist eine Ausbringung der Pflanze als vermeintliche Bienenweide kontraproduktiv.
 

Ausbreitung:

Beheimatet im östlichen Nordamerika, nicht in Syrien, wie der botanische Artbeiname vermuten ließe. In ihrer Heimat ist die Art eine wichtige Futterpflanze für die Raupen des Monarchfalters, der das Gift der Pflanze aufnimmt und so weitgehend vor Fressfeinden geschützt ist. Seit 1629 in Europa in Kultur (Jäger & al. 2008), erstmals im fürstlich-braunschweigischen Garten zu Hessem kultiviert (Krausch & al. 1999). Bereits Braune (1797) schrieb, dass Asclepias syriaca „nunmehr in vielen Gärten vorkommt“ und „sich von selbst sehr stark vermehrt“. Gegenwärtig subspontan in fast allen Ländern des Gebiets, besonders in der Oberrheinebene, im Saarland, in Berlin, Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und im Schweizer Mittelland.
Die Art reproduziert sich sowohl generativ über flugfähige Samen, als auch vegetativ über tiefliegende Wurzelausläufer. Sie bildet Dominanzbestände mit Veränderung von Vegetationsstrukturen und konkurriert mit gefährdeten Arten auf Sandrasen. Die Art wurde 2017 in die EU-Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung aufgenommen (Nehring & Skowronek 2023) und steht auch in der Schweiz auf der „Schwarzen Liste der invasiven Neophyten“ (Wohlgemuth & al. 2020).

 
DEUTSCHLAND:
In fast allen Bundesländern verwildert bis eingebürgert, besonders in der Oberrheinebene, im Saarland und in Berlin, sonst sehr zerstreut. Der Erstnachweis für Bayern erfolgte 1851 bei Schleissheim (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
Gegenwärtig in allen Bundesländern und in Ausbreitung begriffen (Sengl & Rehorska 2017, Glaser & al. 2025), so beispielsweise bei Deutschkreuz, Eisenhüttl und Parndorf im Burgenland (Fally 2011), Dellach im Drautal und Klopeinersee-Gebiet in Kärnten (Essl 2008, Kniely & al. 2006), 1996 Braunau, Dietfurt, Höft und St. Pantaleon in Oberösterreich (Krisai 2000, Hohla 2011) und bei Feldkirch in Vorarlberg (Polatschek 1997). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1797 (Glaser & al. 2025). Frühe Verwilderungen aus Österreich meldete auch Fürstenwärther (1851) aus dem steirischen Bad Radkersburg. In Südtirol sehr selten, so etwa bei Auer (Naturmuseum Südtirol 2018).
SCHWEIZ:
Der älteste Eintrag in der Schweizer Datenbank stammt aus dem Jahr 1922 und ist auf einen Herbarbeleg zurückzuführen. Gegenwärtig vor allem im Mittelland zahlreich vorhanden (Möhl & al. 2014, Infoflora 2023), so etwa 2010 Münsingen im Kanton Bern (Möhl & al. 2014), 2012 Altbüron im Kanton Luzern (Möhl & al. 2014), 2013 bei Arth im Kanton Schwyz (Möhl & al. 2014), 2011 Cadenazzo und 2012 Magadino im Tessin (Möhl & al. 2014) und 2012 Henniez im Kanton Waadt (Möhl & al. 2014). Im Kanton Zürich vor 1931 erstmals bei Küsnacht subspontan belegt, ab dem Jahr 2000 liegen Funde aus 27 Quadranten (11 %) vor (Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1987 in Belgien (Verloove 2021), in Italien (Galasso & al. 2024), seit 1901 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1917 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Arten:

Asclepias curassavica

Von Mexiko bis ins tropische Südamerika ist die Curaçao-Seidenpflanze, Asclepias curassavica, beheimatet, die fast weltweit, vor allem in den Tropen und Subtropen als Zierpflanze genutzt wird und vielerorts verwildert oder eingebürgert auftritt, so in großen Teilen Afrikas, Südost-Asiens und Australiens. In Europa seit 1665 (Jäger & al. 2008) in Kultur. Im Gebiet sehr selten subspontan, so 1910 für den Mannheimer Friedhof in Baden-Württemberg (Breitfeld & al. 2021, Hand & Thieme 2023) und 1937 für München-Neuperlach in Bayern angegeben (Fleischmann 2018). Die Art ist in den „Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs (Sebald & al. 1996) nicht enthalten, auch in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024) und in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2024) für Bayern nicht enthalten. Außerdem u.a. in Italien (Galasso & al. 2024), in Spanien und Marokko verwildert.
 

Asclepias purpurascens

Die nordamerikanische Purpurne Seidenpflanze, Asclepias purpurascens (Syn.: A. amoena) wird selten als Zierstaude genutzt und 1911 für den Rheinhafen von Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz angegeben (Zimmermann 1913, Hand & Thieme 2023). Zwei seltene Asclepias-Arten, A. purpurascens und A. quadrifolia, adventiv im selben Jahr am selben Ort sind unwahrscheinlich.
 

Asclepias quadrifolia

Im östlichen Nordamerika ist die Vierblättrige Seidenpflanze, Asclepias quadrifolia, beheimatet, die sehr selten als Zierpflanze kultiviert wird und für das Gebiet einmal angegeben wird, nämlich 1911 in Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz (Zimmermann 1913, Hand & Thieme 2023). Zwei seltene Asclepias-Arten, A. purpurascens und A. quadrifolia, adventiv im selben Jahr am selben Ort sind unwahrscheinlich und passen ins Bild einer Reihe unkritisch vorgenommener Angaben für die Häfen Mannheim und Ludwigshafen durch Zimmermann.
 

Asclepias tuberosa

Die nordamerikanische Orange Seidenpflanze, Asclepias tuberosa, wird in Europa seit 1669 als Zierstaude genutzt (Jäger & al. 2008), in Sorten wie `Hello Yellow´ oder `Red Butterfly´. Meist findet sich bei uns aber die ursprüngliche, orange blühende Wildform im Pflanzenhandel.
Vereinzelt subspontan, so 2012 in einer teilweise ruderalen Trockenwiese bei Stockerau in Niederösterreich (Jacq 2023) und im Schotterstreifen des Kralgrabenweges in Salzburg (Pflugbeil & Pilsl 2013). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 2003 (Glaser & al. 2025). Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021) und in Italien (Galasso & al. 2024).
Die Orange Seidenpflanze ist eine wichtige Futterpflanze für den nordamerikanischen Monarch-Falter, der auch schon in Europa beobachtet werden konnte.
 

Quellen

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