Aralia

Aralie, Araliengewächs, Araliaceae

Gattung:

Aralia umfasst, inklusive Dimorphanthus, etwa 73 Arten (Kew 2022), die hauptsächlich in Südostasien, vor allem in China, und etwa 14 Arten in Amerika, beheimatet sind. Mehrere Arten sind wirtschaftlich wichtig. Etwa zehn Arten werden in Europa als Zierpflanzen kultiviert (Frodin 1997), andere medizinisch oder als Gemüse genutzt. Die Artabgrenzung und die generischen Grenzen innerhalb der Gattung sind unklar (Verloove 2021).
 
 

Aralia elata 

Japanische Aralie,
Aralia elata  
Araliengewächs, Araliaceae

 

Steckbrief:

3–8 m hoher Baum mit großen, dop­pelt gefiederten Blättern, die an den Zweigenden gehäuft sind. Junge Stämme, Zweige und manchmal auch Blattstiele, Rhachis und Blattnerven in unterschiedlichem Maße bestachelt. Die Seitennerven der Blättchen sind gerade bis schwach gebogen und enden in den Blättchenzähnen. Blütenstand trugdoldig, flach ausgebreitet, die Hauptachse höchstens 15 cm lang und viel kürzer als die Seiten-Blütenstände. Blüten weißlich, fünfzählig, zwittrig oder männlich, rein weibliche gibt es nicht. Früchte beerenartig, schwarzblau, 3,0–3,5 mm Ø. Blütezeit August.
Verwechslungsmöglichkeit: Die sehr ähnliche, nordamerikanischen Stachelige Aralie, Aralia spinosa, hat rispige Blütenstände mit einer bis zu 1 m langen Hauptachse. Die Seitennerven der Blättchen sind stark gebogen und enden nicht in den Blättchenzähnen. Der Blütenstand ist spitz-pyramidal, die Früchte sind 3,5–5 mm im Ø (Moore & al. 2009).
 

Nutzung:

Ziergehölz und Bienenweide, auch in Sorten wie `Golden Umbrella´ (1995) oder `Variegata´ (1885) (Bärtels & Schmidt 2014). Auch als Wildgemüse genutzt, so die Blattknospen roh, die jungen Triebe gekocht oder die Blätter blanchiert als Salat. Die Art ist kalkverträglich und nässeempfindlich (Bruns 2009).
 

Ausbreitung:

Ostasiatische Art. Die ersten Aralien dürften im Jahr 1704 durch den französisch-kanadischen Arzt und Naturforscher Michel Sarrazin (1659–1736) nach Europa gekommen sein. Nachdem die Pflanzen aus Nordamerika stammten, handelte es sich wahrscheinlich um Aralia spinosa. Aralia elata ist dann um 1830 nach Europa gekommen (Bärtels & Schmidt 2008).
Die einzelnen Stämme sind kurzlebig und werden nur etwa 10 Jahre alt. Sie regenerieren sich regelmäßig durch neue Schößlinge. Gegenwärtig im Gebiet sehr vereinzelt mit Verbreitungsschwerpunkten in den Kantonen Aargau und Zürich (Schmid-Hollinger 2008).

 
DEUTSCHLAND:
Ganz vereinzelt, so auf einer Schlagfläche in Simbach am Inn, 2001 in einem Forst bei Erlangen-Bruck, 1996 im Westhafen Regensburg, 2016 bei Rosenheim gegen Happinger Ausee un 2017 im Ufergebüsch am Ausee bei Freilassing in Bayern (Hohla 2017, Hohla 2017a, Meierott & al. 2024), kultiviert und sich ausbreitend im Park Sanssouci in Potsdam in Brandenburg (Kummer & Hoehl 2011), Hamburg (Gausmann & al. 2017), 2019 bei Ahnsbeck und 2019 am Südrand des Naturschutzgebietes„Allerdreckwiesen“ im Landkreis Celle in Niedersachsen (Kaiser 2020, Langbehn 2020), in einem Friedhof in Herne-Sodingen in Nordrhein-Westfalen (Gausmann & al. 2017) und bei Bleialf in der Westeifel in Rheinland-Pfalz (Hand & al. 2016). Der Erstnachweis für Bayern erfolgte 1996 (Meierott & al. 2024).
ÖSTERREICH:
Selten, so 2020 am Westufer des Ossiachersees in Kärnten (Wallnöfer, Strudl & Pokorny in: Gilli & al. 2021), in einer Schottergrube bei Lerz, in Waldzell, Munderfing und St. Peter am Hart in Oberösterreich (Hohla 2012), in der Stadt Salzburg am Kapuzinerberg (Pilsl & al. 2008, Pflugbeil & Moosbrugger 2016) und bei Preßguts, Laßnitz­höhe und am Ilzbach in der Steiermark (Berg & al. 2009). Die alte Angabe aus Bludenz in Vorarlberg (Dalla Torre & Sarnthein 1909) ist unsicher und stellt nach Berg & al. (2009) möglicherweise keine Verwilderung dar. Auch eine ehemalige Angabe für Nordtirol dürfte irrig sein (Pagitz & al. 2023).
SCHWEIZ:
Sehr vereinzelt mit Verbreitungsschwerpunkten in den Kantonen Aargau, Luzern und Zürich (Schmid-Hollinger 2008, Infoflora 2023). Im Kanton Zürich trat die Art erstmals bei Wetzikon und bei Affoltern am Albis auf (Wohlgemuth & al. 2020). Bis zum Jahr 2017 lagen aus der Schweiz 27 Fundmeldungen vor (Buholzer & al. 2017).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), in den Niederlanden (FLORON 2021) und seit 1999 in Belgien (Verloove 2021).

