Pyracantha

Feuerdorn, Rosengewächs, Rosaceae

Gattung:

Pyracantha umfasst etwa 6 Arten (Kew 2023) in Südeuropa und Südasien. Sie ist nahe mit Cotoneaster, Crataegus und Sorbus verwandt, was auch in der Bildung von Gattungshybriden deutlich wird. Der in Südchina beheimatete Schmalblättrige Feuerdorn, P. angustifolia, und der südasiatische Nepal-F., P. crenulata, werden in Deutschland als potentiell invasiv eingestuft, weil sie in anderen gemäßigten Regionen bereits Fuß gefasst und Schaden angerichtet haben (Weber 2021).
 

Pyracantha coccinea 

Feuerdorn,
Pyracantha coccinea  
Rosengewächs, Rosaceae

 

Steckbrief:

2–4 m hoher und breiter, immergrüner, stark dornig bewehrter Strauch. Blätter wechselständig, Spreite 2–6 cm lang, elliptisch bis lanzettlich, dicht kerbig gesägt, oberseits glänzend dunkelgrün. Blüten 6–8 mm im Ø, fünfzählig, in vielblütigen Trugdolden. Krone weiß, Kelchblätter kurz, Staubblätter 20, Staubbeutel gelb. Frucht rot, orange oder gelb, 5–6 mm im Ø, vom bleibenden Kelch gekrönt. Blütezeit Mai bis Juni.
 

Nutzung: 

Zier- und Heckenpflanze, in zahlreichen Sorten wie `Soleil d´Or´ (um 1970), `Orange Glow´ (um 1930) oder `Bad Zwischenahn´ (1960) (Bärtels & Schmidt 2014). Auch als Bienenweide und Windschutz gepflanzt. Die Art ist hitzeresistent, stadtklimafest, rauchhart, hat ein hohes Ausschlagsvermögen und verträgt sommerliche Trockenzeiten (Bruns 2009). Er ist ein wertvolles Vogelgehölz, das durch die Bewehrung vor Fressfeinden schützt und die Früchte über den Winter hält. Die Früchte können, ohne der leicht giftigen Samen, zu Marmelade verarbeitet werden. Feuerdorn ist Wirtspflanze des Feuerbrandes, Erwinia amylovora.
 

Ausbreitung: 

Beheimatet im Mittelmeer- und Schwarzem Meer-Gebiet. Anfang des 17. Jahrhunderts kam der Strauch nach Mitteleuropa. In Österreich seit 1623 bekannt (Cabi 2022), in England 1629 und für Paris 1636 belegt. Breitere Anwendung fand der Feuerdorn ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts (Krausch 2003). Gegenwärtig im Gebiet häufig kultiviert und vielfach verwildert.  
Die Art vermehrt sich vorrangig durch Verdauungsverbreitung, etwa über Amseln und Grünfinken, und vegetativ über Wurzelsprosse.

 
DEUTSCHLAND:
Vereinzelt, so in Mannheim in Baden-Württemberg (Junghans 2014), Günzburg, Oberaudorf, Kempten und Hof/Saale in Bayern (Adler & al. 2017, Smettan 2016, Dörr & Lippert 2004, Hetzel 2006), vielfach in Berlin (Seitz & al. 2012), Brandenburg (Hand & Thieme 2024), Hamburg (Hand & Thieme 2024), Frankfurt in Hessen (Buttler 2009), Querumer Forst bei Braunschweig in Niedersachsen (Brandes 2003), mehrfach im Ruhrgebiet Nordrhein-Westfalens wie in Kamen, am Lanstroper See bei Dortmund und im Rechener Park in Bochum-Ehrenfeld (Loos 1997, Fuchs & al. 2006, BBV 2010, BBV 2014), Ludwigshafen-Maudacher Bruch, Ludwigshafen Hauptbahnhof und Rheinböschung am Lichtenberger Ufer in  Rheinland-Pfalz (Mazomeit 1995, Mazomeit 2005), Leipzig-Gundorf, Dresden-Ostragehege, Zschochau und Weißig in Sachsen (Gutte 2006, Hardtke & al. 2013), Magdeburg in Sachsen-Anhalt (Brandes 2006), auf Helgoland in Schleswig-Holstein (Theisinger & Hebbel 2022) und in Thüringen (Hand & Thieme 2024).
ÖSTERREICH:
Vereinzelt, so 2007 am Spittelberg, 2019 Hackelsberg bei Jois und 2018 bei Illmitz im Burgenland (Barta & al. 2019), Straßhof, Deutsch-Wagram, Schiltern, Felixdorf, 2010 in Fischamend und in Tribuswinkel in Niederösterreich (Melzer & Barta 2001, Essl & Stöhr 2006, Essl 2008, Sauberer 2019, Stöhr & al. 2012, Sauberer & al. 2020), Braunau, Bahnhof Lenzing und Bad Ischl in Oberösterreich (Hohla & al. 2009, Hohla 2011), Strobl, Kalsberg, Vigaun und mehrfach in der Stadt Salzburg (Essl 2005, Stöhr & al. 2009, Pilsl & al. 2008), Nussdorf-Debant in Osttirol (Stöhr 2018) und Nordbahnhof, Schönbrunn, Liesinger Eichkogel, Heißlände bei der Panozzalacke in der Unteren Lobau und Hermannpark in Wien  (Glaser & al. 2025, Gilli & al. 2024). Der Erstnachweis für Österreich erfolgte 1971 (Glaser & al. 2025). In Südtirol u.a. bei Terlan (Wilhalm & al. 2004).    
SCHWEIZ:
Vielfach, vor allem um den Genfer See und im südlichen Tessin (Bellosi & al. 2011), sonst vereinzelt, so um Bern [subspontan?], im südwestlichen Graubünden [subspontan?], Rhonetal im Wallis und Lehmgrube Binz, Elefantenbachtobel, Birchstraße, Bonstetten, Dietlikon und Unterstammheim in Zürich (Infoflora 2024, Landolt 2001, Wohlgemuth & al. 2020).
ANDERE LÄNDER:
Subspontan u.a. seit 2001 auch in Belgien (Seebens & al. 2017. Verloove 2021), seit 2006 in Norwegen (Gederaas & al. 2012, Seebens & al. 2017), in den Niederlanden (FLORON 2021), seit 2000 in Irland (Seebens & al. 2017), seit 2002 in Tschechien (Pyšek & al. 2012) und seit 2002 in der Slowakei (Medvecká & al. 2012).
 

 

Quellen

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