Antirrhinum

Löwenmaul, Wegerichgewächs, Plantaginaceae

Gattung:

Antirrhinum umfasst, exkl. Sairocarpus, etwa 21 Arten (Kew 2022) im westlichen und zentralen Mittelmeergebiet.
 

Antirrhinum majus  

Echtes Löwenmaul,
Antirrhinum majus  
Wegerichgewächs, Plantaginaceae

 
 

Steckbrief:

20–70 cm hohe, aufrechte, oben drüsige Staude. Blätter lanzettlich, ganzrandig, 3,5–10× so lang wie breit, untere gegenständig, obere wechselständig. Blüten in endständigen Trauben, 3–4 cm lang, purpurn, auf dem Gaumen mit 2 gelben Flecken, seltener ganz gelb oder weiß, Kronröhre am Grund ausgestülpt, ohne Sporn, Kelchzipfel eiförmig. Fruchtkapsel mit 2 ungleichen Fächern. Blütezeit Juni bis September.
Verwechslungsmöglichkeit: Das Breitblättrige Löwenmaul, Antirrhinum latifolium, hat meist gelbe Blüten und Blattspreiten, die 1,5–3,5× so lang wie breit sind.
 

Nutzung:

Zierpflanze, in verschiedenen Sorten wie `Antirinca´, `Candy Tops F1´, `Rocket´, `Piourette F1´ und `Sonnet F1´. Die Art wird meist einjährig kultiviert.
 

Ausbreitung:

Beheimatet in 5 Unterarten im westlichen Mittelmeergebiet, südlich bis Mauretanien. Um 1560 in einer wenigblütigen, trübroten Form als Zierpflanze nach Deutschland gekommen. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts stieg die Zahl der Farbformen beträchtlich und auch in Bezug auf die Blühfreudigkeit wurde ausgelesen und gezüchtet (Krausch 2003).
Gegenwärtig vielfach verwildert, lokal auch eingebürgert, so an den Stadtmauern von Passau in Bayern (Hohla 2022), in der Emmerberger Klause bei Winzendorf in Niederösterreich (Janchen 1977), in Südtirol, im Bodenseegebiet, dem Tessin, in der Waadt und im Wallis.

 
DEUTSCHLAND:
In allen Bundesländern außer Bremen. Lokal auch eingebürgert, so beispielsweise im Neckargebiet bei Besigheim und Hohenasperg in Baden-Württemberg (Sebald & al. 1996).
ÖSTERREICH:
Häufig kultiviert, selten verwildert, lokal auch eingebürgert. In allen Bundesländern subspontan (Glaser & al. 2025). Im Burgenland u. a. bei Jois (Janchen 1977), in Niederösterreich in Prellenkirchen, bei Klosterneuburg, Vöslau, Pottenstein und Winzendorf (Nadler & Haug 2022, Janchen 1977), bei Oberrödham, Holzing, Schärding, Ennsdorf, Pyburg, Herzograd, Winkling, Staning, Steyr, Ebenboden, Pichling, Enns und Sierning in Oberösterreich (Grims 2008, Essl 2002, Essl 2006), in Salzburg u. a. in St. Georgen, Steindorf bei Straßwalchen, Neumarkt am Wallersee, Oberndorf bei Salzburg und Kuchl (Schröck & al. 2004), Landeck, Starkenbach und Innsbruck in Nordtirol (Polatschek 2001), Dölsach in Osttirol (Polatschek 2001) und Bregenz, Dornbirn, Hard, Feldkirch und Rankweil in Vorarlberg (Polatschek 2001, Amann 2016). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1756 (Kramer 1756, Glaser & al. 2025). In Südtirol lokal eingebürgert.
SCHWEIZ:
Vielfach, im Bodenseegebiet, dem Tessin, in der Waadt und im Wallis lokal eingebürgert, sonst vereinzelt verwildert, so vielfach in der Stadt Zürich (Landolt 2001, Infoflora 2023). Im Kanton Zürich in 15 % der Quadranten subspontan festgestellt (Wohlgemuth & al. 2020).

 
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. auch in Norwegen (Gederaas & al. 2012), in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 1819 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 1830 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).

 
Weitere Art:

Antirrhinum latifolium

Im nordwestlichen Mittelmeergebiet von Spanien bis Italien ist das Breitblättrige Löwenmaul, Antirrhinum latifolium, beheimatet, welches selten kultiviert wird und sehr selten verwildert. 
So seit mehr als 10 Jahren in der Eckertstraße in Köln-Lindenthal in Nordrhein-Westfalen (BBV 2014) und in Zürich (Krüsi & Trachsel 2012). Die Art ist in der deutschen Florenliste (Hand & Thieme 2023) nicht angegeben.
 

Quellen

Amann G. (2016): Aktualisierte Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen Vorarlbergs – Bucher-Verlag, 256 S.

BBV-Bochumer Botanischer Verein (2014): Exkursion: Köln-Lindenthal - Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 6: 83–86.