 
Weitere Arten:

Aralia californica

In Kalifornien und Oregon ist die Kalifornische Aralie, Aralia californica, beheimatet, die im Gebiet selten als Zierstaude oder in Botanischen Gärten kultiviert wird und daraus sehr selten verwildert. 
So 2007 bis zumindest 2017 sich lokal etablierend bei Heroldsberg im Landkreis Erlangen-Höchstadt in Bayern (Lippert & Meierott 2018, Meierott & al. 2024).
 

Aralia chinensis

Die Chinesische Aralie, Aralia chinensis, ist in Südost-Asien von China und Vietnam bis Borneo beheimatet und wird bei uns sehr selten als spätblühende Bienenweide und Fruchtschmuckstrauch seit etwa 1830 kultiviert (Bärtels & Schmidt 2014). Sehr selten unbeständig verwildert, so in Paderborn in Nordrhein-Westfalen (Baruch 1922, Hand & Thieme 2023), 2005 am Ziegelberg bei Putzkau in Sachsen (Wesenberg & al. 2017), Quedlinburg in Sachsen-Anhalt (Herdam 1995) und ehemals in Bludenz in Vorarlberg (Hegi 1975).
 

Aralia racemosa

Die Traubige Aralie, Aralia racemosa, stammt aus dem östlichen und zentralen Nordamerika und wird in Mitteleuropa sehr selten als Heil- und Zierpflanze kultiviert. 
2007 wird sie über Gartenauswurf verschleppt beim Thersienstein-Hof bei Bayreuth in Bayern angegeben (Breitfeld & al. 2021). Die Art ist in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht angegeben, auch nicht in der „Flora von Bayern“ (Meierott & al. 2024). Subspontan 1972 in Belgien (Verloove 2021).
 

Aralia spinosa

In den östlichen USA ist die Dornige Aralie, Aralia spinosa, beheimatet. Inwieweit sie in Mitteleuropa kultiviert wird oder doch nur mit der sehr ähnlichen Japanischen Aralie, Aralia elata, verwechselt wird, ist nicht bekannt. Gemeldet wurde Aralia spinosa irrtümlich aus Waldzell in Oberösterreich (Hohla 2002). Subspontan auch für die Niederlande angegeben (FLORON 2021).
 

Quellen

Bärtels A. & Schmidt P. A. (2014): Enzyklopädie der Gartengehölze – Ulmer-Verlag Stuttgart, 883 S.

Baruch (1922): Ergänzungen und Nachträge zur Flora von Paderborn – s0f8877c528d8ab45.jimcontent.com/download/

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Breitfeld M., Hertel E. & Baumann A. (2021): Flora Adventiva – Eine Zusammenstellung der in Deutschland nachgewiesenen Pflanzen, welche nicht in den Bestimmungswerken erwähnt werden; Markneukirchen, 677 S.

Bruns J. (2009): Bruns Pflanzen – Sortimentskatalog Gehölze 2009/2010 – Ulmer Verlag, 1123 S.

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Dalla Torre W. K. & Sarnthein L. (1909): Flora der gefürsteten Grafschaft Tirol, des Landes Vorarlberg und des Fürstenthumes Lichtenstein. Band VI, 2. Teil, 964 p. – Innsbruck: Wagner’sche Univ.-Buchhandlung.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Frodin D.G. (1997): Aralia. In: Cullen J. & al. (Hrsg.), The European Garden Flora, Bd. 5. Cambridge University Press, Cambridge: 370-372.

Gausmann P., Haeupler H. & Adolphi K. (2017) Verwilderungen von Aralia elata, Fraxinus pennsylvanica und Juglans ailantifolia im Mittleren Ruhrgebiet (Nordrhein-Westfalen). Florist. Rundbr. 51: 108-127.

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Gilli C., C. Pachschwöll & H. Niklfeld (2021): Floristische Neufunde (430-508) – Neilreichia 12: 291-400.

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