Aristolochia

Pfeifenwinde, Osterluzeigewächs, Aristolochiaceae

Gattung:

Aristolochia umfasst, inklusive Isotrema, etwa 535 Arten (Kew 2022), verbreitet in den meisten Regionen der tropischen, subtropischen und warm-gemäßigten Gebiete. Die in Mitteleuropa am häufigsten kultivierte Gartenpflanze Aristolochia macrophylla wird von manchen Taxonomen seit 2019 zusammen mit etwa 50 andere Arten mit dreiteiligem Kelch in der reaktivierte Gattung Isotrema geführt.
 

Aristolochia macrophylla

Amerikanische Pfeifenwinde,
Aristolochia macrophylla (Syn.: Isotrema macrophyllum
Osterluzeigewächs, Aristolochiaceae

 

Steckbrief:

3–12 m hochwindende, verholzte Liane mit kahlen, grünen, älter graubraunen Trieben und lang gestielten Blättern. Blattspreite herzförmig, 7–30 cm lang, oberseits dunkler als unterseits, kahl. Blüten blattachselständig, gelbgrün bis braun, innen dunkelbraun, pfeifenförmig gewunden, Pfeifenkopf gelbbraun oder dunkelbraun. Früchte 6–8 cm lang, 3–4 cm dick, Samen flach, dreikantig, ca. 1 cm lang. Blütezeit Mai.     
Verwechslungsmöglichkeit: A. tomentosa hat unterseits dicht filzig behaarte Blätter.
 

Nutzung:

Zierpflanze. Die Art ist stadtklimafest (Bruns 2009). Giftig.
 

Anmerkung:

Die Art besitzt die Fähigkeit zur Selbstreparatur bei Rissen im Festigungsgewebe. In der Bionik wird diese Fähigkeit als Vorbild für eine selbstreparierende Schaumschutzschicht bei luftgefüllten Membranen genutzt. Auch ist sie ein beliebtes Mikroskopierobjekt. Zwischen den primären Leitbündeln schließt sich der Kambiumring, der dort breite Markstrahlen liefert (Düll & Kutzelnigg 2022).
 

Ausbreitung:

1761 sandte der Quäker John Bartram Samen der Art, die er im Ohio-Flusstal sammelte, an den englischen Pflanzenliebhaber Peter Collinson, aus denen der Gärtner James Gordon Pflanzen heranzog. Um 1783 erreichte die Art Deutschland, wo sie eine ziemlich rasche Ausbreitung erfuhr, so wuchs sie 1808 im Berliner Botanischen Garten und 1815 in Kunersdorf im Oderbruch. Im 20. Jahrhundert ließ das gärtnerische Interesse an der Pflanze nach (Krausch 2003). Gegenwärtig im Gebiet sehr vereinzelt subspontan.
 
DEUTSCHLAND:
Sehr vereinzelt, so 1990 im Wernhaldepark Stuttgart in Baden-Württemberg (Schäfer 1992, Hand & Thieme 2024), 2016 Unterwald in Ringheim, seit 20 Jahren lokal etabliert bei Keesburg, ehemals Obermenzing bei München, Würzburg und Passau in Bayern (Lippert & Meierott 2014, Meierott & Hetzel 2017, Meierott & al. 2024, Hohla 2018), Berlin (Seitz & al. 2012), Bützow in Mecklenburg-Vorpommern (Fukarek & Henker 2005), 2021 bei Streetz nahe Dannenberg in Niedersachsen (Kelm 2022), 1997 in Bochum-Querenburg und seit vielen Jahren im Ahrtal in Nordrhein-Westfalen (Goos 1998, Düll & Kutzelnigg 2022), Bad Neuenahr-Ahrweiler, Stadtteil Walporzheim in Rheinland-Pfalz (Adolphi 1983, Meyer 2018), Radebeul, Zehren, Wachwitz, Pillnitz und Pirna in Sachsen (Hardtke & al. 2013) und Tautenhain in Thüringen (Schönfelder 2017). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte 1951 (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
Sehr selten. Hohla (2009) berichtet über die erste Verwilderung der Amerikanischen Pfeifenwinde in einem Fichtenforst am Fuße des Aichbergs, Gemeinde Antiesenhofen in Oberösterreich. Diese Pflanze rankte an einer Fichte am Waldrand etwa 7 bis 8 m hoch. Vermutlich dürfte dieses Vorkommen das Resultat von ausgebrachten Gartenabfällen sein. Der Fichtenforst wurde 2020 wegen Käferschäden gefällt. Ein zweites Vorkommen existiert in Ried im Innkreis an der Ufermauer der Breitsach in der Kellergasse in Ried im Innkreis, 2019 u. 2020, vermutlich eine Anschwemmung durch Hochwasser (Hohla 2022). Früher auch in der Salzburger Josefiau (Pilsl & al. 2008), weiters in Amlach in Osttirol (Stöhr 2018). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1899 (Glaser & al. 2025).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Belgien (Verloove 2021), Norwegen (Gederaas & al. 2012) und in den Niederlanden (FLORON 2021).