Essl F. (2002): Seltene Gefäßpflanzenarten der Trockenvegetation des Unteren Enns- und Steyrtales (Ober- und Niederösterreich) – Beitr. Naturk. Oberösterreichs 11: 339–393.

Essl F. (2006): Floristische Beobachtungen aus dem östlichen Oberösterreich und dem angrenzenden Niederösterreich, Teil V – Beitr. Naturk. Oberösterreichs 16: 161–195.

FLORON (2021): Floron Verspreidingsatlas Vaatplanten – www.verspreidingsatlas.nl

Gederaas L., Loennechen Moen T., Skjelseth S. & Larsen L.-K. (2012): Alien species in Norway, with the Norwegian Black List - http://www.scales-project.net/NPDOCS/
AlienSpeciesNorway_2012_scr_9C0ee.pdf

Glaser M., C. Gilli, N. Griebl, M. Hohla, G. Pflugbeil, O. Stöhr, P. Pilsl, L. Ehrendorfer-Schratt, H. Niklfeld & F. Essl (2025): Checklist of Austrian neophytes (2nd edition) – Preslia 97: 413−539.


Grims F. (2008): Flora und Vegetation des Sauwaldes und der umgrenzenden Täler von Pram, Inn und Donau – 40 Jahre später - Stapfia 87, 262 S.

Hand R. & Thieme M. (2023): Florenliste von Deutschland (Gefäßpflanzen), begründet von Karl Peter Buttler. https://www.kp-buttler.de/florenliste/index.htm

Hohla M. (2022): Flora des Innviertels – Stapfia 115, 720 S., unter besonderer Mitwirkung von F. Grims†, R. Krisai†, P.A.Kraml, S. Kellerer, G. Kleesadl, G. Pflugbeil, P. Pilsl, J. Samhaber, C. Schröck, J.A. Stemper, O. Stöhr & W. Zahlheimer.

Infoflora (2023): Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora – https://www.infoflora.ch/de/

Janchen E. (1977): Flora von Wien, Niederösterreich und Nordburgenland. — Verein für Landeskunde von Niederösterreich und Wien 2. Aufl. 757 S.

Kew (2022): Kew science – Plants of the World Online - Plants of the World Online | Kew Science



Kramer G.H. (1756): Elenchus Vegetabilium et Animlium per Austriam inferiorem observatorum. Vienna, Prag, Tergesti.

Krausch H.-D. (2003): Kaiserkron und Päonien rot - Von der Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen – Dölling und Galitz-Verlag. 536 S

Krüsi B. O. & Trachsel T. (2012): Erstaunliche Vielfalt in einem unscheinbaren Lebensraum: Die Pflasterfugen-Flora der Stadt Zürich – Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich 157(3/4): 59–72.

Landolt E. (2001): Flora der Stadt Zürich (1984–1998) Band 2 – Springer Verlag Basel. 706 S.

Lippert W. & Meierott L. (2014) – Kommentierte Artenliste der Farn- und Blütenpflanzen Bayerns – Bayerische Botanische Gesellschaft, München, 407 S.

Medvecká J., Kliment J., Májeková J., Halada Ľ., Zaliberová M., Gojdičová E., Feráková V. & Jarolímek J. (2012): Inventory of the alien flora of Slovakia. – Preslia 84: 257–309.

Nadler K. & Haug G. (2022):  Erratum to: Nadler K. & Haug G. (2021): Dorf-Flora Prellenkirchen (Niederösterreich) nebst Ergänzungen zur Scherrasenflora 2019 Stapfia 112: 147–206 - Stapfia 113: 129–146.

Polatschek A. (2001): Flora von Nordtirol, Osttirol und Vorarlberg, Bd. 4. — Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck. 1083 S.

Pyšek P., Danihelka J., Sádlo J., Chrtek J. jr., Chytrý M., Jarošík V., Kaplan Z., Krahulec F., Moravcová L., Pergl J., Štajerová K. & Tichý L. (2012): Catalogue of alien plants of the Czech Re­public (2nd edition): checklist update, taxonomic diversity and invasion patterns. – Preslia 84: 155–255.

Schröck C., Stöhr O., Gewolf S., Eichberger C, Nowotny G., Mayr A. & Pilsl P. (2004): Beiträge zur Adventivflora von Salzburg I. — Sauteria 13: 221–237.

Sebald O., Seybold S, Philippi G. & Wörz A. (1996): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs, Bd. 5: Buddlejaceae bis Caprifoliaceae. Verlag E. Ulmer, Stuttgart.

Seitz B., Ristow M., Prasse R., Machatzi B., Klemm G., Böcker R. & Sukopp H. (2012): Der Berliner Florenatlas – Verhandlungen des Bot. Vereins von Berlin und Brandenburg, Beiheft 7.

Wohlgemuth T., Del Fabbro C., Keel A., Kessler M. & M. Nobis (2020): Flora des Kantons Zürich. Zürcherische Botanische Gesellschaft. Haupt-Verlag, Bern.