 
Weitere Art:

Aristolochia tomentosa

Die im Pflanzenhandel manchmal fälschlich als A. macrophylla angebotene Filzige Osterluzei, Aristolochia tomentosa (Syn.: Isotrema tomentosum) ist in Nordamerika beheimatet und findet sich in Europa seit spätestens 1799 in gärtnerischer Kultur (Bärtels & Schmidt 2014). Im Gebiet sehr selten, so in Mannheim-Neckarau in Baden-Württemberg (Breunig 2010), 2022 in Nürnberg in Bayern (Meierott & al. 2024), Hessen (Hassler & Muer 2022) und 1997 Oggersheim in Rheinland-Pfalz (Mazomeit 2005). An den Orten der Verwilderungen bilden sich oft langlebige, große und dichte Vorkommen, die die angrenzenden Bäume und Sträucher schleierartig überwachsen (pers. Mitt. Michael Hassler am 9. März 2026). Subspontan u.a. auch in den Niederlanden (FLORON 2021).
 

Quellen

Adolphi K. (1983) Eine Verwilderung von Aristolochia macrophylla Lam. bei Walporzheim. Decheniana 136(1): 30.

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Breunig T. (2010): Neue Fundorte-Bestätigungen-Verluste – Ber. d. Bot. Arbeitsgem. Südwestdeutschland 6: 95–116.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

Düll R. & H. Kutzelnigg (2022): Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. 9. erw. Aufl. – Wiebelsheim. 948 S.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Fukarek F. & Henker H. (2005): Flora von Mecklenburg-Vorpommern – Farn- und Blütenpflanzen. Herausgegeben von Heinz Henker und Christian Berg, Weißdorn-Verlag Jena, 428 S.

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Goos U. (1998): Floristische, vegetationskundliche und avifaunische Untersuchungen auf dem Gelände der Ruhr-Universität Bochum. Diplomarbeit an der Ruhr-Universität Bochum. 188 Seiten.

Hand R. & Thieme M. (2024): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hardtke H.-J., Klenke F. & Müller F. (2013): Flora des Elbhügellandes und angrenzender Gebiete – Sandstein-Verlag Dresden. 718 S.

Hassler M. & T. Muer (2022): Flora Germanica. Bildatlas der deutschen Flora. Mit Artbeschreibungen von Thomas Meyer. Unter Mitarbeit zahlreicher Spezialisten und Revisoren. - Band 1 und Band 2, zus. 1712 S., Ubstadt-Weiher.

Hohla M. (2009): Bromus pumpellianus, Mimulus ringens und Poa bigelovii – neu für Österreich sowie weitere Beiträge zur Kenntnis der Flora des Innviertels

Hohla M. (2018): Zobodat-Herbarbelege – http://www.zobodat.at/belege.php?id=101774156

 



Hohla M. (2022): Flora des Innviertels – Stapfia 115, 720 S., unter besonderer Mitwirkung von F. Grims†, R. Krisai†, P.A.Kraml, S. Kellerer, G. Kleesadl, G. Pflugbeil, P. Pilsl, J. Samhaber, C. Schröck, J.A. Stemper, O. Stöhr & W. Zahlheimer.

Kelm H. (2022):  Floristischer Sammelbericht 2021 für Lüchow-Dannenberg - Rundbrief für den Botanischen Arbeitskreis in Lüchow-Dannenberg 47-55.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science

Krausch H.-D. (2003): Kaiserkron und Päonien rot - Von der Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen – Dölling und Galitz-Verlag. 536 S

Lippert W. & Meierott L. (2014) – Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Bayerische Botanische Gesellschaft, München, 407 S.

Mazomeit J. (2005): Erste Nachträge zur „Adventivflora von Ludwigshafen am Rhein“ – Mitteilungen der Pollichia 91: 111-120.

Meierott L., Fleischmann A., Klotz J., Ruff M. & W. Lippert (2024): Flora von Bayern – Haupt Verlag, Bern, 4 Bände.

Meierott L. & Hetzel G. (2017) Aristolochia macrophylla Lam. - bei Würzburg lokal eingebürgert. Ber. Bayer. Bot. Gesell. 87: 219.

Meyer T. (2018): Flora-de: Flora von Deutschland - http://www.blumeninschwaben.de/index.htm

Pilsl P., Schröck C., Kaiser R., Gewolf S., Nowotny G. & Stöhr O. (2008): Neophytenflora der Stadt Salzburg (Österreich). – Sauteria 17: 1–596.

Schäfer M. (1992): Floristisch-vegetationskundliche Kartierung im Nordwesten des Stuttgarter Innenstadtgebiets, des Landschaftsparks Wernhalde und einiger Klingen im Süden von Stuttgart – Diplomarbeit an der Universität Stuttgart. 144 Seiten.

Schönfelder I. (2017): Bemerkenswerte floristische Funde 2014/2015 im Gebiet des mittleren Saaletals – Informationen zur Floristischen Kartierung in Thüringen 36: 24-34.

Seitz B., Ristow M., Prasse R., Machatzi B., Klemm G., Böcker R. & Sukopp H. (2012): Der Berliner Florenatlas – Verhandlungen des Bot. Vereins von Berlin und Brandenburg, Beiheft 7.

Stöhr O. (2018): Aristolochia macrophylla in Amlach (OT) - http://forum.flora-austria.at/viewtopic.php?f=10&t=1198

Verloove F. (2021): Manual of the Alien Plants of Belgium –  http://alienplantsbelgium.be